Notfall: Für Bagatellen bitte ins Spital

Die Folgen eines Bundesgerichtsentscheids zur Notfallversorgung am Beispiel Sursee.

, 29. September 2024 um 22:44
image
Notfallstation plus Notfallpraxis – aber bald weniger getrennt: Spital Sursee  |  Bild: PD LUKS
Der Bundesgerichtsentscheid zu den Inkonvenienzpauschalen für Permanencen wird Folgen haben – doch welche? Das zeichnet sich nur schrittchenweise ab. Ein Beispiel der Entwicklung wird derzeit im Kanton Luzern sichtbar. In Sursee schliesst die lokale Notfallpraxis der Hausärzte aufs Jahresende ihre Türen.
Die Praxis war vor 13 Jahren von den Ärzten der Region gegründet worden und wurde gemeinsam betrieben; sie befand sich im örtlichen Spital und offerierte eine Walk-in-Versorgung von Montag bis Freitag nach 18 Uhr sowie am Wochenende zwischen 9 und 21 Uhr.
Die Organisation in Sursee verrechnete für ihre Behandlungen die Dringlichkeits-Inkonvenienz-Pauschale, durchschnittlich 85 Franken: Schliesslich war die Praxis quasi die Form, in der die Hausärzte ihre Notfall-Verpflichtung leisteten.
Aber bekanntlich befand das Bundesgericht, dass Walk-in-Praxen nicht einfach automatisch höhere Sätze verlangen dürfen, wenn sie Patienten ausserhalb der allgemeinen Bürozeiten behandeln. Die besagte Pauschale sei nur für Fälle geschaffen worden, bei denen ein Hausarzt ausserhalb seiner Praxiszeit einen kurzfristigen Sondereinsatz leisten muss – aber nicht für Organisationen, die so etwas quasi standardmässig anbieten.
  • Harter Schlag für Notfall-Praxen – Erfolg für Krankenkassen. Das Bundesgericht spricht sich gegen Inkonvenienz-Pauschalen für Walk-in-Praxen und Permanencen aus. Nun drohen Millionen-Rückforderungen.
In der Folge forderten auch in Sursee mehrere Krankenkassen die Auslagen für die Inkonvenienz-Zuschläge zurück, welche die Hausarzt-Praxis bislang offenbar unberechtigt bezogen hatte – auch wenn diese Praxis eigentlich eingerichtet worden war, damit die Hausärzte der Region hier ihre gesetzlichen Notfalldienstpflicht erfüllen.
Und jetzt? Die LUKS-Gruppe meldete letzte Woche, dass das Spital Sursee die Notfallversorgung weiter sicherstelle. Für die Behandlung leichterer Verletzungen und Erkrankungen strebe man eine Kooperation mit der regionalen Hausärzteschaft an. Ein derartiges Modell wird bereits in Luzern und in Wolhusen angewandt – dort betreibt das Spital jeweils eine gemeinsame Notfallpraxis mit der Ärztegesellschaft.
Und in diesen Notfallpraxen wird die Inkonvenienzpauschale nicht verrechnet. Da sie aber von der LUKS-Gruppe betrieben werden, kann das Spital ebenfalls eine Eintrittspauschale in die Notfallaufnahme verrechnen (die allerdings mit gut 28 TP etwas tiefer ist).
Im weiteren will das Luks Sursee die räumlich getrennten Bereiche der Notfallstation und der Notfallpraxis zusammenlegen. Dies sei ein wichtiger Schritt, um die Versorgung in der Region auch nach der Schliessung der Notfallpraxis sicherzustellen.
  • Notfall
  • Notfälle
  • LUKS
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

LUKS Luzern: Lohnerhöhung über der Teuerung

Kompromiss in der Lohnrunde: Insgesamt steigt die Vergütungssumme im nächsten Jahr um 1,1 Prozent.

image

Neustart nach Denkpause: Das Spital Nidwalden wagt den grossen Wurf

Statt eines Ergänzungsbaus soll nun ein kompletter Neubau entstehen.

image

Intensivmediziner wechselt von Luzern nach Stans

Christian Brunner ist neuer Leiter der Intensivmedizin am Spital Nidwalden.

image

Strategische Neuausrichtung: LUKS besetzt Schlüsselpositionen

Rebekka Hatzung, derzeit CEO des Claraspitals Basel, übernimmt bei der Luzerner Kantonsspital Gruppe die Rolle der Chief Operating Officer und stellvertretenden CEO, Patrick Aepli wird Chief Medical Officer.

image

Luzern: Zentrum für Hausarztmedizin unter neuer Leitung

Balthasar Hug ist neuer Vorsitzender des Zentrums für Hausarztmedizin und Community Care der Uni Luzern, gemeinsam mit den Co-Leitern Thekla Brunkert und Stefan Neuner-Jehle.

image

Politiker raus, Bauprofis rein: LUKS erneuert Verwaltungsrat weiter

Nach mehreren Wechseln im Verwaltungsrat steht nun auch der Abgang des Vizepräsidenten an – der auch viel Bau-Knowhow hat. Die Spitalgruppe will das Gremium erneut mit einer Fachperson für Baufragen stärken.

Vom gleichen Autor

image

Wo arbeiten Spitalärzte wieviel? Diese Karte zeigt es.

Der VSAO macht die Arbeitszeiten der Assistenz- und Oberärzte per Klick sichtbar: Auf einer interaktiven Karte sind Spitäler nach wöchentlicher Sollarbeitszeit eingeteilt – von unter 46 Stunden bis zu Spezialregelungen.

image

Spitalzentrum Biel beteiligt sich an Spitex

Mit dem Einstieg bei der Spitex Biel-Bienne Regio treibt das SZB die Entwicklung eines vernetzten Versorgungsmodells voran. Die Zusammenarbeit wird vertieft – mittelfristig könnte ein Hospital@Home-Angebot entstehen.

image

Spital Affoltern rechnet mit solidem Gewinn 2025

Nach dem Spitalzentrum Biel signalisiert auch das Spital Affoltern eine Trendwende: Die Leitung kündigt einen Jahresgewinn von rund 1,5 Millionen Franken an.