Ist Ender Diagnostics nun am Ende?

Ein Berner Corona-Test-Anbieter will 51 von 89 Angestellten entlassen. Die letzte Hoffnung – Tests bei China-Reisenden – ist geplatzt.

, 18. Januar 2023, 13:08
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Das ehemalige Ascom-Firmengebäude in Bern-Bümpliz: Das ist der Sitz von Ender Diagnostics. | Google Streetview
So fulminant wie das Berner Jungunternehmen während der Pandemie gewachsen ist, so krass reduziert es nun wieder: Ender Diagnostics macht seine Ankündigung wahr und will einem Grossteil seiner Belegschaft kündigen.

Auch Testcenter am Flughafen reduziert

Die Firma schliesst ihr Labor in Bern. Der Betrieb des Testcenters am Flughafen Zürich wird laut der «Berner Zeitung» deutlich reduziert.
Vorläufig behält Ender Diagnostics aber seinen Firmensitz in Bern. In Bern ist das Jungunternehmen gross geworden. Deren Gründer arbeiteten ursprünglich am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern.

Mit schnellen Tests zum schnellen Erfolg

Dort kam ihnen denn auch die Idee zu ihrem Geschäftsmodell. Immer wieder stellten sie fest, dass die Verfahren im Labor zu lange dauerten.
So entwickelten sie ein Verfahren für den schnelleren Nachweis von Krankheitserregern. Und zwar nutzen sie dafür die so genannte Polymerase-Kettenreaktion, auf Englisch: polymerase chain reaction - oder kurz PCR.

Auch Tests für Tierkrankheiten

Mit ihrem Verfahren konnten sie in nur 30 Minuten zuverlässige Ergebnisse liefern. Allerdings interessierten sich zu den Gründerzeiten 2017 nur wenige Labors für möglichst schnelle Testergebnisse.
So verlegte sich das Unternehmen auf tierärztliche Diagnostik und gründete 2019 Livet. Diese Firma bietet Testkits für den Nachweis von Infektionskrankheiten bei Tieren.

Ender war «ender»

Doch 2020 kam für Ender die Chance: Alle wollten möglichst schnelle PCR-Tests zum Nachweis von SARS-CoV-2. Ender lieferte sie – und zwar «ender» als andere. «Ender» ist der berndeutsche Ausdruck für «eher» und wird oft in der Redewendung «Dr Ender isch dr Gschwinder» gebraucht.
Nun ist Ender auch «gschwinder» beim Zurückbuchstabieren. Schon im Dezember kündete Ender-Chef Samuel Zürcher an, dass der rentable Betrieb von Schnelltest-Labors im neuen Jahr nicht mehr möglich sei. Denn die Testbereitschaft der Bevölkerung werde deutlich sinken, wenn die PCR-Tests selber bezahlt werden müssten.

Auch keine China-Tests

So kam es denn auch. Der letzte Hoffnungsschimmer für das Labor verblasste kürzlich: Ender hätte möglicherweise profitieren können, wenn der Bundesrat eine Corona-Testpflicht für Reisende aus China eingeführt hätte. Das tat er allerdings nicht.
Ganz aufgeben will die Firma das Geschäft mit der Entwicklung von molekulardiagnostischen Schnelltests für den Nachweis von Viren vorderhand nicht. Möglicherweise wird sie dereinst dann wieder einmal «ender» und damit «dr Gschwinder» sein, wenn es wieder einmal aufs rasche Testen ankommen könnte.
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