«Ärzte haben ihre eigene Sprache»

Wenn das Hörvermögen der Patienten im Alter nachlässt, leidet auch die Kommunikation mit Ärzten und Pflegepersonal. Wie, haben Wissenschaftler in einer Studie untersucht.

, 29. August 2017, 06:47
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Wenn Menschen mit zunehmendem Alter schlechter hören, verstehen sie auch den Arzt oder die Pflegeperson nicht mehr richtig. Das kann gerade bei medizinischen Ratschlägen und Therapieanweisungen folgenreich sein. 
Wissenschaftlern des irischen University College Cork haben in einer Studie die Kommunikationsprobleme untersucht, welche schwerhörige Patienten in medizinischen Settings wie Arztpraxen und Spitälern hatten. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal «JAMA» veröffentlicht. 

Fast die Hälfte versteht zu wenig

In der Studie nahmen 100 Erwachsene im Alter von 60 Jahren und mehr teil. 57 klagten über eine Hörbeeinträchtigung, die bei den über 80-jährigen am stärksten war. 26 waren auf ein Hörgerät angewiesen. 
Das Ausmass der Verständnisprobleme ist bemerkenswert: Von den 100 Teilnehmern gaben 43 an, sie hätten den Arzt oder die Pflegeperson während einer Konsultation oder einem Spitalaufenthalt nicht richtig verstanden. 
Vikki Cudmore, Patrick Henn, Colm O'Tuathaigh et al.: «Age-Related Hearing Loss and Communication Breakdown in the Clinical Setting» - in: «JAMA Otolaryngology - Head & Neck Surgery», 24. August 2017
Als die Teilnehmer gebeten wurden, die Situation zu beschreiben, in der es zu Missverständnissen kam, gaben sie in absteigender Reihenfolge diese Probleme an:  
  • Inhalt der Konsultation: Missverständnisse oder falsche Interpretation bei Informationen, die die Krankheit selbst oder deren Behandlung betreffen. Der Kommentar eines Studienteilnehmers: «Wenn Ärzte reden, haben sie ihre eigene Sprache, da sollte man nachfragen.» 
  • Generelle Hörschwäche: Das mangelhafte Verstehen steht nicht im direkten Zusammenhang mit der Konsultation, sondern mit der generellen Hörbeeinträchtigung. «Vermutlich verpasse ich etwa die Hälfte von dem, was der Arzt sagt», «Manchmal höre ich keine ganzen Sätze», gaben die Studienteilnehmern in Interviews an. 
  • Kommunikationsschwierigkeiten: Die verbale und nonverbale Kommunikation mit dem Arzt und/oder der Pflegefachperson kommt zum Erliegen. Die Studienteilnehmer kommentierten: «Manche Leute reden so schnell, dass du verpasst, was sie sagen», «Es hängt davon ab, wie laut oder leise er spricht», «Schau' mich an, wenn du mit mir sprichst».
  • Verwendung der Sprache: Eine Ursache für Missverständnisse ist die Sprechweise. «Es hängt davon ab, wie betont wird», gaben die Testpersonen an, oder: «Manche Wörter klingen so ähnlich».

Selektive Taubheit: Manchmal wollen die Patienten das Gegenüber auch nicht verstehen und stellen sich taub. Das Bekenntnis eines Patienten: «Wenn du etwas nicht hören willst, musst du auch nicht zuhören.»Umgebungslärm: Gerade in Spitälern ist der Lärmpegel häufig hoch, was das Verstehen erschwert. Kommentar: «Es gibt viel Lärm hier, ich verstehe nichts».

Es wurde in der Studie nicht untersucht, welche Konsequenzen die Missverständnisse auf die Behandlungen hatten, aber die Autoren betonen, dass sich Fehlbehandlungen mit steigendem Alter der Patienten häuften und dass mangelnde Kommunikation eine Hauptursache dafür sei. 

Kommunikation anpassen

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass nicht nur das effektive Hörvermögen der Patienten, sondern auch die Umstände der Konsultation das Verstehen beeinflussen: Das können Hintergrundgeräusche sein oder auch die Furcht vor einer allfälligen Krankheit und der damit verbundene Stress, ebenso die fehlende Privatsphäre oder die mangelnde Vertrautheit mit Begriffen über Diagnosen, Therapien und Medikamenten.
Die Studie bestätige, dass sich der altersbedingte Hörverlust negativ auf die klinische Kommunikation auswirke. Die Autoren empfehlen dem medizinischen Personal, die Kommunikation in Inhalt und Form sowie die Umgebung vermehrt auf diese Patientengruppe auszurichten. 
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