CSS vs. Swissmedic: «Irreführend und unvollständig»

Nächste Runde in der Kontroverse um die Antibabypille Yasmin: Der Krankenversicherer CSS kritisiert das Heilmittelinstitut Swissmedic scharf. Warum konnte es ein so «hochproblematisches Produkt» überhaupt zulassen?

, 1. September 2015, 07:26
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Die Antibaby-Pille Yasmin bleibt umstritten: Der Krankenversicherer CSS findet schwer wiegende Mängel auf dem Beipackzettel der Antibabypille Yasmin und der Fachinformation. «Eine Analyse der Risikoinformation zur Antibaby-Pille Yasmin zeigt, dass die Risiken sowohl gegenüber den Patientinnen als auch den Ärzten irreführend, unvollständig und sehr wahrscheinlich teilweise unzutreffend dargestellt werden», schreibt Konstantin Beck, Leiter CSS Institut für empirische Gesundheitsökonomie Luzern und Universität Zürich
Die Kosten der Nebenwirkungen seien viel höher als die erwirtschafteten Gewinne. Es stellt sich die Frage, warum Swissmedic ein so «hochproblematisches Produkt» überhaupt zulassen konnte, so Beck in seiner Analyse «Naive Haftpflichtklage oder tragischer Regulierungsfehler im Fall Céline contra Yasmin?». Vor sieben Jahren erlitt die junge Céline eine Thrombose und ist seither schwerstbehindert. 

Widersprüchliche Informationen

So stehe in der Patienteninformation von 2004, das Risiko für eine venöse Thrombose sei zwar leicht erhöht, aber geringer als bei einer Schwangerschaft. Aus der Fachinformation für Ärzte sei jedoch ersichtlich, dass das Risiko mit Yasmin grösser sei. 
Bei Pillen, die Drospirenon enthalten wie Yasmin und Yasminelle, steigt das Thromboserisiko bei jungen Frauen stark an. Antibabypillen ohne Drospirenon haben dagegen laut Beck ein halb so grosses Risiko als Pillen, die Drospirenon enthalten.
Seine Risikorechnung sieht so aus: 
Während eine Jahrespackung Yasmin 230 Franken kostet, verursacht sie ein Risiko zwischen 277 und 554 Franken. Substitute ohne Drospirenon verursachen wesentlich geringere Risikokosten von 74 bis 149 Franken. Wären die Nebenwirkungen Teil des Verkaufspreises, könnte jede Anwenderin 200 bis 400 Franken sparen, wenn sie das sicherere Substitut wählt. Diese Zahlen sagen auch aus, dass die Allgemeinheit den Kauf jeder Packung Yasmin mit 277 bis 554 Franken quersubventioniert. 

Swissmedic weist Kritik zurück

Gegenüber Schweizer Radio SRF kontert Swissmedic die Kritik: Beck habe die Fachinformation falsch interpretiert, sagt Rudolf Stoller von der Abteilung Arzneimittelsicherheit. Im Jahr 2008, als die junge Frau die Thrombose erlitten habe, habe man noch nicht gewusst, dass Yasmin ein noch höheres Risiko für Thrombosen berge als ältere Pillen. 


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