Was bei einem Spitalneubau schief gehen kann

Das neue Bürgerspital in Solothurn präsentiert sich fast fertig eingerichtet. Doch jetzt müssen in sämtlichen Patientenzimmern die Holz-Bodenbeläge ersetzt werden.

, 10. August 2020 um 07:43
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Spitäler investieren landesweit Milliarden in Spitalneubauten. Dass dabei nicht immer alles reibungslos abläuft, zeigt ein aktuelles Beispiel der Solothurner Spitäler. Im Haus 1 des Neubaus im Bürgerspital in Solothurn ist es zu Baumängeln gekommen: Die Bodenbeläge in den Patientenzimmern beginnen sich teilweise von den Unterlagsböden zu lösen.
Festgestellt wurde dieses Problem im Zuge der Abnahmen und Kontrollen. «Ein einwandfreier Spitalbetrieb ist deshalb derzeit leider noch nicht vollständig gewährleistet», schreibt die Solothurner Regierung in einer Mitteilung.
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Heilende Architektur: Der 2-Schicht Riemen-Eichenparkett Natur hat sich verformt. | zVg

Eröffnung verzögert sich erneut 

Die Verantwortlichen haben deshalb entschieden, sämtliche Bodenbeläge in den fast fertig eingerichteten 155 Patientenzimmern zu ersetzen. Dieser Entscheid sei insbesondere aus «Qualitätsgründen, allfälligen Auswirkungen einer späteren Sanierung unter laufendem Betrieb, aber auch aus haftungsrechtlichen Gründen» getroffen worden, heisst es.
Die Behebung der «unerwarteten Probleme» hat jetzt auch Auswirkungen auf den Umzug: Dieser werde nicht wie geplant Ende August 2020 erfolgen, sondern voraussichtlich erst auf Anfang 2021. Die ursprünglich für Mai geplante Eröffnung musste das Spital bereits einmal verschieben - wegen Corona. Der genaue Termin der Inbetriebnahme des 340-Millionen-Neubaus gibt das Spital zu gegebener Zeit bekannt.

Quadratmeter-Preis: 120 Franken

Die Ursache der Panne soll nicht das Holz-Parkett selbst sein, sondern der Unterlagsboden. Dieser sei zum Teil zu weich, weshalb sich der Boden löse. Der Fehler müsse beim Verarbeiten passiert sein, sagt Kantonsbaumeister Guido Keune gegenüber den Medien. Wieviel das Auswechseln der Böden mit einer Fläche von 6'000 Quadratmeter koste und wer das bezahle, sei noch unklar. Der Kanton kläre mit den verantwortlichen Firmen die Garantie-Frage ab. Vor Baubeginn belief sich der Quadratmeterpreis des Parketts gemäss Richtofferte auf rund 120 Franken.  
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