Vor etwas mehr als einem Jahr leitete das Groupement hospitalier de l'Ouest lémanique (GHOL) diverse Schritte und Umstrukturierungen ein, um die
Kinder-Notaufnahme im Spital Nyon zu verbessern. Ein Ziel dabei: Die durchschnittliche Verweildauer in der Notaufnahme sollte von damals 148 Minuten auf 30 Minuten gesenkt werden.
Ein Jahr später, am 5. Februar 2025, ist die neue Organisation der pädiatrischen Notaufnahme Realität geworden. In einem
Interview mit dem Lokalsender «Nyon Région Télévision» erläuterten zwei Beiteiligte – Chefärztin Rachel Pellaton und Beraterin Cynthia Vasey – diese Transformation im Detail.
«Marsch nach vorn»
Ab Ende 2023 begannen drei beteiligte Chefärzte und zwei Pflegefachleute, ein Jahr lang Workshops durchführen; nach und nach wurden weitere Teams einbezogen. Eine Beratungsfirma führte dabei zunächst Beobachtungen und Interviews durch und begleitete die klinischen Teams täglich, um die «Choreografie zwischen den verschiedenen Berufsgruppen» zu beobachten.
Laut Rachel Pellaton erwies sich der Patientenweg in der pädiatrischen Notaufnahme als zu fragmentiert – mit Schritten nach vorne und wieder zurück – was die Behandlungsdauer unnötig verlängerte. Ziel war es daher, den Prozess durch den Abbau überflüssiger Aktivitäten zu straffen.
«Fais voir ta région» auf NRTV: Mittwoch, 26. Februar 2025.
So hat das GHOL ein Modell des «Vorwärtsgehens» eingeführt, das Rückschritte im Behandlungsverlauf vermeidet. Jeder Patient wird nunmehr bei seiner Ankunft von einem Zweiergespann aus einer Pflegefachperson plus einem Ober- oder Kaderarzt betreut. Dieses Duo beurteilt die Bedürfnisse der Patienten und leitet sie weiter, sodass diese ihre Symptome nicht mehrfach wiederholen muss.
Ein medizinisch-pflegerisches Zweierteam betreut die Patienten dann während der gesamten Behandlung, von der Konsultation bis zur Rückkehr nach Hause.
Erste Ergebnisse
Bis sank 2024 die durchschnittliche Zeit, die in pädiatrischen Notaufnahmen verbracht wurde, dann auf 105 Minuten. Und nach der Einführung des neuen Modells wurde diese Zeit noch einmal halbiert. Dabei sank auch die Wartezeit bis zum ersten Arztbesuch – die «time to doctor» – ebenfalls auf die Hälfte. «Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, da wir noch ganz am Anfang des Projekts stehen» betont Rachel Pellaton.
Neben rein zeitlichen Aspekt zielte die Neuorganisation auch darauf ab, das Vertrauen der Patienten und ihrer Familien zu stärken. «Die Familien sind sehr froh, dass es dieses medizinisch-pflegerische Zweierteam gibt. Es bringt wirklich alle Kompetenzen, sowohl die des Arztes als auch die der Pflege zu den Patienten ins Behandlungszimmer», erklärte sie auf NRTV.
Auch von den Fachleute gab es positive Rückmeldungen. Die Initiative wurde im Winter eingeführt, einer Zeit, in der der Patientenandrang normalerweise hoch ist, was einige Befürchtungen hervorrief. Die positiven Auswirkungen waren aber schnell spürbar und das Projekt wurde von den Angestellten unterstützt.
Noch weiter gehen?
Rachel Pellaton räumt ein, dass die Neuorganisation noch einige Monate dauern wird. «Wir müssen alle unsere Arbeitsweise ändern. Wir haben die Teams beruhigt, indem wir ihnen erklärt haben, dass diese Veränderung nicht von heute auf morgen stattfinden wird.»
Weitere Verbesserungen sind nun in Planung, darunter die Vereinfachung des administrativen Aufnahmeverfahrens, um den Patientenweg noch reibungsloser zu gestalten.
Schliesslich plant das GHOL, ab nächstem Frühjahr Bauarbeiten durchzuführen, um die Räumlichkeiten an die neuen Verfahren anzupassen. Dann strebt die Einrichtung die FMH-Zertifizierung für ihre pädiatrische Notaufnahme an.