Der Alltag auf Intensivstationen ist geprägt von Dauerstress. Eine US-Studie zeigt, dass Pflegefachpersonen ihre Pausen vor allem dann einhalten, wenn der Zusammenhalt im Team stimmt.
, 6. Januar 2026 um 05:33
Im Film «Heldin» kommt die Pflegefachfrau Floria nur selten zur Ruhe.
Als vor einigen Jahren sechs Pflegefachfrauen einer neonatologischen Überwachungsstation vor das Kantonsgericht Baselland zogen, ging es um eine scheinbar banale Frage: Gilt eine Pause als Pause, wenn man jederzeit einsatzbereit bleiben muss? Das Gericht verneinte klar.
Die Pflegefachpersonen hatten während Spät-, Nacht- und Wochenenddiensten ihre Pausen regelmässig unterbrechen müssen. Diese Pausen hätten keinen Erholungswert gehabt und seien deshalb als Arbeitszeit zu werten. Das Spital wurde zu Lohnnachzahlungen verurteilt.
Pausen sind Pflicht
Der Fall aus Basel unterstreicht, was im Pflegealltag oft untergeht: Pausen sind nicht freiwillig, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Das Arbeitsgesetz verlangt, dass lange Schichten zwingend durch Pausen unterbrochen werden. Bei mehr als neun Stunden Arbeit sind mindestens 60 Minuten vorgesehen – und zwar als echte Unterbrechung, nicht als Bereitschaftsdienst im Pausenraum.
Aus arbeitsmedizinischer Sicht ist das nachvollziehbar: Regelmässige Pausen senken Stress, reduzieren Fehler und gelten als zentraler Schutzfaktor gegen Erschöpfung und Burnout. Entsprechend betont auch der Bund im Rahmen der Pflegeinitiative, dass ausreichende Erholungszeiten eine Voraussetzung für gesunde Arbeitsbedingungen und Patientensicherheit sind.
Teamkultur als Schlüsselfaktor
Wie schwierig es dennoch ist, Pausen im Pflegealltag tatsächlich umzusetzen, zeigt eine aktuelle Studie aus den USA. Untersucht wurden 96 Pflegefachpersonen, die vorwiegend auf Intensivstationen arbeiteten.
Die Teilnehmenden beantworteten einen Online-Fragebogen zu ihrem Pausenverhalten, zur wahrgenommenen Teamarbeit sowie zu organisatorischen und räumlichen Bedingungen auf der Station.
Die Antworten zeigen ein ambivalentes Bild:
Pflegefachpersonen, die den Zusammenhalt im Team als hoch bewerteten, nahmen signifikant häufiger Pausen – sowohl Mahlzeitenpausen als auch kurze Unterbrechungen.
Gleichzeitig gaben weniger als die Hälfte der Befragten an, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine 30-minütige Mahlzeitpause während einer 12-Stunden-Schicht einzuhalten.
Rund jede zweite Pflegefachperson berichtete, kaum oder gar keine zusätzlichen Erholungspausen zu machen.
Auch der Raum spielt eine Rolle
Zusätzlich untersuchten die Forschenden den Einfluss der räumlichen Gestaltung von Stationen. Offene, übersichtliche Layouts mit besserer Sichtbarkeit des Teams gingen tendenziell mit höher wahrgenommenem Teamwork einher – und indirekt auch mit einer höheren Pausenwahrscheinlichkeit. Physische Barrieren wie lange Flure, geschlossene Räume oder dezentrale Arbeitsplätze erschwerten hingegen spontane Ablösungen und Kommunikation.
Die Studie macht deutlich: Pausen sind im Pflegealltag weniger eine individuelle Entscheidung als das Resultat von Teamkultur, Organisation und Arbeitsumgebung. Oder anders gesagt: Wo Zusammenarbeit funktioniert, wird Erholung eher möglich – obwohl sie rechtlich längst garantiert ist.
Youtube-Video zur Studie: American Association of Critical-Care Nurses.
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