Bern überlässt die Früherkennung von Darmkrebs den Apotheken

Jährlich erkranken in der Schweiz rund 4200 Menschen an Darmkrebs, 1700 sterben an den Folgen. Diverse Kantone haben deshalb Früherkennungsprogramme aufgegleist. Auch der Kanton Bern. Die Regierung will dies aus Kostengründen den Apotheken überlassen.

, 28. August 2017, 21:45
image
  • apotheken
  • forschung
Waadt und Uri machen es vor: Personen zwischen 50 und 69 Jahren werden jedes zweite Jahr mit einem Brief auf das flächendeckende Programm zur Früherkennung von Darmkrebs aufmerksam gemacht. Die Kosten für Stuhltest oder Darmspiegelung werden von der Krankenkasse bezahlt. Die Franchise wird dabei nicht angerechnet.
Auch die Kantone Genf, Wallis, Neuenburg, Jura und Basel-Stadt haben ähnliche Programme in der Pipeline. «Der Kanton Bern hingegen hat daran wenig Interesse», wie die Berner Zeitung schreibt. Dies geht aus einer Antwort der Regierung auf einen überparteilichen Vorstoss im Grossen Rat hervor. 
Die Regierung begründet seine ablehnende Haltung mit den hohen Kosten im bevölkerungsstarken Kanton. «Stattdessen möchte die ­Gesundheits- und Fürsorgedirektion eine abgespeckte Variante analog einem Modell des Apothekerverbandes Pharmasuisse beschränkt auf zwei Jahre prüfen», so die Berner Zeitung. Dieses habe der Kanton 2015 bereits für sechs Wochen getestet und für gut genug befunden.

Grossrätin kritisiert Pharmasuisse

Für Grossrätin Ursula Zybach ist dies laut BZ schlicht unverständlich. Die Sozialdemokratin aus Spiez habe sich während elf Jahren bei der Krebsliga intensiv mit Darmkrebs befasst und sei zum Schluss gekommen: «Die Kampagne von Pharmasuisse weist gravierende Nachteile auf.» Im Unterschied zu den Programmen in Waadt oder Uri werde die Zielgruppe weder regelmässig noch flächendeckend angeschrieben.
Stattdessen würden die Risikopersonen in den Apotheken angesprochen und auf die Möglichkeit einer Früherkennung via Stuhlprobe aufmerksam gemacht. «Da die Apotheken im Kanton Bern aber sehr unterschiedlich verteilt sind, ist mit einem solchen Programm die Chancengleichheit nicht gewährleistet», meint Ursala Zybach.

Der Grosse Rat hat das letzte Wort

Immerhin räumt die Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) ein, dass die Kampagne nicht dem «Goldstandard» entspreche.Trotzdem habe sich bei der Evaluation gezeigt, dass es sich um eine «pragmatische, kosteneffiziente Form der Darmkrebsfrüherkennung» handle. Klar sei aber, dass die bestehenden Schwierigkeiten noch behoben werden müssten. Für die zweijährige Pilotphase rechnet der Kanton mit Kosten von 200' 000 Franken.
Das letzte Wort über die Art und Weise der Darmkrebsfrüherkennung im Kanton Bern hat der Grosse Rat. Er wird voraussichtlich in der kommenden Septembersession darüber befinden. 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Steigt die Sterblichkeitsrate bei zu hoher Bettenauslastung im Spital?

Dieser Frage ging die Universität Basel Basel nach. Die Ergebnisse, die in einer Fachzeitschrift publiziert wurden, liefern eine neue Perspektive.

image

Patienten fühlen sich wohler, wenn sich Ärzte kennen

Wie gut ein Hausarzt mit seinen Kollegen vernetzt ist, kann die wahrgenommene Qualität einer Behandlung beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie.

image

Gibt es eigentlich «Nie-Covid»-Menschen?

Es könnte sein, dass es Personen gibt, die noch nie an Covid erkrankt sind. Allerdings lässt es sich nicht belegen – noch nicht.

image

Basel: 750'000 Franken für die Pädiatrische Forschung

Die Thomi-Hopf-Stiftung unterstützt ein Spezialprogramm der Pädiatrischen Forschung des Universitäts-Kinderspitals beider Basel.

image

Zürcher Forschende entdecken neues Virus in Schweizer Zecken

Erstmals wurde der Erreger in China nachgewiesen. Nun ist das sogenannte Alongshan-Virus in der Schweiz aufgetaucht. Ein Diagnosetest ist in Erarbeitung.

image

Das sind die «Young Talents» der klinischen Forschung in der Schweiz

Der diesjährige «Young Talents in Clinical Research» unterstützt diese 14 jungen Ärztinnen und Ärzte aus Spitälern in der ganzen Schweiz.

Vom gleichen Autor

image

Personalmangel – eine provokative Antwort

Unpopuläre Massnahmen sind unumgänglich. Der Öffentlichkeit muss klar gemacht werden, dass nicht mehr alles möglich ist.

image

«Um eine Erhöhung der Spitaltarife kommen wir nicht herum»

Will man den Fachkräftemangel entschärfen, müssen laut Fridolin Marty die Spitaltarife angepasst werden. Anders geht es nicht.

image

Riaz wird eingeweiht - trotz Nebengeräuschen

Das Spital Riaz ist jetzt ein Gesundheitszentrum - sehr zum Ärger jener Bürgerinnen und Bürger, die eine Spitalinitiative eingereicht haben.