Corona-Einbussen: Versicherer kritisieren Gesundheitsdirektoren

Im Streit um die entgangenen Gelder findet Curafutura deutliche Worte: Der Verband wirft der Gesundheitsdirektorenkonferenz «regelwidriges Spiel» vor.

, 23. April 2020, 06:27
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Geht es nach der Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) sollen die Krankenversicherer die finanziellen Einbussen aus den gesetzlichen Reserven bezahlen. Derzeit entgehen den Spitälern auf Grund des Corona-Lockdowns monatlich zweistellige Millionenbeträge. 
Doch die Versicherer stellen sich auf den Standpunkt, dass dieses Geld den Versicherern gehöre. Und es sei für den Bezug von Leistungen gedacht, schreibt der Krankenkassenverband Curafutura. Dass die GDK nun Geld für nicht erbrachte Leistungen verlange, widerspreche den Regeln und Logik des Schweizer Gesundheitssystems.

«Rugby auf dem Fussballfeld»

Der Verband, der die grossen Krankenkassen CSS, Helsana, Sanitas und KPT vertritt, bezeichnet dies als «regelwidriges Spiel der Gesundheitsdirektorenkonferenz» oder noch prägnanter als: «Rugby auf dem Fussballfeld». 
Ein ähnliche Haltung vertritt der andere Krankenkassenverband. Auch für Santésuisse wäre es «eine Zweckentfremdung von Prämiengeldern», wenn die Kassen die Löcher aus der Corona-Krise jetzt stopfen müssten. 

Wollen nicht die Rolle der Kassen übernehmen

Curafutura bezieht sich bei ihrer Kritik auf verschiedene Aussagen von Mitgliedern der GDK zu den Reserven der Krankenversicherer. So sagte etwa deren Generalsekretär Michael Jordi der NZZ, dass mehrere Akteure zur Abgeltung infrage kommen: «Der Bund, die Kantone, aber auch die Krankenversicherer, die derzeit in den Nicht-Corona-Bereichen substanzielle Minderkosten haben.» 
Und für den wahrscheinlich künftigen GDK-Präsidenten und Basler Regierungsrat Lukas Engelberger wäre es nichts als «fair», wenn sich die Versicherer an den finanziellen Folgen beteiligen würde, die zurzeit vom Aufschub vieler Eingriffe profitieren würden.
Auch für den Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati ist es «unfair», dass der Kanton – wenn er seinen Spitälern Ertragsausfälle ersetze – auch die Rolle anderer Finanzierer übernehme, etwa jene der Kranken- oder Unfallversicherer.

GDK soll besser die Zukunft angehen 

Doch die Krankenkassen wollen sich nicht an einer Lösung zur Deckung der Etragsausfälle beteiligen. Für Curafutura wäre es vielmehr jetzt an der Zeit, «einen kritischen Blick auf das Resultat eigener Unterlassungen zu wagen und die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.» Als Beispiel nennt der Verband «die unnötig grosse Anzahl von Spitälern» und die bisher nur zaghaft erfolgte regionale Koordination in der Schweiz.
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