Covid-19: Schwangere dürfen sich nun doch impfen lassen

Allerdings müssen sie an einer Vorerkrankung leiden, kommt das BAG zum Schluss. Klinische Studien zu allfälligen Nebenwirkungen bei Schwangeren gibt es noch keine.

, 25. Januar 2021 um 11:23
image
  • coronavirus
  • impfung
  • impfstoff
  • gynäkologie
Schwangere Frauen gehören in der Schweiz zur Covid-19-Risikogruppe. Bis anhin sah die Impfstrategie des Bundes vor, dass besonders gefährdete Personen als allererstes geimpft werden sollen – mit Ausnahme von Schwangeren. Jetzt hat der Bund seine Meinung geändert, wie der Radiosender DRS 3 heute Morgen berichtet: Schwangere Frauen mit Vorerkrankungen (s. Box) sollen sich nun doch gegen das Coronavirus impfen lassen können.

SGGG zu Covid-19 und Schwangerschaft

Wie der Patientinnen-Information der gynécologie suisse SGGG (Stand: 12.8.2020) zu entnehmen ist, scheinen die Krankheitsverläufe bei schwangeren Frauen, die an Covid-19 erkrankt sind, grösser zu sein als bei nicht Schwangeren. Es könne bei einer schweren Infektion vorkommen, dass die Geburt (möglicherweise auch eine Frühgeburt) von den Ärzten eingeleitet werde müsse, um eine Atmung der Mutter zu verbessern und die Gesundheit des Neugeborenen sicherzustellen.
Bei Ungeborenen seien bisher keine auf das Virus zurückzuführende Fehlbildungen beobachtet worden. In seltenen Fällen könne die Plazenta vom Virus infiziert und geschädigt werden, sodass das Wachstum des Ungeborenen vor der Geburt verlangsamt werde, ist dem Informationsblatt weiter zu entnehmen.

Studien zu Nebenwirkungen im Frühling?

Ob die Impfung bei Schwangeren Sicherheit bringt, steht derzeit in den Sternen. Denn wie Daniel Surbek, Chefarzt der Frauenklinik am Berner Inselspital, gegenüber Radio DRS 3 sagt, liegen derzeit noch keine Ergebnisse von klinischen Studien zur Impfung von Schwangeren und möglichen Nebenwirkungen vor. Man hoffe auf Erfahrungen aus dem Ausland bis im Frühling. Das BAG und die Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe haben sich deshalb darauf geeinigt, dass auch bei den vorbelasteten Fällen zuerst die Vor- und Nachteile der Impfung abgewägt werden müssen.
Derzeit gilt: Keine Impfungen im ersten Drittel der Schwangerschaft. Sollten die Daten keine Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen zeigen, sei es sogar möglich, dass alle Schwangeren die Wahl hätten, sich impfen lassen zu können, so Surbek.

Gemeldete Nebenwirkungen mit tödlichem Verlauf

Bis zum 21. Januar sind bei Swissmedic insgesamt 42 Meldungen über vermutete unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) in Zusammenhang mit den ersten Covid-19 Impfungen in der Schweiz eingegangen. Die Mehrzahl der Meldungen ist gemäss BAG nicht schwerwiegend (26, 62 %) und bezieht sich auf leichte Reaktionen, die aus den klinischen Studien bereits bekannt sind. 16 Meldungen (38 %) wurden als schwerwiegend eingestuft und fünf Meldungen standen in Zusammenhang mit einem tödlichen Verlauf, ist dem Communiqué zu entnehmen.
Die betroffenen Patienten in diesen fünf Fällen seien zwischen 84 und 92 Jahre alt gewesen und seien nach jetzigem Kenntnisstand an Erkrankungen verstorben, die in diesem Lebensalter gehäuft vorkommen. 
In der Schweiz wurden laut BAG bis zum 21. Januar beinahe 170’000 Personen vorwiegend mit einer ersten Dosis gegen Covid-19 geimpft.

Impfkriterien für Schwangere

Schwangere Frauen gehören laut BAG nebst älteren Menschen und solchen, mit Vorerkrankungen zu den besonders gefährdeten Personen. Bei den Vorerkrankungen handelt es sich um:
  • Bluthochdruck
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes
  • Chronische Atemwegserkrankungen
  • Krebs
  • Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen
  • Adipositas Grad III (morbid, BMI ≥ 40 kg/m2)

Covid-19 bei Schwangerschaft und Geburt

Auszug aus dem Expertenbrief SGGG gynécologie suisse (Stand 5.08.2020):
Auf der Grundlage vorläufiger Studienergebnisse aus China (1, 2), Italien (3) und den Vereinigten Staaten (4) wurde festgestellt, dass schwangere Frauen im Vergleich zur Normalbevölkerung, oder zu nicht schwangeren Frauen, «keinem erhöhten Risiko bezüglich des Infektionserwerbs oder eines schweren Krankheitsverlaufs von COVID-19» ausgesetzt sind.
Neuste Studien an grösseren Patientinnenkollektiven stellen diese ursprünglichen Annahmen jedoch in Frage, insbesondere für das 3. Trimenon der Schwangerschaft. Zu den Auswirkungen der Infektion im 1. und 2. Trimester liegen noch keine hinreichenden Daten vor. Laut dem US-amerikanischen Center for Disease Control and Prevention (CDC) und weiteren Studien könnten bei schwangeren Frauen das Risiko eines schweren COVID-19-Krankheitsverlaufs, einer Aufnahme in die Intensivstation sowie die Gefahr einer Frühgeburt erhöht sein. Auf fetaler Ebene besteht die Möglichkeit von Plazentaläsionen und vertikaler Übertragung.
Weitere Informationen finden Sie hier
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Corona: Die Stolpersteine in der Behördenkommunikation

Fehlende Erfahrung, personelle Engpässe und gesellschaftliche Herausforderungen. Eine Studie deckt die Schwachstellen in der Schweizer Corona-Informationspolitik auf.

image

Bund löscht Covid-Zertifikat-System

Ende August gibt es das System für die Ausstellung und Prüfung von Covid-Zertifikaten nicht mehr.

image

Neue Chance fürs digitale Impfbüchlein

Das digitale Impfbüchlein soll noch in diesem Jahr schweizweit eingeführt werden. Der Kanton Bern geht derzeit eigene Wege.

image

Privatklinik unter dem Verdacht der Verwendung falscher Titel

Einer Klinik in der Westschweiz wird vorgeworfen, bewusst irreführende Titel bei Ärztinnen und Ärzten zu verwenden.

image

Mehr Diabetes Typ 1 Fälle wegen Corona?

Während der Coronapandemie haben mehr Kinder und Jugendliche die Diagnose Diabetes Typ 1 bekommen. Aber warum?

image

Kommt bald ein aktualisierter Covid-Impfstoff?

Pünktlich zur Grippesaison im kommenden Herbst/ Winter soll ein neuer Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt kommen. Das Zulassungsgesuch ist bei Swissmedic eingereicht.

Vom gleichen Autor

image

Kinderspital verschärft seinen Ton in Sachen Rad-WM

Das Kinderspital ist grundsätzlich verhandlungsbereit. Gibt es keine Änderungen will der Stiftungsratspräsident den Rekurs weiterziehen. Damit droht der Rad-WM das Aus.

image

Das WEF rechnet mit Umwälzungen in einem Viertel aller Jobs

Innerhalb von fünf Jahren sollen 69 Millionen neue Jobs in den Bereichen Gesundheit, Medien oder Bildung entstehen – aber 83 Millionen sollen verschwinden.

image

Das Kantonsspital Obwalden soll eine Tochter der Luks Gruppe werden

Das Kantonsspital Obwalden und die Luks Gruppe streben einen Spitalverbund an. Mit einer Absichtserklärung wurden die Rahmenbedingungen für eine künftige Verbundlösung geschaffen.