Fast zwei Drittel aller jungen Menschen, die ein Medizinstudium aufnehmen, sind in der Schweiz heute weiblich. Und im Arztberuf sind Familienplanung und Teilzeitarbeit für Frauen wichtige Aspekte der Lebensgestaltung.
Spitäler haben jedoch vor allem Interesse an Vollzeit-Ärzten. Dies sagt der Widnauer Hausarzt Roman Würth in einem Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» (Print). Die Folge: Spitäler umwerben die wenigen Mediziner umso mehr.
Bald sind 90 Prozent Frauen
Dadurch werde der Spezialistenberuf im Spital immer attraktiver – der Kampf um Ärzte immer grösser. Würth folgert demnach, dass sich Frauen, die bevorzugt Teilzeit arbeiten, hervorragend als Allgemeinpraktikerinnen eignen würden.
Der Hausarzt, der im Interview für einmal die Praktikersicht in die Debatte bringt, zitiert dazu auch eine Schweizer Studie, laut der bis 2035 rund 90 Prozent der Hausärzte Frauen sein könnten.
Unattraktiv? Stimmt gar nicht
Roman Würth stört sich zudem an der Behauptung, dass Hausarzt-Beruf für junge Mediziner unattraktiv sei: «Diese Aussage ist für uns Ärzte diskriminierend». Es stimme gar nicht, dass kein Interesse bestehe, in einer Allgemeinpraxis zu arbeiten.
Und auch die Gründe wie zu geringer Verdienst oder die hohe Präsenzzeit sind aus Sicht des Arztes aus dem St. Galler Rheintal nicht ausschlaggebend. Vielmehr haben wir einen massiven Ärztemangel: «Es fehlt an Nachwuchs».
Ärzte aus dem Ausland: Zum Glück
Gründe dafür finde man vor allem in der Ausbildung, sagt der Mediziner weiter. Bedingt durch den Numerus clausus bilde die Schweiz viel weniger Ärztinnen und Ärzte aus, als Bedarf vorhanden sei.
Ganz prekär ist Würth zufolge die Situation nur deshalb noch nicht, weil viele in der Schweiz tätige Ärzte aus dem Ausland kommen. «Zum Glück haben wir noch Ärzte, die bei uns arbeiten möchten», so der Hausarzt aus Widnau.