Viele Ärzte wollen Francesco Maisano zurück

«We want him back»: Zahlreiche Ärzte, Mitarbeitende oder ehemalige Studierende stehen hinter dem beurlaubten Klinikdirektor des Zürcher Unispitals.

, 22. Juli 2020, 07:03
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Seit Ende Mai ist Francesco Maisano, Direktor der Klinik für Herzchirurgie am Zürcher Universitätsspital (USZ), bis auf weiteres beurlaubt. Die Universität Zürich (UZH) klärt derzeit ab, ob es zu wissenschaftlichen Ungenauigkeiten gekommen ist. Ein Whistleblower oder womöglich gleich mehrere werfen dem Chirurgen zahlreiche Verfehlungen vor. Erste Untersuchungen haben ihn aber von den meisten Vorwürfen entlastet.
Während die Untersuchung der Uni Zürich im Gang ist, wollen zahlreiche Ärzte, Mitarbeitende oder Studierende, dass Francesco Maisano so rasch wie möglich zurück an seinen Arbeitsplatz kehrt. Auf der Berufsplattform LinkedIn bekunden sie Solidarität. Es handelt sich dabei kaum um Bezeugungen aus reiner Gefälligkeit, wie Kritiker vielleicht zu sagen vermögen.

«Er ist für mich Mentor und Visionär»

So schreibt ein Professor aus der Türkei: «Professor Francesco Maisano hat uns alle inspiriert. Wir haben viel von ihm gelernt». Auch sonst wird er in den höchsten Tönen gelobt. Ärzte aus der Schweiz und aus der ganzen Welt melden sich zu Wort. Maisano sei von allen sehr respektiert, ein Leader und eine aufrichtige Persönlichkeit. «Wir wollen, dass er wieder viele Leben rettet...... wir wollen ihn zurück», schreibt etwa ein Kardiologe aus Indien.
«Sein Beitrag für die wissenschaftliche Gemeinschaft mit Innovation, Lehre, Führung und Leidenschaft hat unzählige Fachleute auf der ganzen Welt inspiriert», schreibt ein anderer Kardiologe aus London. Es sei der Neid und die Eifersucht, die zu den ungerechtfertigten und unbegründeten Anschuldigungen geführt hätten.
«Er ist für mich Mentor und Visionär für das kardiovaskuläre Feld», fügt ein weiterer Herzspezialist aus Madrid hinzu. Das Unispital müsse diese unklare und unfaire Situation rasch klären. Francesco Maisano bedankt sich persönlich bei allen: Die Studierenden seien seine Inspiration, zusammen mit seinen Patienten, Freunden, seiner Familie und seinem Team. Dies sei der einzige Grund, nach vorne zu schauen.

Weder Interessenbindungen noch eine Reanimation verschwiegen

Dutzende Ärzte und auch seine Mitarbeitenden stehen hinter Maisano. Hingegen scheint die öffentliche Meinung und das Bild eines gierigen Arztes bereits gemacht. Doch der Fall ist komplex: Für Nicht-Mediziner und auf Basis eines unvollständigen Einblicks in den Sachverhalt sind die Vorgänge kaum zu beurteilen. Eine (mediale) Vorverurteilung ist aber auf jeden Fall unangebracht. Denn die meisten Vorwürfe wurden von vielen Medien ungeprüft übernommen und so weiterverbreitet.
Maisano wird zum Beispiel vorgeworfen, seine Interessenbindungen bei wissenschaftlichen Beiträgen über seine von ihm entwickelten Implantate nicht korrekt erwähnt zu haben. Dass der Sachverhalt nicht ganz so klar ist, zeigt, dass er seine Interessenbindungen im Fachmagazin «European Heart Journal» zwar deklariert hatte, jedoch wie bei diesen kurzen CV-Flashlights-Artikeln üblich nicht gedruckt wurden. Dies bestätigte auch Thomas F. Lüscher, der Herausgeber der Fachzeitschrift. 
Dem Herzchirurgen wurde zudem auch unterstellt, dass er nach einem Eingriff mit einem seiner Produkte verschwiegen habe, dass die Patientin reanimiert werden musste. Drei Ärzte und ein Video der Operation zeigten aber, dass eine Reanimation bei der OP gar nicht stattgefunden hat.  

Uni Zürich muss jetzt rasch handeln

Eine genaue aber zügige Prüfung des Falls hat nun höchste Priorität. Und zwar bevor das Unispital Zürich und damit auch die Schweiz einen international renommierten und innovativen Herzchirurgen an die Konkurrenz verliert. Dass eine zeitnahe Untersuchung möglich ist, hat die UZH im gewichtigeren Fall der fehlerhaften Covid-19-Studie gezeigt, an der Frank Ruschitzka von der Klinik für Kardiologie des Unispitals als Co-Autor beteiligt gewesen war. 
Seit der Beurlaubung von Francesco Maisano sind bereits viele Tage verloren gegangen, an denen sich der Pionier der Mitralklappen nicht um seine Patienten kümmern konnte. Und nicht zuletzt muss es eine unbeschreibliche Vorstellung sein, plötzlich von Hundert oder mehr auf Null fahren zu müssen und gleichzeitig dem medialen Druck standzuhalten. 
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