Mehr Offertanfragen für Versicherungen für Psychotherapie

Seit einem Jahr sind die Leistungen der Psychotherapeuten in der Grundversicherung gedeckt - und doch steigt die Nachfrage nach entsprechenden Offerten.

, 19. Juli 2023 um 10:09
image
Die Nachfrage nach Psychotherapie nimmt zu. | zvg
Schon mal gehört? «Die Spitalkosten-Zusatzversicherungen privat und halbprivat sind ein Auslaufmodell.» Zu lesen war dieser Titel in der Wirtschaftszeitung «Cash», als sie noch als Print-Produkt zu haben war. Das war am 10. November 2005.
Seither wurde diese Aussage zigfach wiederholt, ohne dass die Krankenversicherer eine nennenswerte Kehrtwende vollbracht hätten. Auch in den Bilanzen des Zusatzversicherungsgeschäfts sind keine grossen Löcher auszumachen.

Nachfrageeinbruch bei Flex-Produkten

Nun erklärt aber der Vergleichsdienst Comparis in einer Mitteilung, dass die Nachfrage nach Spitalzusatzversicherungen in den letzten zwölf Monaten «massiv zurückgegangen» sei: Die Bestellungen von Offerten für Spital-Flex-Produkte brachen um 37,9 Prozent ein. Spital Allgemein ganze Schweiz verzeichnete ein Minus von 32,9 Prozent, Spital Privat 30,7 Prozent und Spital Halbprivat 21 Prozent.
Dass vor allem die Flex-Produkte die grössten Einbussen verzeichnen, ist insofern bemerkenswert, weil eben gerade den Flex-Produkten die Zukunft prophezeit wird, auch weil sie kostengünstiger sind. Comparis-Experte Felix Schneuwly begründet dies mit einer gewissen Sättigung.

Nachfragezuwachs für Psychotherapie

Vielmehr erstaunt ist Felix Schneuwly über den Nachfragezuwachs an Psychotherapie mit einem Plus von 57,9 Prozent seit 2018/2019. Wie man weiss, ist die Psychotherapie der Psychologinnen und Psychologen seit Juli 2022 wie die der Psychiaterinnen und Psychiater durch die Grundversicherung gedeckt. Der Anteil an Offertbestellungen für Psychotherapieprodukte liegt 2022/2023 bei 6 Prozent.
Am stärksten zugenommen seit der Aufschaltung des Zusatzversicherungsvergleichs vor fünf Jahren haben Offertanfragen für Zahnstellungskorrekturen. Hier gingen die Offertbestellungen anteilig 67,9 Prozent hinauf im Vergleich zu 2018. Heute beträgt das Bestellvolumen gut 1,8 Prozent aller Suchanfragen.
Comparis stützt sich bei ihrer Analyse auf über eine Million Offertenanfragen über die letzten fünf Jahre, wie sie auf ihrer Vergleichsplattform zu verzeichnen sind.

Maklergetrieben

Was jedoch Comparis an Offertstellungen beobachtet, und was schliesslich die Krankenversicherer in ihren Büchern registrieren, sind zwei verschiedene Dinge. Das Geschäft der Zusatzversicherungen ist maklergetrieben. Wer sich durch einen Vermittler zum Abschluss einer Spitalkostenzusatzversicherung überzeugen lässt, wird kaum bei Comparis eine Offerte einholen.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Auch NZZ bemängelt die heutigen Spital-Zusatzversicherungen

«Spitäler und Kassen schröpfen ihre Luxuspatienten», so eine Einschätzung dort. Das Geschäftsmodell mit den Zusatzversicherungen gerät ins Wanken.

image

Die heisse Diskussion um Insel-Premium-Abteilung

Darf ein Universitätsspital mit seiner Luxus-Abteilung die Allgemein-Abteilung sponsern? Ja, das sei sozial, finden Krankenkassen-Experten.

image

Migros zieht beim Therapie-Netz Wepractice die Reissleine

Die Expansion des Psychotherapie-Angebots ist abgesagt, die Co-Working-Plätze für Therapeuten werden geschlossen.

image

Ecstasy-Wirkstoff hilft gegen PTBS

Eine aktuelle Studie zeigt: Der Ecstasy-Wirkstoff MDMA erhöht den Therapieerfolg bei Patienten mit einer Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) deutlich.

image

Ständerat findet: Kassen müssen Assistenz-Psychotherapie zahlen

Nun klopfen Politiker den Krankenkassen auf die Finger: Sie sollen die Kosten für Psychotherapeuten in Weiterbildung übernehmen.

image

Concordia weist die Vorwürfe des Spitalverbands zurück

Die Krankenkasse bestreitet die Kritik des Zürcher Spitalverbandes, mit angeblich fragwürdigen Vertragsverhandlungen ihre Gewinne optimieren zu wollen.

Vom gleichen Autor

image

«Genau: Das Kostenwachstum ist kein Problem»

Für FMH-Präsidentin Yvonne Gilli ist klar: Es braucht Kostenbewusstsein im Gesundheitswesen. Aber es braucht keine Kostenbremse-Initiative.

image

«Kein Mensch will Rationierungen»

Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.