Luzerner Arzt: «90-Jährige sollen Hüftgelenk selber zahlen»

Der Kanton soll bei künstlichen Prothesen bei über 90-Jährigen keine Beiträge mehr leisten. Dies fordert der Luzerner Arzt und Kantonsrat Beat Meister.

, 31. Juli 2017, 09:09
image
  • politik
  • gesundheitskosten
  • prothesen
Beat Meister, Hausarzt aus Hochdorf und Luzerner Kantonsparlamentarier, verlangt in einem Postulat, dass der Kanton künstliche Prothesen bei Höchstbetagten künftig nicht mehr mitfinanziere. Dazu gehören etwa Hüft- und Kniegelenke, Herzschrittmacher oder Augenlinsen.
Diese Medizin der implantierten Prothesen bei Hochbetagten sei «eine Maximalmedizin, sagte Meister der «Luzerner Zeitung». «Diese sollten wir nicht der Allgemeinheit aufbürden».

Eigentlich vor 90 Jahren

Der Staat könne «nicht bis ans Lebensende alles bieten», fügte er hinzu. Ohne den Verzicht auf Leistungen werde die Schweiz die Kosten im Gesundheitsbereich nie in den Griff bekommen, so der 58-jährige SVP-Kantonsrat.
Und weiter: «Eigentlich läge die richtige Grenze schon bei 85 Jahren. Doch für diese Forderung fehlte mir der Mut». Bei 90 Jahren setzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Grenze für «höchstbetagt».

Wenig Rückendeckung 

Sein Vorstoss wurde im 120-köpfigen Luzerner Kantonsrat nur gerade acht Mal unterschrieben – ein Indiz für die eher mässigen Erfolgschancen.
Die anderen drei Ärzte im Kantonsparlament wollen den Vorstoss «aktiv bekämpfen», bezeichnen die Idee als «unethisch» und sprechen von «Zweitklassenmedizin».
Er sei sich bewusst, dass er mit seinem Vorstoss für Empörung sorge, sagte Meister der Zeitung. Es stelle sich aber die Frage, ob solche Eingriffe ethisch verantwortbar seien, wenn rund 20 Prozent der Leute die Krankenkassenprämien nicht aus dem eigenen Sack bezahlen können.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Infektionskrankheiten: Der Bund soll Viren künftig überwachen

Das wissenschaftliche Beratungsgremium Covid-19 fordert, dass die Schweiz Methoden zur künftigen Überwachung von Infektionskrankheiten prüft.

image

Heisse Debatte: Dauern manche Psychotherapien zu lange?

Basel will Kranke nicht mehr so lang psychiatrisch behandeln lassen. Eine ganz heikle Forderung, wie die Reaktionen zeigen.

image

Jugendliche griffen 2022 häufiger zur Flasche als 2021

Der Konsum von Alkohol und Nikotin hat erneut zugenommen; vor allem bei Mädchen. Das zeigt eine Befragung bei knapp 1100 Jugendlichen.

image

Nun will der Bund für mehr Organspenden sorgen

Niemand weiss, wann die Widerspruchslösung für Organspenden kommt. Deshalb macht der Bund nun viel Werbung für die freiwillige Spende.

image

Fast jeder zweite Schweizer ist gegen eine Digitalisierung seiner Gesundheitsdaten

Vor allem gegenüber Privatfirmen sind Schweizerinnen und Schweizer skeptisch, was ihre Gesundheitsdaten anbelangt. Sie befürchten laut einer Deloitte-Umfrage Missbrauch und Überwachung.

image

Rega wählt FDP-Nationalrätin Petra Gössi in den Stiftungsrat

Die Schweizerische Rettungsflugwacht hat zwei neue Mitglieder in ihr Gremium gewählt: Petra Gössi und Gabriele Casso.

Vom gleichen Autor

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Warum hunderte Pflegekräfte derzeit «Rücktrittsschreiben» verfassen

Eigentlich möchten viele Pflegefachpersonen ihrem Beruf gar nicht den Rücken kehren. Doch das System zwingt sie dazu, wie eine aktuelle Kampagne in den USA exemplarisch zeigt.

image

Ärzte erhalten von Ärzten eine Sonderbehandlung

Ärzte als Patienten kriegen bestimmte Privilegien, die andere Patienten oder Patientinnen nicht erhalten würden. Dies sagt die grosse Mehrheit der in einer Studie befragten Ärzte.