Ambulanter Tarif: Bundesrat vertagt Entscheid zum Tardoc

Bundesrat Alain Berset soll seinen Kollegen empfohlen haben, den neuen ambulanten Tarif Tardoc nicht zu genehmigen. Der Streit um den neuen Ärztetarif geht weiter.

, 19. Mai 2022 um 05:00
image
  • praxis
  • ärzte
  • tarife
  • tardoc
  • santésuisse
  • fmh
  • hplus
  • curafutura
Vor drei Jahren haben der Ärzteverband FMH, der Krankenversichererverband Curafutura und die Medizinaltarif-Kommission UVG den neuen Tarif Tardoc beim Bundesrat zur Genehmigung eingereicht. Seither wurde dieser neue ambulante Tarif drei Mal auf Geheiss des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nachgebessert. Bislang jedoch ohne Erfolg. Die Ärzte fragen sich, ob Bersets Departement den Tardoc nicht haben möchte, weil er den Tarif lieber staatlich festlegen möchte?
Klar ist: Tardoc ist in der Branche umstritten. Der andere Krankenkassenverband Santésuisse sowie der Spitalverband Hplus verlangen Anpassungen und pochen auf die zeitgleiche Einführung mit ambulanten Pauschalen. Santésuisse befürchtet mit der Einführung von Tardoc weitere Kostensteigerungen. Am Mittwoch soll Gesundheitsminister Alain Berset seinen Kollegen nun empfohlen haben, Tardoc nicht zu genehmigen. Dies schreibt die «Aargauer Zeitung» und stützt sich auf gut informierte Quellen. 

Zwei Briefe in letzter Sekunde  

Demnach hat der Bundesrat den Entscheid vertagt. Ein Grund dafür sei, dass sich die Spitäler zu bewegen scheinen, so die Zeitung weiter. Ihre Abneigung gegenüber Tardoc weiche zunehmend der Einsicht, dass der Tarif gar nicht so nachteilig sei. Die bislang ablehnende Haltung der Spitäler scheint nun ins Wanken zu geraten. Damit würde ein wichtiger Player wieder ins Boot kommen.
Zwei Briefe sollen zudem kurz vor der Bundesratssitzung den Ausschlag gegeben haben, den Entscheid zu vertagen, wie zudem die NZZ berichtet. Ein Schreiben stamme vom Spitalverband Hplus, das andere vom Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.  Hplus fordere Verbesserungen und die Weiterentwicklung des Tardoc. Und Pierre Alain Schnegg sei im Auftrag des EDI daran, eine neue ambulante Tariforganisation aufzubauen. Schnegg habe im Brief darauf hingewiesen, was eine Ablehnung für das neue Tarifbüro bedeuten würde. 

Parlament lädt Verbandsspitze ein

Die Entwickler von Tardoc warnen vor einem Scherbenhaufen, sollte der Bundesrat den Tarif tatsächlich ablehnen. Die Tarifpartnerschaft sei in Gefahr. Bundesrat Alain Berset wird dem Gesamtbundesrat nun offenbar eine neue Fassung vorlegen. Auch das Parlament habe jetzt reagiert und die Verbände, Alain Berset und das BAG am Donnerstag zu einer Anhörung in der Gesundheitskommission eingeladen. Der Streit geht nun in die nächste Runde. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Aargauischer Ärzteverband: Neuer Präsident

Der Nachfolger von Jürg Lareida heisst Thomas Ernst.

image
Kommentar von Anne-Geneviève Bütikofer und Verena Nold

Ja zum neuen Arzttarif – aber nur mit ambulanten Pauschalen

Ein neues ambulantes Tarifsystem muss Pauschalen mit dem Einzelleistungstarif Tardoc kombinieren. Nur so lässt sich die Effizienz im Gesundheitswesen steigern.

image
Kommentar von Marc-André Giger

Tardoc: Auch die Kinderspitäler können nicht mehr warten

In der Kindermedizin wird besonders deutlich, weshalb das heutige Tarifsystem unhaltbar geworden ist.

image

Das sind die SGAIM-Preisträger

Die Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin hat fünf Projekte mit Fokus «Sonografie» ausgezeichnet.

image
Kommentar von Philomena Colatrella, Yvonne Gilli und Willy Oggier

Tardoc: Nun muss Schluss sein mit den Verzögerungen

Der wichtigste Tarif im Gesundheitswesen braucht ein Upgrade – und zwar rasch.

image

Hausarzt wehrt sich gegen Klima-Behauptungen

Ein Zeitungsartikel suggeriert, dass wir uns zwischen Gesundheit und Klimaschutz entscheiden müssten. Ein Arzt aus dem Emmental widerspricht.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.