Mit einem deutlichen Votum haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Kanton Schaffhausen Ende November den weiteren Weg für die Modernisierung der Spitäler Schaffhausen freigemacht.
Fast 85 Prozent sagten Ja zur kantonalen Unterstützung der Finanzierung. Und dies bei einer Stimmbeteiligung von rund 67 Prozent. Selten fällt ein Entscheid an der Urne so klar aus. Die Unterstützung beinhaltet eine Einlage in die Eigenkapitalreserven von 70 Mio. Franken zudem gibt der Kanton den Spitälern Schaffhausen ein zinsgünstiges und rückzahlbares Darlehen von maximal 60 Mio. Franken.
Wie dieses neue Kantonsspital konkret aussehen wird, zeigte Spitaldirektor und CEO Dr. med. Andreas Gattiker an diversen Informationsveranstaltungen im ganzen Kanton. Mit einer anschaulichen Präsentation – inklusive eines animierten virtuellen Rundgangs – gab er Einblick in das «Kantonsspital der Zukunft» und erklärte, weshalb die Modernisierung für die Sicherung der wohnortsnahen ambulanten und stationären Gesundheits- und Notfallversorgung, rund um die Uhr, unvermeidlich ist.
Eine Studie aus dem Jahr 2011, so erklärte der Spitaldirektor, hätte ergeben, dass eine Sanierung des alten Gebäudes gleich viel gekostet hätte wie ein Neubau. Aber das Gebäude aus den 70er-Jahren würde den Prozessanforderungen an die heutige Medizin in keiner Weise genügen. Zusätzlich entstünden erhebliche logistische Herausforderungen, wenn man bei laufendem Betrieb eine solch grundlegende Sanierung ausgeführt hätte.
«Der Bau richtet sich am Leistungsauftrag des Kantons aus, ein Spital mit solider Grundversorgung zu betreiben», Dr. med. Andreas Gattiker, CEO
Die Anpassung des neuen Gebäudes an die veränderten Anforderungen in der Spitalmedizin sei ebenso wichtig wie die rein bauliche Erneuerung.
Als Beispiel für die veränderten Bedingungen nannte Andreas Gattiker die Aufenthaltsdauer. Heute blieben stationäre Patientinnen und Patienten im Schnitt nur noch 4,5 statt früher 14 Tage im Spital, je nach Eingriff sind die Unterschiede noch grösser. Deshalb müssten die Räume in Zukunft anders nutzbar sein.
Eingangshalle des Spital-Neubaus.
Die Modernisierung umfasst insgesamt sechs Teilprojekte, nämlich den Neubau, das Parkhaus mit Energiezentrale, die Instandsetzung des Altbaus sowie Umgebungs- und Abbrucharbeiten. Der künftige Betrieb wird konsequent auf das Wohl der Patientinnen und Patienten sowie auf verbesserte Effizienz in allen Abläufen ausgerichtet.
Kernstück ist der Neubau, in dessen südlichem Gebäudeteil das Ambulatorium mit Untersuchungsräumen und die Patientenzimmer in den zwei Bettenstationen untergebracht sein werden. Im nördlichen Teil befinden sich die Operationssäle, die Intensivstation und das Notfallzentrum.
Zwei getrennte Gänge, einer für den Transport der Patientinnen und Patienten in Betten und einer für Besuchende, sorgen für mehr Wohlbefinden und Diskretion. Die Geburtenstation befindet sich direkt neben den OP-Sälen, damit bei Geburtskomplikationen ein schnelles Eingreifen garantiert ist.
Patientenzimmer im Spital-Neubau.
Ökologie
Das neue Spital erfüllt auch höchste Standards in Bezug auf die Ökologie. Der Altbau wird teilweise zurückgebaut, im denkmalgeschützten Teil verbleiben die heutigen Nutzungen. Bereits die Illustrationen zeigen es: Das neue Spital wird ein «Spital im Wald».
Es werden am Ende des Prozesses im Park mehr Bäume gepflanzt als für die Bauarbeiten weichen müssen. Bei der Bepflanzung dürfen die Mitglieder des Quartiervereins Geissberg mitwirken. Der entstehende Park mit umgebendem Wald wird öffentlich zugänglich sein.
Innenhof beim Eingangsbereich des Spital-Neubaus.
Parkhaus
Kernstück der ökologischen Erneuerung ist das neue Parkhaus, das als erstes gebaut wird. So können die bisherige «Parkplatzwüste» aufgehoben und Platz für die Bauarbeiten geschaffen werden. Das Parkhaus beherbergt neben Parkplätzen für Autos, E-Autos und Velos eine moderne Energiezentrale mit Wärmepumpen. Die Dachflächen werden für Photovoltaik genutzt. Der Standort des Parkhauses sowie die neue Linienführung des Städtischen Busses sorgen für kürzere Wege und weniger Verkehr.
Sicht auf neues Parkhaus von Osten
Im Einklang mit Leistungsaufrag und Entwicklung
Andreas Gattiker betont, dass die Modernisierung des Kantonsspitals nicht zu einer Ausweitung des Angebotes führe. «Der Bau richtet sich am Leistungsauftrag des Kantons aus, ein Spital mit solider Grundversorgung zu betreiben.» Für einige wenige, wohnortsnah sinnvolle Spezialitätenmedizin arbeite man bereits seit einiger Zeit mit anderen Spitälern zusammen.
Bis die präsentierte Modernisierung komplett umgesetzt ist, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Das Parkhaus und damit die Aufhebung aller derzeitigen Parkplätze soll bereits 2028 umgesetzt sein, die Fertigstellung des Neubaus ist für 2030 geplant.
Anschliessend ist der Rückbau des bisherigen Spitals sowie die Umgebungsarbeiten vorgesehen, so dass 2034 das neue «Spital im Wald» Realität sein dürfte.