Lange schon gab es Hinweise, dass Nerven für die Heilung eines versehrten Gewebes eine wichtige Rolle spielen. Warum das so ist, war aber unklar. Ein Team um Lukas Sommer, Professor am Anatomischen Institut der Universität Zürich, hat nun eine Antwort gefunden.
Feine Nervenbahnen verändern sich drastisch, wenn sie bei einer Verwundung der Haut mitverletzt werden. So ändern Zellen entlang der verletzten Nervenbahnen, so genannte Gliazellen, ihre ursprüngliche Identität und werden zu Reparaturzellen umprogrammiert.
Reparaturzellen verschliessen Wunde
Die Gliazellen verlieren dabei den Kontakt zu den Nervenbahnen und schwärmen in das Wundbett aus. «Dort schütten sie einen Cocktail verschiedenster Faktoren aus, welche die Wundheilung unterstützen», so Lukas Sommer in einer
Mitteilung.
In Experimenten konnte er nachweisen, dass die Reparaturzellen der Nerven unter anderem für das Verschliessen der Wunde wichtig sind, indem sie den dafür notwendigen Umbau der Lederhaut fördern.
Die Wissenschaftler wollen nun mit Klinikern des Universitätsspitals Zürich die Wundheilungsfaktoren besser charakterisieren, um eines Tages chronische Wunden wirksam behandeln zu können. Die Arbeit entstand im Rahmen des Projekts «Skintegrity» der Hochschulmedizin Zürich.
Vadims Parfejevs, Julien Debbache, Olga Shakhova, Simon Schaefer, Mareen Glausch, Michael Wegner, Ueli Suter, Una Riekstina, Sabine Werner, Lukas Sommer: «Injury-activated glial cells promote wound healing of the adult skin in mice» - in: «Nature Communications», 16. Januar 2018