Concordia-CEO über Tarmed-Eingriff: «Das ist pure Augenwischerei»

Nikolai Dittli, Chef des Versicherers Concordia, erhofft sich wenig vom Eingriff des Bundesrats beim Ärztetarif Tarmed.

, 28. August 2017, 05:00
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470 Millionen Franken will Bundesrat Alain Berset mit dem neuen Tarmed einsparen. Laut Berechnungen des Bundes entspricht dies einer Einsparung von 1,5 Prämienprozenten.
«Das ist pure Augenwischerei», sagt Nikolai Dittli zur «Luzerner Zeitung», der Chef von Concordia. In der Vergangenheit habe jede Tarifänderung nicht zu einer Kostendämpfung, sondern zu höheren Kosten geführt, so Dittli.
Alle Leistungserbringer seien gewinnorientiert. «Sie werden versuchen, die Mindereinnahmen zu kompensieren», sagt der Krankenversicherer-CEO weiter. Dies ist laut Dittli «sehr stossend», da es sich bei der Grundversicherung schliesslich um eine Sozialversicherung handle.

Prämienaufschlag unter dem Durchschnitt

Man könne die Reduktion beim Tarmed deshalb nicht in die Berechnung der Prämien 2018 einfliessen lassen. «Wir können ja nicht Geld verteilen, bevor wir es überhaupt eingespart haben», erklärt der Krankenkassenchef.
Dittli geht ferner davon aus, dass der Prämienaufschlag bei der Concordia wie in den vergangenen Jahren unter dem Durchschnitt der anderen Krankenversicherer liegt. Für 2018 rechnet der Branchenverband Santésuisse mit einem Anstieg von 4 bis 5 Prozent.

Prämienverbilligungs-Stopp ist eine «Sauerei»

Dittli äusserte sich gegenüber der Zeitung auch über das Nichtbezahlen von Krankenkassenprämien-Verbilligungen der Luzerner Regierung. Der Kanton zahlt vorderhand keine Prämienverbilligungen mehr – aufgrund des fehlenden Budgets.
Dittli bezeichnet dies als «Sauerei». Zudem verstosse die Massnahme gegen das Bundesgesetz über die Krankenversicherung, schreiben die Concordia und die CSS in einem gemeinsam verfassten Brief an die Luzerner Politik.
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