Begrüssung per Handschlag: Fast zwei Drittel der Ärzte würden verzichten

Beim Händeschütteln sind ärztliche Fachpersonen und medizinische Praxisassistentinnen (MPA) zurückhaltender als ­ihre Patienten. Dies geht aus einer aktuellen Umfrage aus dem Kanton Bern hervor.

, 6. September 2022, 05:29
image
Hausärzte wollten in einer Umfrage wissen, wie gross die Bereitschaft zum Verzicht auf die Begrüssung per Handschlag und zum Tragen einer Maske ist. | Symbolbild Pexels
Nach Aufhebung aller Corona-Massnahmen ist die Frage nach der Wiedereinführung der Begrüssung per Handschlag in Arztpraxen erneut aufgetaucht. Für Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Praxisassistentinnen (MPA) ist die Sache klar: 64 Prozent würden in Zukunft auf eine Begrüssung per Handschlag verzichten. Dies zeigt eine Umfrage aus dem Umfeld der Hausärzteschaft im Kanton Bern.
Auf die Feststellung, dass die Mehrheit der Ärzte bereit ist, in Zukunft auf ­dieses Begrüssungsritual zu verzichten, liefern die Studienautoren Andreas Kronenberg und Luzia Renggli auch gleich eine Erklärung: Es liege wohl auch daran, dass sich zwischenzeitlich andere Begrüssungsformen wie Nicken oder leichte Berührung an der Schulter beim Geleiten ins Sprechzimmer etabliert ­hätten.

Patienten noch verunsichert

Anders hingegen sieht die Haltung bei den Patientinnen und Patienten aus: Dort würden über ein Drittel ebenfalls generell davon absehen. Mit knapp 30 Prozent scheinen deutlich mehr Patienten in dieser Frage aber noch verunsichert und würden vorerst die nächste Wintersaison abwarten. Zum Vergleich: Keine der ärztlichen Fachperson wählte diese Option.

image
Screenshot «Schweizerische Ärztezeitung»

Insgesamt nahmen über 770 Personen aus dem Umfeld von 9 Berner Medix-Praxen an der Umfrage teil: 11 ärztliche Fachpersonen, 50 MPA sowie über 700 Patientinnen und Patienten. Da die Umfrage freiwillig war, sind die Resultate «indikativ», aber «nicht zwingend repräsentativ», wie die Autoren in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der «Schweizerischen Ärztezeitung» einschränken.

Und was ist mit dem Maskentragen?

Die Umfrage ging zudem der Meinung gegenüber der Maskentragpflicht nach. Hier zeigte sich, dass in allen Gruppen die Mehrheit bereit ist, die Maske ­zumindest «situativ» trotz Aufhebung der Corona-Massnahmen weiterhin zu tragen: zum Beispiel in Wintermonaten oder während eines Infekts des oberen Atemwegs.
Sobald möglich keine Maske mehr zu tragen, ist nur für 9 Prozent der Ärztinnen und Ärzte, jedoch für 42 Prozent der MPA und 32 Prozent der Patientinnen und Patienten zumindest eine «valable Option». Und der Grossteil der Personen, die bereit wären, bei ­In­fekten der Atemwege eine Maske in der Praxis zu ­tragen, würde dies auch im öffentlichen Verkehr so handhaben.

image
Screenshot «Schweizerische Ärztezeitung»

Was die Autoren empfehlen

Gemäss den Studienautoren sollte Personen mit oberen Atemwegsinfektionen empfohlen werden, in der Arztpraxis und den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maske zu tragen. Dies sollte selbstverständlich auch für das Praxis­personal gelten. Im Sprechzimmer sollten zudem individuelle Entscheidungen möglich sein: Zum Beispiel wenn aus nachvollziehbaren Gründen bei älteren Personen auf die Maske verzichtet werde oder wenn bei nahem Kontakt zu immunsupprimierten Personen trotz fehlender Infektzeichen eine Maske getragen werde.
Anders als beim Maskentragen fehlen nach Aufhebung aller Massnahmen bezüglich Begrüssung per Handschlag klare Leitlinien vollständig. Der Handschlag erscheint den Studienautoren jedoch bei richtiger Händedesinfektion «unbedenklich». In der Hausarztpraxis dient der Handschlag auch der ersten körperlichen Kontaktaufnahme und hat einen gewissen diagnostischen Wert, werden doch Kräftigkeit, Feuchtigkeit und Hauttemperatur intuitiv erfasst. Auch eine Berührung im individuellen Gespräch erscheine zudem si­tuativ nach wir vor «von grosser Wichtigkeit» und – bei entsprechender Händedesinfektion – «auch unbedenklich».
Andreas Kronenberg, Luzia Renggli und Qualitätszirkel Medix Bern. «Handschlag – ja oder nein?» In: «Schweizerische Ärztezeitung». 31.08.2022

  • ärzte
  • maske
  • medix
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Ärztlicher Direktor in Littenheid tritt schwieriges Erbe an

Keine einfache Aufgabe für den neuen Ärztlichen Direktor: Nach Satanismus-Vorwürfen steht die Klinik Littenheid unter genauer Beobachtung.

image

Vista weitet ihr Netzwerk ins Berner Oberland aus

Das Augenzentrum Thun gehört seit Montag zum Netzwerk der Vista Augenpraxen und Kliniken. Die Mitarbeitenden werden übernommen.

image

Arzt verweigert Maske in seiner Praxis – Gericht verordnet Geldstrafe

Ein coronaskeptischer Mediziner aus dem Kanton Luzern musste sich am Montag wegen wiederholten Verstössen gegen die Epidemiegesetzgebung vor Gericht verantworten.

image

Berner Arzt hat Aufklärungspflicht doch nicht verletzt

Im Fall einer Nasen-OP mit Komplikationen verneint das Bundesgericht eine Pflichtverletzung eines Berner HNO-Arztes. Die Vorinstanzen haben noch anders entschieden.

image

Ärztestopp: Hirslanden setzt sich juristisch durch

Die Privatklinik Birshof hat vor Gericht Recht bekommen: Die Höchstzahl für praxis- und spitalambulante Ärzte gilt im Kanton Baselland nicht mehr. Es fehle die rechtliche Grundlage.

image

Dafür spendet eine Covid-Impfpraxis ihre Einnahmen

Wider Erwarten hat eine spontan eingerichtete Impf-Praxis Gewinn gemacht. Nun spendet sie das Geld – für einen Bike-Rundkurs.

Vom gleichen Autor

image

Jeder Dritte in der Schweiz glaubt: Antibiotika zerstören Viren

Immerhin ist allgemein bekannt, dass Antibiotika kein effektives Mittel gegen Grippe und Erkältung ist. Dies zeigt eine aktuelle Repräsentativbefragung.

image

Spital Schwyz: Neuer Chefarzt kommt vom Unispital

Lukas Bircher wird neuer Chefarzt der Anästhesie am Spital Schwyz.

image

Die Migros kauft die Versandapotheke Zur Rose

Jetzt ist es bestätigt: Die Zur Rose-Gruppe veräussert ihr Schweizer Geschäft an die Migros-Tochter Medbase.