Organspende-Register ist immer noch gesperrt

Vor vier Monaten sperrte Swisstransplant sein nationales Spenderregister wegen Sicherheitsmängeln. Ausgerechnet jetzt gäbe es aber viele Spendewillige.

, 4. Mai 2022, 11:56
image
  • politik
  • organspende
  • swisstransplant
Im Januar musste die Organspende-Stiftung Swisstransplant ihr Online-Spenderegister schliessen. Denn das Register hatte einen eklatanten Sicherheitsmangel: Beliebige Personen konnten von anderen missbräuchlich als Organspender registriert werden.

Wiedereröffnungstermin ist ungewiss

Noch immer ist das Spenderregister nicht zugänglich. Medinside fragte deshalb bei Swisstranspant nach. Die Antwort von Franz Immer, dem Direktor von Swisstransplant: «Die Öffnung wird erfolgen, wenn ein Registrationsprozesses umgesetzt ist, der die höchsten Sicherheitsanforderungen erfüllt ist und der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zu der vorgeschlagenen Lösung grünes Licht gibt.»
Wann das genau sein wird, ist unklar. Sicher ist aber: Die Schliessung des Spenderregisters kommt für Swisstransplant zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn wegen der Abstimmung über das neue Transplantationsgesetzt wird derzeit so viel übers Organspenden gesprochen wie kaum je zuvor.

7000 neue Spendewillige

Und zwar nicht nur ablehnend. Es gibt auch viel mehr Spendewillige als zuvor. «Seit Anfang Jahr haben wir 7000 Organspende-Karten versendet. In der Vergleichsperiode im Vorjahr fast keine», fasst Franz Immer die Situation gegenüber Medinside zusammen.
Derzeit lässt sich der Spendewille also nicht anders als mit der Organspende-Karte auf Papier oder einer Patientenverfügung ausdrücken. Diese Karte hat aber einen grossen Nachteil: Sie wird im Spital nur sehr selten gefunden. Oft führen sie die Betroffenen auch gar nicht mit sich. Genau aus diesem Grund hat Swisstransplant das nationale Register eingeführt.

Registrierung wird aufwendiger

Wird das nationale Register mit dem neuen Registrationsablauf eröffnet, wird der Zugang voraussichtlich aufwendiger sein als bisher, sagt Franz Immer. Die Personen müssen sich vermutlich so identifizieren, dass es den Vorgaben der Finanzmarktaufsicht Finma entspricht.
Sollte das Volk am 15. Mai der Widerspruchslösung beim Organspenden zustimmen, dürfte das bisherige Swisstransplant-Register aber sowieso nicht mehr nötig sein. Franz Immer sagte gegenüber Medinside, dass der Bund ein neues Register plane.

Neues Register weiterhin auch für Spendewillige

Das neue Register wird aber nicht bloss ein Register der Widersprecher sein. Weiterhin sollen sich Personen auch als Spender registrieren lassen können. Das heisst im neuen Bundesregister werden sich die Eingetragenen für ein Ja oder für ein Nein entscheiden müssen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Der Bundesrat will das elektronische Patientendossier weiter verbreiten

Das EPD soll in zwei Schritten weiterentwickelt und seine Verbreitung vorangetrieben werden. Der Bundesrat hat seine Vorschläge in die Vernehmlassung geschickt.

image

Infektionskrankheiten: Der Bund soll Viren künftig überwachen

Das wissenschaftliche Beratungsgremium Covid-19 fordert, dass die Schweiz Methoden zur künftigen Überwachung von Infektionskrankheiten prüft.

image

Heisse Debatte: Dauern manche Psychotherapien zu lange?

Basel will Kranke nicht mehr so lang psychiatrisch behandeln lassen. Eine ganz heikle Forderung, wie die Reaktionen zeigen.

image

Jugendliche griffen 2022 häufiger zur Flasche als 2021

Der Konsum von Alkohol und Nikotin hat erneut zugenommen; vor allem bei Mädchen. Das zeigt eine Befragung bei knapp 1100 Jugendlichen.

image

Nun will der Bund für mehr Organspenden sorgen

Niemand weiss, wann die Widerspruchslösung für Organspenden kommt. Deshalb macht der Bund nun viel Werbung für die freiwillige Spende.

image

Fast jeder zweite Schweizer ist gegen eine Digitalisierung seiner Gesundheitsdaten

Vor allem gegenüber Privatfirmen sind Schweizerinnen und Schweizer skeptisch, was ihre Gesundheitsdaten anbelangt. Sie befürchten laut einer Deloitte-Umfrage Missbrauch und Überwachung.

Vom gleichen Autor

image

Sie will etwas Neues – deshalb geht die Kantonsärztin

Schon wieder ein Wechsel im Kantonsarztamt von Solothurn: Samuel Iff heisst der Neue, der Yvonne Hummel ersetzt.

image

Grosse Altersheimgruppe hat nun eine Schlichtungsstelle

Das ist neu: Die 43 Senevita-Heime wollen Streit um die Betreuung oder ums Geld von einer unabhängigen Stelle schlichten lassen.

image

Universitätsklinik weitet Angebot auf Männedorf aus

Das Universitäre Wirbelsäulenzentrum Zürich (UWZH) arbeitet neu auch im Spital Männedorf und bietet dort Standard-Operationen an.