In Frankreich kommen fast 40 Prozent der Menschen, die über 80 Jahre alt sind, einmal pro Jahr ins Spital. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 25 Tage, die Wiederaufnahmequote innerhalb eines Monats nach der Entlassung erreicht bis zu 30 Prozent.
Angesichts solcher Zahlen untersuchte ein Forscherteam nun die Auswirkungen eines häuslichen Telemonitoring-Systems, das sich speziell an geriatrische und multimorbide Patienten richtet.
Die Ergebnisse wurden jüngst im «Journal of Medical Internet Research» veröffentlicht. Die französische Studie untersuchte die Nutzung eines Heim-Überwachungssystems (Epoca RPM) bei 120 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren. Alle Probanden wurden mindestens fünf Monate lang rund um die Uhr über das Gerät überwacht.
In ihrer Analyse verglichen die Forscher die Daten, die ein Jahr vor der Einführung des Geräts aufgezeichnet wurden, mit denen, die nach einer Nachbeobachtungsphase gewonnen wurden.
Das System umfasst ein Armband oder Medaillon, das Warnungen und Gesundheitsdaten überträgt, sowie ein Telemonitoring-Zentrum mit geschulten Beratern (Pflegefachleute und Ärzte), die sich bei Bedarf mit den Patienten und ihren Betreuern in Verbindung setzen.
Geriater in Spitälern stellen ihr Fachwissen in regelmässigen Telekonsultationen zur Verfügung, während freiberufliche Pflegekräfte die Betreuung zu Hause übernehmen.
Hospitalisierungen fast halbiert
Die Ergebnisse in der Stichprobe erscheinen ermutigend:
- Nach der Einführung des Systems sanken die Einweisungsraten in Spitäler und Notaufnahmen um 48 Prozent;
- die durchschnittliche Dauer von Spitalaufenthalten der Testpersonen sank um 63 Prozent – dies waren etwa 14 Tage weniger pro Patient und Jahr.
Dies deutet an, dass ein solches System bei gebrechlichen Patienten wirksam eingesetzt werden kann, wenn es mit der Spitex-Pflege koordiniert wird.
Auch die Akzeptanz des Geräts durch die Patienten und ihre Angehörigen erwies sich als hoch: Die Abbruchrate betrug nur 2,5 Prozent.
Das Forscherteam aus Universitäten und Kliniken in Paris und Nanterre kommt denn auch zum Schluss, dass sich die Fernüberwachung in den Alltag von Patienten, Angehörigen und Pflegekräften integrieren lässt, ohne diese übermässig zu belasten.
Auf dem Weg zu neuen Forschungen
Allerdings handelt es sich hier um eine retrospektive Beobachtungsstudie mit einer relativ kleinen Stichprobe. Da die Bewertungen zu verschiedenen Jahreszeiten durchgeführt wurden, könnten die Ergebnisse auch durch saisonale Gesundheitsprobleme beeinflusst werden. Ferner fehlte eine Kontrollgruppe mit herkömmlicher Pflege.
Die Autoren planen daher eine gross angelegte randomisierte kontrollierte Studie, um ihre Ergebnisse zu bestätigen. Parallel dazu soll eine Untersuchung über das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Systems durchgeführt werden.
Auch wenn die Fernüberwachung die Pflege zu Hause nicht ersetzt, scheint sie doch die Koordinierung zu optimieren, Spitaleinweisungen zu verringern und die Erfahrungen der Patienten zu verbessern – auch, indem Notfall-Einweisungen eher vermieden werden können.