BAG vermeldet Ausbruch von Hepatitis E in der Schweiz

2021 wurden drei Mal so viel Hepatitis-E-Fälle in der Schweiz registriert wie in den letzten Jahren zuvor. Die Infektionsquelle konnte das BAG zwar nicht identifizieren. Trotzdem wird vor rohem Schweinefleisch gewarnt.

, 24. Januar 2022, 10:42
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Von Januar bis Mai 2021 verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine «ungewöhnliche Häufung» von Hepatitis-E-Fällen, die weiter abgeklärt wurden. Konkret handelte es sich auf die ganze Schweiz verteilt um total 105 Fälle. Das seien fast dreimal so viele Fälle wie im gleichen Zeitraum in den Vorjahren, schreibt das BAG im aktuellen Bulletin
Mehr von der Leberentzündung Typ E betroffen waren Männer zwischen 18 und 87 Jahren. Wie das BAG festhält, konnte trotz der systematischen Befragung der Fälle im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie und zahlreichen Lebensmittelanalysen keine Infektionsquelle identifiziert werden.

Seit 2018 in de Schweiz meldepflichtig

Hepatitis E (Leberentzündung Typ E) ist eine akute Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-E-Virus verursacht wird. Der Erreger wird hauptsächlich über kontaminiertes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel übertragen. Die Erkrankung heilt meist von alleine aus. Chronische und schwere Verläufe sind selten.
In der Schweiz müssen seit 2018 alle Befunde zu Hepatitis E, die auf einem Nach weis von Virus-RNA mittels PCR basieren, von den Laboratorien und behandelnden Ärztinnen und Ärzten mittels Labormeldung an die Gesundheitsbehörden übermittelt werden. Auch der Blutspendedienst prüft seit dem 1. Juli 2018 jede Blutspende auf das Hepatitis-E-Virus und meldet ebenfalls positive Befunde. 

 

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Screenshot Bulletin Nr. 4 Seite 22. (BAG)

Die konkreten Zahlen

Vom 1. Januar 2021 bis zum 5. Mai wurden dem BAG 105 Fälle gemeldet. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum in den drei Vorjahren handelt es sich um fast eine Verdreifachung der gemeldeten HEV-Infektionen (siehe Abbildung 1 links). 
Der Anteil der Männer lag bei 64 Prozent, das Mindest- und Höchst alter bei 18 und 87 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 54 Jahren. Der Anteil der Meldungen aus Blutspendenden lag bei 56 Prozent. Die Fälle zeigten eine gesamtschweizerische Verteilung mit einer leichten Konzentration auf nicht urbane Gebiete. 
Insgesamt wohnten 85 Prozent der Fälle in Gemeinden mit weniger als 30'000 Einwohner, während sonst der Anteil der Schweizer Bevölkerung in solchen Gemeinden etwa 75 Prozent beträgt. Pro Gemeinde lag mehrheitlich eine einzelne HEV-Meldung vor, und es war keine lokale Häufung erkennbar. 
Seit April 2021 liegen die gemeldeten Fallzahlen wieder auf dem Niveau der Vorjahre ( siehe Abbildung 2 links). In 30 Prozent der Fälle wurde ein symptomloser Verlauf gemeldet. 29 Personen mussten aufgrund oder mit einer HEV-Infektion hospitalisiert werden. Zwei Personen verstarben im Zusammenhang mit einer HEV-Infektion.

Schweinepopulation verursacht HEV-Subtyp 

Wie BAG-Analysen zeigen, konnte kein spezifisches Lebensmittel identifiziert werden, das für den Ausbruch verantwortlich war. Jedoch konnte gezeigt werden, dass die Infektionen durch einen HEV-Subtyp, der in der Schweizer Schweinepopulation vor herrscht, verursacht wurden.
Unter den humanen Fällen wurden drei Cluster identifiziert, die zeitgleich im Ausbruchsgeschehen auftraten. Ein direkter Zusammenhang zu kontaminierten Schweinefleischprodukten konnte aus technischen Gründen nicht verifiziert werden. Es bestand keine Cluster-Übereinstimmung zwischen einer positiven Schweineleber aus dem Monitoring und humanen Proben. Das BAG könne deshalb wedereinen Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und humanen Fällen bestätigen noch dementieren. 
«Epidemiologisch konnte aufgezeigt werden, dass Leberwürste und Streichleberwürste sowie rohe Schweinelebern in diesem Zeitraum (Januar bis Mai 2021) möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten», ist weiter im Bulletin zu lesen. Allerdings würden sich diese Aussagen nur auf wenige Befragte und einzelne Lebensmittelanalysen stützen.

Kein rohes Schweinefleisch

Das BAG empfiehlt, dass immunsupprimierte Personen oder solche, die an einer Leberkrankheit leiden, sowie Senioren und Seniorinnen, Schwangere und Kinder auf rohe oder ungenügend gekochte Schwein- oder Wildschweinefleischerzeugnisse verzichten sollten.
Zudem wird empfohlen Fleischprodukte vor dem Verzehr vollständig durchzugaren. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) prüfe weitere Massnahmen betreffend die Fleischproduktion und -verarbeitung.

Das Hepatitis-E-Virus (HEV)

Das Hepatitis-E-Virus (HEV) ist weltweit verbreitet und eine der Hauptursachen für akute Virushepatitis. In den Industrieländern sind Infektionen mit den HEV-Genotypen 3 und 4 für lokal übertragene, sporadische Hepatitis (Leberentzündung) verantwortlich, und die Übertragung erfolgt zoonotisch vom Tier auf den Menschen. 
Dies im Gegensatz zu den HEV-Genotypen 1 und 2, welche vorwiegend in Asien, Afrika und Mexiko vorkommen und fäko-oral, beziehungsweise durch die direkte oder indirekte Einnahme von Fäkalien, in den Organismus gelangen. Dies geschieht meistens durch kontaminiertes Wasser. 

Die Symptome

Neben der typischen Symptomatik infektiöser Hepatitiden mit Ikterus (Gelbsucht), Dunkelfärbung des Urins, Entfärbung des Stuhls, Fieber, Oberbauchbeschwerden, Müdigkeit und Appetitverlust wurden auch atypische Krankheitszeichen beschrieben, zum Beispiel eine Reihe meist vorübergehender neurologischer Manifestationen. Es wird jedoch geschätzt, dass mehr als 90 Prozent der Infektionen symptomlos verlaufen und die meisten ohne Behandlung ausheilen. Die mittlere Inkubationszeit beträgt 40 Tage (Median). 
Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit ist nicht abschliessend geklärt. Das Virus kann im Stuhl etwa eine Woche vor bis vier Wochen nach Beginn des Ikterus nachgewiesen werden. Studien aus Frankreich zeigen, dass das Erhitzen eines Lebensmittels (Leberpasteten ähnliche Zubereitung) auf eine Kerntemperatur von 71 Grad Celsius für 20 Minuten notwendig ist, um das Hepatitis-E-Virus vollständig zu inaktivieren .
Quelle: BAG
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