Wie jemand das Internet für Gesundheitsinformationen nutzt, hat einen klaren Einfluss auf sein Vertrauen in den Arzt – und auch bei der Frage, ob er eine Zweitmeinung einholt. Dies deuten neue Daten an, die jetzt am nationalen Pädiater-Kongress der USA vorgestellt wurden.
Zusammengefasst besagt die Studie: Wenn die ärztliche Diagnose mit den Online-Informationen der Eltern übereinstimmt, dann vertrauen diese dem Arzt auch stärker. Wenn es Widersprüche gibt, wird eher eine Zweitmeinung eingeholt.
Durchgeführt wurde der Test von Kinderärzten aus Kalifornien und New York. Er verlief so: Knapp 1’400 Eltern wurden vor die Situation gestellt, dass ihr Kind ein rasch voranschreitendes Fieber habe. Die eine Gruppe erhielt danach Internet-Screenshots über die Symptome von Scharlach, die andere über die Ausprägungen des Kawasaki-Syndroms. Eine Kontrollgruppe schliesslich erhielt gar keine Web-Informationen.
Dann erfuhren alle Testpersonen, dass der Arzt auf Scharlach erkannte. Was geschah?
- Von jenen Eltern, deren Internet-Information sich um Scharlach gedreht hatte, glaubten 90,5 Prozent dem Arzt. Nur 21 Prozent dieser Gruppe antworteten, sie würden eine Zweitmeinung einholen wollen.
- In der Kontrollgruppe glaubten 81 Prozent dem Arzt, aber bereits etwas mehr dieser Eltern wollten obendrein eine andere Einschätzung einholen – nämlich 42 Prozent.
- Hatten die Eltern schliesslich Informationen über die das – ähnliche, aber gefährlichere – Kawasaki-Syndrom erhalten, so vertrauten nur noch 61 Prozent der Einschätzung des Mediziners. Und eine klare Mehrheit wollte nun eine weitere ärztliche Meinung einholen: Die Quote lag bei 64 Prozent.
Was das für den Alltag bedeutet
Einerseits zeigen diese Daten also etwas durchaus Erwartbares: Eine Online-Bestätigung stützt auch den Arzt – und ein Widerspruch schwächt das Vertrauen in den Mediziner. Klar scheint aber, dass das Vorwissen der Eltern beziehungsweise Patienten im Gespräch zunehmend offen diskutiert werden muss.
«Kinderärzte sollten die Eltern ermutigen, alle ihre Bedenken offenzulegen, damit sie sie durch den Prozess der Differenzialdiagnose führen kann – und erklären kann, weshalb andere Diagnosen ausgeschlossen wurden»,
sagt Studienleiterin Ruth Milanaik (Hofstra Northwell School of Medicine).