Im Personalbereich zeichnet sich Politik-Wechsel ab – zumindest im Raum Zürich. Denn nun haben auch die Mitglieder der Vereinigung Zürcher Privatkliniken beschlossen, künftig auf temporäres Pflegepersonal zu verzichten. Am Donnerstag hatte bereits der Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK)
gemeldet, dass seine Mitglieder ab diesem Sommer auf die Einstellung von Temporär-Pflegefachpersonal verzichten wollen.
Zur Vereinigung Zürcher Privatkliniken gehören unter anderem die Hirslanden Klinik Im Park, die Privatklinik Bethanien, die Privatklinik Lindberg, Clienia Schlössli oder die Klinik Hohenegg. Die Organisation umfasst insgesamt 9 Mitglieder; zum VZK gehören 35 Institutionen.
«Nachhaltige Strukturen in der Pflege sind der Schlüssel für eine hochwertige Patientenversorgung», erklärt Glen George, Präsident der ZUP und Direktor der Privatklinik Bethanien. «Wir sind überzeugt, dass die Stärkung stabiler Teams langfristig für alle – Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende – Vorteile bringt.»
Eingespielte Teams arbeiteten effektiver zusammen, «was eine bessere Versorgung der Patienten gewährleistet, ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld schafft und auch die Arbeitskultur innerhalb der Kliniken fördert», so die Argumentation der Vereinigung weiter.
Der gemeinsame Entscheid der VZK-Mitglieder war am Vortag ein viel beachtetes Signal, das in der Branche für eifrige Debatten sorgte. «Der Versuch, das heutige temporäre Pflegepersonal so in eine Festanstellung zu "zwingen", kann letztlich nicht funktionieren», warnte Swissstaffing, der Verband der Personaldienstleister.
Und weiter: «Auf Temporärarbeit zu verzichten, würde den Fachkräftemangel weiter verschärfen und insbesondere im Fall situativer Personalengpässe auch das Wohl der Patientinnen und Patienten gefährden.»
Eher kritisch reagierte auch der Personalverband SBK. Der Plan der Zürcher Spitäler berge «grosse Gefahren für die Pflegenden», schrieb die Organisation des Pflegepersonals in einer Stellungnahme. Sollten Betriebe es verbieten, Temporäre anzufordern, so werde die Arbeitsverdichtung für die Teams nicht abnehmen, sondern massiv steigen.
Ohnehin sei ein plötzlicher Anstellungsstopp für Temporäre unrealistisch. «Die Stellenpläne sind bekanntlich engstens berechnet und ausgereizt und kaum für Unvorhersehbares gewappnet.»
In den Sozialen Medien gab es aber auch viel Verständnis für den Paradigmenwechsel – oft versehen mit Kritik an den Temporärvermittlungs-Firmen
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