Covid-Vakzine: Update zu den Nebenwirkungen & mehr

Der letzte Medinside-Bericht zu den Verdachtsmeldungen liegt ein halbes Jahr zurück. Am Freitag hat Swissmedic die neuen Zahlen und eine neue Impfempfehlung herausgegeben: ein Überblick und Vergleich.

, 1. Dezember 2021, 14:54
image
3G, 2G, Booster, Impfpflicht oder Virusmutationen: die Coronakrise beschäftigt und fordert nach wie vor heraus. Grosse Sorgen bereitet die neu entdeckte Virusvariante B.1.1.529 (Omikron), die von der WHO vorsorglich als «besorgniserregend» eingestuft wurde. In der Schweiz wurden inzwischen drei Fälle gemeldet. Einer der Fälle betrifft einen doppelt geimpften 19-jährigen Schüler im Kanton Basel-Stadt. Die Wissenschaft weiss noch nicht viel über die Sars-CoV-2-Mutante; die Wirksamkeit der bestehenden Covid-Impfstoffe wird untersucht. Bis jetzt sind die dokumentierten Verläufe weltweit mild, Todesfälle werden laut der Tagesschau am Mittag auf SRF noch keine verzeichnet. 
Bei all den aktuellen Themen in den Hintergrund geraten sind die sogenannten UAWs - die Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die in zeitlichem Zusammenhang mit den Covid-19 Impfungen aufgetreten sind. 
Seit dem letzten Medinside-Artikel sind bald sechs Monate verstrichen. Zu dem Zeitpunkt waren lediglich die beiden mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna bedingt zugelassen. Im März kam der vektorbasierte Impfstoff von Johnson & Johnson für Personen ab 18 Jahren dazu. Nachfolgend ein Blick auf die neuen UAW-Zahlen von Swissmedic:

Schweiz registriert über 10'000 UAWs

Swissmedic hat bis zum 23. November 2021 10'386 UAWs ausgewertet. Zum Vergleich: Bis zum 15. Juni wurden 2944 Verdachtsmeldungen ausgewertet. Das ergibt ein Plus von 7442 Meldungen. Nach wie vor sind Frauen mehr von Nebenwirkungen betroffen als Männer. 
Von den 10'386 Meldungen wurden
  • 6'756 (65 %) als nicht schwerwiegend und 
  • 3'630 (35 %) als schwerwiegend eingestuft.
  • 159 Personen verstarben in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung. Laut Swissmedic gibt es in keinem der Fälle konkrete Hinweise darauf, dass die Impfung die Ursache für den Todesfall war.
  • 7129 (68,6%) der Meldungen beziehen sich auf den Covid-19 Impfstoff Spikevax von Moderna (bei rund 65% der verabreichten Impfdosen der in der Schweiz am häufigsten angewandte Impfstoff),
  • 3007 (29 %) auf den Impfstoff Comirnaty von Pfizer/BioNTech (rund 34% der verabreichten Impfdosen) und
  • 41 (0,4%) auf Covid-19 Vaccine Janssen. 

Mehr Impfungen, mehr Nebenwirkungen

Zu beachten gilt: Bis zum 13. Juni hatten in der Schweiz rund 3,8 Millionen mindestens eine Impfdosis erhalten; verabreicht wurden bis zu dem Zeitpunkt 6,1 Millionen Impfdosen. Diese Zahl hat sich fast verdoppelt: Bis zum 30. November wurden 11'908'845 Impfdosen verabreicht; 65,67 Prozent der Schweizer Bevölkerung ist vollständig geimpft. Diese Quote ist im Vergleich zu den europäischen Spitzenreitern wie etwa Island (82%) und Portugal (88%) jedoch immer noch relativ niedrig (siehe Grafik unten).  
image

WHO registriert 2,6 Millionen Meldungen

Ein Blick auf die Weltbevölkerung zeigt: Gemäss ourworldindata.org haben bis dato 54,4 Prozent mindestens eine Dosis eines Covid-19-Impfstoffs erhalten. Weltweit wurden 7,99 Milliarden Dosen verabreicht; aktuell werden täglich 31,43 Millionen verimpft. Nur sechs Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen haben mindestens eine Dosis erhalten.
Wie der WHO-Datenbank Vigiaccess zu entnehmen ist, wurden weltweit mit Stand heute 2'642'138 Millionen Verdachtsmeldungen registriert. Zum Vergleich: Bis zum 22. Juni waren 1'150'428 Verdachtsmeldungen bei Vigiaccess registriert. Heute sind es also knapp 1,5 Millionen mehr.
49 Prozent aller Verdachtsmeldungen stammen aus Europa. Mit 40 Prozent am meisten betroffen ist die Altersgruppe 18 bis 44. Ein Grossteil davon sind Frauen. 

Nebenwirkungen: Impfstoffe im Vergleich

Auch wenn die Verdachtsmeldungen betreffend die Covid-Impfstoffe in Relation zu den weltweit verabreichten Dosen gestellt werden: Ein Vergleich mit anderen Impfstoffen gegen Influenza, Pneumokokken oder Kinderlähmung zeigt, dass die Anzahl an Covid-UAWs dennoch sehr hoch ist (s. Bildergalerie am Ende des Textes):
  1. Covid-19 vaccine: 2'642'138  
  2. Influenza (1968-2021): 276'194
  3. Pneumococcal vaccine (1980-2021): 239'484
  4. Polio vaccine (1968-2021): 122'571

Eine Info zu den Pocken: Pockenviren sind genetisch stabil und mutieren normalerweise nicht sehr schnell. Die Pockenimpfstoffe sind die ältesten bekannten Vakzine. Diese werden heute nicht mehr verimpft. Gemäss eines BAG-Factsheets soll aus historischen Daten hervorgehen, dass pro Million geimpfter Personen bei 1000 mit Impfnebenwirkungen gerechnet werden muss. Darunter fallen 15 bis 50 schwere Komplikationen und ein bis zwei Todesfälle. 

Swissmedic passt Impfempfehlung an

Eines vorweg: Schwerwiegende Nebenwirkungen sind solche, die tödlich oder lebensbedrohend sind, eine Hospitalisation oder deren Verlängerung erfordern, zu bleibender oder schwerwiegender Behinderung oder Invalidität führen oder sich in einer angeborenen Fehlbildung/einem Geburtsfehler äussern. 
Zu den bekanntesten schwerwiegenden Nebenwirkungen der Covid-Impfstoffe zählen der anaphylaktische Schock, Thrombosen, Paralysen, Herzprobleme, Erblindungen oder Atemnot. Es ist nach wie vor so, dass die Schweiz laut Swissmedic keine Impftote zu vermelden hat
Die Ständige Impfkommission (DE) hat kürzlich ihre Impfempfehlung angepasstImpfempfehlung angepasst: Weil mit Moderna häufiger Herzprobleme auftreten, werden unter 30-Jährige nur noch mit Biontech geimpft. Wie das BAG am Freitag informierte, hat Swissmedic beide mRNA-Impfstoffe für die Auffrischimpfung von Personen ab 16 Jahren mit Pfizer beziehungsweise ab 18 Jahren mit Moderna zugelassen. Für Moderna gibt es jedoch eine angepasste Impfempfehlung. Diese lautet wie folgt. 
«Personen im Alter unter 30 Jahren wird präferenziell die Auffrischimpfung mit dem Pfizer-Impfstoff empfohlen, unabhängig vom für die Grundimmunisierung verwendeten Impfstoff. Alle anderen Personen sollen grundsätzlich möglichst eine Auffrischimpfung mit demjenigen mRNA-Impfstoff erhalten, der für die Grundimmunisierung benutzt wurde. Wenn dieser nicht vor Ort verfügbar ist, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden.»
Bildergalerie: WHO-Daten zu verschiedenen Impfstoffen
(Sie Können mit dem Pfeil rechts im Bild swipen)
image
Screenshots von der WHO-Datenbank Vigiaccess.
Artikel teilen

Loading

Comment

Home Delivery
2 x pro Woche. Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Covid-Impfung: Neue Empfehlung für das Gesundheitspersonal

Eine Auffrischimpfung bietet gemäss BAG dem Gesundheitspersonal einen gewissen kurzzeitigen Schutz vor Infektion mit Erkrankung. Zudem könne eine erneute Impfung Arbeitsausfälle reduzieren.

image

MiGeL: BAG erwartet keine Finanzierungslücken

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann die Erweiterung der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) fristgerecht auf den 1. Oktober 2022 umgesetzt werden. Finanzierungslücken seien nicht zu erwarten.

image

Covid: Künstliche Intelligenz soll Mutanten erfassen

ETH-Forschende haben eine neue Methode entwickelt. Diese soll Antikörpertherapien und Impfstoffe hervor bringen, die gegen zukünftige Virusvarianten wirksam sind.

image

So viele potenzielle Lebensjahre gingen durch Corona verloren

Die Krankheit Covid-19 war 2020 die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz. Dies geht aus der aktuellen Todesursachenstatistik hervor.

image

Covid19: St.Galler Forscher finden Ursache für Atemprobleme

Wissenschaftler um das Kantonsspital St.Gallen (KSSG) lösen das Rätsel um die Atemnot bei Covid-Patienten. Im Zentrum stehen Immunglobuline und Surfactant-Proteine.

image

Affenpocken: Stadt Zürich ist besonders betroffen

Die Stadt Zürich fordert vom Bund dringend die Beschaffung des Impfstoffs gegen Affenpocken. Grossanlässe wie die Street Parade bergen ein erhöhtes Risiko.

Vom gleichen Autor

image

Schaffhausen: Spitalrat befördert Boris Jung

Die Spitäler Schaffhausen haben den bisherigen Oberarzt zum Leitenden Arzt für ambulante Psychiatrie ernannt.

image

Künstliche Intelligenz: Ärzte setzen Fragezeichen – und stellen Forderungen

Sie verändert das Gesundheitswesen «tiefgreifend» und fordert heraus: die künstliche Intelligenz. Die FMH will diesen Wandel begleiten und setzt mit einer Broschüre ein Zeichen.

image

Annette Ciurea verlässt das Spital Männdorf

Die Ärztin wechselt in die Geschäftsleitung von Age Medical. Dort soll sie mitunter Angebote rund um die Palliative Geriatrie weiterentwickeln.