Roche macht sich bei seltenen Krankheiten rar

Der Basler Pharmakonzern richtet seine Forschung neu aus: Er will sich auf fünf grosse Therapiegebiete konzentrieren.

, 1. Oktober 2024 um 07:43
image
«Die durchschnittlichen Gesundheitskosten wachsen schneller als das Bruttoinlandprodukt, wir müssen hierfür Lösungen finden»: Der neue Roche-CEO Thomas Schinecker  |  Bild: PD
Roche stellt seine Forschungsstrategie neu auf: Künftig wird sich der Pharmakonzern nur noch auf fünf grosse Therapiegebiete konzentrieren, die das grösste Potenzial bieten. Dazu gehören Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Immun- und Augenkrankheiten sowie neurologische Leiden.
Entscheidend für diese Neuausrichtung sei die hohe Zahl der betroffenen Patienten in den jeweiligen Bereichen, erläuterte die Roche-Spitze an einem Investorentag in London.
Roche-CEO Thomas Schinecker erwartet, dass den Krankenkassen in Zukunft nur noch begrenzte Mittel für andere Erkrankungen zur Verfügung stehen. Daher orientiert sich der Pharmakonzern auch an den zunehmend höheren Anforderungen der Krankenkassen hinsichtlich Nutzen und Wirtschaftlichkeit. Es gehe nicht mehr nur darum, das Leben der Patienten durch Medikamente zu verlängern, sondern auch darum, Krankheiten zu heilen oder sogar zu verhindern.

Keine seltene Krankheiten mehr

Die strategische Neuausrichtung markiert eine Wende in Roches Forschungspolitik: Bisher war der Konzern dafür bekannt, in vielfältigen Feldern der Wissenschaft zu forschen. Nun jedoch sollen nur noch Projekte weiterverfolgt werden, die grosse Erfolgschancen und eine breite Anwendbarkeit versprechen. Seltene Krankheiten gehören nicht dazu.
Roche wolle sich damit stärker auf umsatzstarke Medikamente konzentrieren und sich besser gegen die Konkurrenz positionieren, heisst es weiter. Denn letzlich geht es vor allem um die Kosten.
Den Aktienkurs in Schwung brachte jüngst Roches Einstieg in die Forschung von Fettleibigkeitstherapien. Im Dezember übernahm der Pharmariese für rund drei Milliarden Dollar das kalifornische Forschungsunternehmen Carmot, das sich die Entwicklung bestimmter Moleküle zur Bekämpfung von Fettleibigkeit zum Ziel gesetzt hat.
Bereits im Juli meldete Roche erste Erfolge mit seiner neuen Abnehm-Spritze, wie Medinside berichtete.
Das Potential ist in diesem Bereich jedenfalls riesig: Der gesamte Markt wird bis 2030 auf einen Wert von 100 bis 150 Milliarden Dollar geschätzt.
Neu müssen die Forschungsprojekte von Roche:
  • Erfolgsversprechend sein
  • Einen neuen Behandlungsstandard setzen
  • Möglichst viele Patienten erreichen

  • Roche
  • pharma
  • forschung
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Stimme erkennt Unterzuckerung – Handys könnten bald beim Diabetes-Management helfen

Die menschliche Stimme verrät frühe Anzeichen einer Hypoglykämie. Das zeigen Forschende aus Bern – und erklären, wie Smartphones das Diabetesmanagement sicherer und einfacher machen könnten.

image

Adipositas: WHO vollzieht Kurswechsel

In einer neuen Leitlinie gibt die Weltgesundheits-Organisation grünes Licht für den Langzeiteinsatz von GLP-1-Medikamenten bei Adipositas. Zugleich warnt sie vor Engpässen – und fordert einen regulierten Zugang.

image

Das Kostenfolgemodell im Zentrum des Kostendämpfungspaket

Interpharma reagiert scharf auf die Veröffentlichung des Vernehmlassungsverfahrens zum Kostendämpfungspaket.

image

ETH Zürich: Mikroroboter bringt Medikamente direkt ins Gehirn

ETH-Forschende haben einen magnetisch steuerbaren Mikroroboter entwickelt, der auch in komplexe Gefässstrukturen vordringt. Das System bringt Medikamente präzise an den Zielort – und löst sich danach auf.

image

Ein Blutstropfen Hoffnung bei Alzheimer

Neue Bluttests könnten die Alzheimer-Diagnostik revolutionieren – früher, einfacher, präziser. Sie eröffnen Chancen, das Gesundheitssystem zu entlasten und geben Patient:innen und Ärzt:innen neue Hoffnung.

image

mRNA-Impfstoffe der nächsten Generation: gleiche Wirkung bei minimaler Dosis

Ein Team des MIT hat Lipid-Nanopartikel konstruiert, die mRNA bis zu hundertmal effizienter in Zellen einschleusen. Das könnte mRNA-Impfstoffe gegen Influenza oder Covid-19 günstiger, sicherer und flexibler machen.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.