Reanimation: Jede zweite Person sagt Nein

Wenn Patienten über Chancen und Risiken einer Wiederbelebung informiert werden, lehnt fast jede zweite Person eine Reanimation ab. Das zeigt eine neue Studie unter Leitung des Universitätsspitals Basel.

, 28. April 2025 um 03:52
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Praktische Reanimationsübung: Nothelferinnen trainieren an der Puppe für den Ernstfall. Bild: Symbolbild/Unsplash
Fast jede zweite Patientin oder jeder zweite Patient will im Ernstfall nicht reanimiert werden – sofern sie umfassend informiert wurden. Das zeigt eine vom Universitätsspital Basel geleitete Studie, die in sechs Schweizer Spitälern durchgeführt wurde. Sie untersucht erstmals den Effekt einer strukturierten, gemeinsamen Entscheidungsfindung zur Frage der Wiederbelebung.
Unter der Leitung von Sabina Hunziker, Christoph Becker und Sebastian Gross nahmen 2'663 Patienten an der Untersuchung teil. Das zentrale Ergebnis: In der Gruppe, die mit einer eigens entwickelten Kommunikationshilfe über Erfolgsaussichten und Risiken einer Reanimation informiert wurde, entschieden sich 49 Prozent gegen eine Reanimation – in der Kontrollgruppe waren es nur 38 Prozent.

Erfolgsaussichten überschätzt

«Patienten überschätzen häufig die Erfolgschancen einer Reanimation», sagt Sabina Hunziker, Professorin für Psychosomatik am Universitätsspital Basel. Tatsächlich ist die Prognose nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand oft ungünstig, bleibende neurologische Schäden sind nicht selten. Die Risiken würden unterschätzt, während die Erfolgsaussichten überschätzt würden – das belege die Studie deutlich.
Begleitet wurde der Prozess durch eine Kommunikationscheckliste, die Patienten Schritt für Schritt durch mögliche Szenarien, Prognosen und individuelle Werte führt. Ziel war es, fundierte Entscheidungen zu ermöglichen, ohne zu überfordern. «Diese Gespräche sind nicht einfach und können bei Betroffenen Ängste auslösen», so Hunziker. Dennoch zeige sich: Mit klarer Information fällt es den Menschen leichter, eine für sie stimmige Entscheidung zu treffen – und sie stehen dieser Entscheidung auch mit grösserer Zufriedenheit gegenüber.

Individueller Wille

Trotz Empfehlungen von Fachgesellschaften, Patienten in Entscheidungen über lebensverlängernde Massnahmen aktiv einzubeziehen, zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild: Häufig werde der Wille der Betroffenen im Ernstfall nicht ausreichend berücksichtigt. Das könne dazu führen, dass medizinische Massnahmen eingeleitet werden, die nicht im Sinne der Patientin oder des Patienten seien.
Das Universitätsspital Basel hat deshalb seine Prozesse angepasst: Ärzte der Inneren Medizin werden regelmässig geschult, um informierte und partizipative Gespräche über Reanimationsentscheidungen zu führen. Auch andere Spitäler planen, die Kommunikationshilfen und das Schulungskonzept zu übernehmen.

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