Zeigt Stuhltest bald Alzheimerrisiko an?

Ein Stuhltest könnte als Erstuntersuchung genutzt werden, um bei Personen mit Alzheimer-Symptomen einen Verdacht abzuklären. Die Hoffnung liegt auch auf einem Screening bei gesunden Menschen.

, 16. Juni 2023 um 08:16
image
Mit einem Anteil von etwa 60 bis 65 Prozent ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form der Demenz. | Unsplash
In der Schweiz leben schätzungsweise gegen 150'000 demenzkranke Menschen; jährlich kommen rund 32'200 Neuerkrankungen hinzu. Eine frühzeitige Diagnose ist oft schwierig, sind die Symptome in einem frühen Stadium zumeist unspezifisch. Eine aktuelle Studie in «Science Translational Medicine» zeigt nun: Veränderungen der Darmflora, die in früheren Studien bei Patienten mit Alzheimer gefunden wurden, sind bereits im Vorstadium der Erkrankung vorhanden. Die Hoffnung: ein einfacher Stuhltest, durchgeführt als Screening bei gesunden Menschen, könnte in Zukunft Alzheimer so früh erkennen, dass der Verlauf der Erkrankung durch Medikamente beeinflusst werden kann.

Veränderungen der Darm-Hirn-Achse

Viele Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer leiden unter Magendarm-Beschwerden, die mit einer Störung des Mikrobioms im Darm einhergehen. Dies hat zu der bisher unbewiesenen Hypothese einer Darm-Hirn-Achse geführt. Danach sollen die Veränderungen im Darm die degenerativen Hirnerkrankungen beeinflussen können. Forscher halten es sogar für möglich, dass die degenerativen Erkrankungen ihren Ursprung im Darm haben.

Darmbakterien im Gehirn

Demnach würden Darmbakterien Abwehrzellen aus dem Darm veranlassen, in das Gehirn zu wandern und dort die Ablagerungen zu fördern, die verantwortlich für Alzheimer beziehungsweise Parkinson sind.
Bleibt die Frage, ob eine Veränderung des Darmmikrobioms in der Lage wäre, den Krankheitsprozess günstig zu beeinflussen und im besten Fall den Ausbruch der Demenz zu verhindern? Laut den Forschern sei dies derzeit eine ferne Perspektive.
  • alzheimer
  • forschung
  • trends
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Risiko Medikamentenliste: Zu viele falsche Verschreibungen

Potenziell unangemessene Verschreibungen sind in der Altersmedizin eher die Regel als die Ausnahme. Speziell gefährdet sind Patienten mit vielen Medikamenten, mit Sturzanamnese – sowie Frauen. Das besagt eine grosse Studie.

image

Neues Labor für Zelltherapie: George Coukos wechselt in die USA

Mit George Coukos wechselt eine der prägenden Figuren der Schweizer Immunonkologie in die USA: Der Forscher übernimmt die Leitung eines neuen Zelltherapie-Labors des Ludwig Institute.

image

Das sind die jungen Medizin-Spitzenforscher der Schweiz

Die Stiftung Pfizer Forschungspreis zeichnete 12 Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus, die an Schweizer Unis oder Spitälern forschen.

image

Blutdruckmessung zu Hause: Ein Drittel der Hypertonie-Patienten misst gar nicht

Kostenlose Geräte, Schulung und persönliche Betreuung reichen oft nicht aus: Eine US-Kohortenstudie zeigt, dass viele Hypertonie-Patienten im Alltag keinerlei Messwerte erheben.

image

Basler Forscherin entdeckt Anpassungsfähigkeit des Gehirns

Fiona Doetsch vom Biozentrum der Universität Basel erhält für ihre Forschung rund um die Funktionsweise neuraler Stammzellen den mit 500'000 Franken dotierten Louis-Jeantet-Preis für Medizin.

image

Spitex: «Book a Doc» soll unnötige Spitaleinweisungen verhindern

Die Spitex Limmat Aare Reuss setzt neu auf Telemedizin: Mit «Book a Doc» können die Pflegefachpersonen ärztliche Beratung direkt in die Wohnungen von Klienten holen.

Vom gleichen Autor

image

Zürich: Fast eine halbe Milliarde für die nächste Ärztegeneration

Der Zürcher Kantonsrat bewilligt 25 Millionen Franken für das Projekt «Med500+». Ab 2030 sollen an der Universität Zürich jährlich 700 statt 430 Studierende Humanmedizin beginnen.

image

Vom Inselspital nach Thun: Claudio Schneider wird Chefarzt

Claudio Schneider, derzeitig Oberarzt am Inselspital Bern, übernimmt per 2027 die Leitung der Medizinischen Klinik in Thun. Er folgt auf Thomas Zehnder.

image

Insel: Berner Grossrat will Epic-Kosten nicht separat untersuchen

Trotz Projektkosten von über 180 Millionen Franken verzichtet das Berner Parlament auf eine zusätzliche Untersuchung. Die Geschäftsprüfungskommission habe die Fragen bereits aufgenommen.