Empa-Forschende entwickeln selbsthaftende künstliche Hornhaut

Forschende der Empa und der Universität Zürich haben eine künstliche Hornhaut entwickelt, die künftig Spendergewebe ersetzen könnte.

, 15. Oktober 2025 um 04:20
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Empa-Forscherin Hien Le arbeitet an einer künstlichen Hornhaut aus Hydrogel. Bild: Empa.
Forschende der Empa und der Universität Zürich haben eine künstliche Hornhaut entwickelt, die Spendergewebe überflüssig machen könnte. Das transparente Implantat soll sich selbst ans Auge anheften und die Heilung fördern – ganz ohne Naht.
Schäden an der Hornhaut zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für Sehbeeinträchtigungen – bis hin zur Blindheit. Wird die transparente Kornea durch Infektionen oder Verletzungen beschädigt, hilft bisher meist nur eine Transplantation. Doch: Der weltweite Bedarf an Hornhautspenden übersteigt das Angebot bei Weitem.
Ein Team der Empa, der Universität Zürich, des Tierspitals Zürich und der Radboud Universität (Niederlande) arbeitet deshalb an einer künstlichen, transparenten Hornhaut aus dem 3D-Drucker. Sie soll künftig Defekte dauerhaft beheben – ohne Spendergewebe und ohne Risiko einer Abstossung.

Hydrogel als Basis für neue Sicht

Das Empa-Team um Markus Rottmar vom «Biointerfaces»-Labor in St. Gallen setzt auf ein bioverträgliches Hydrogel aus Kollagen und Hyaluronsäure. Dieses Material lässt sich mit Zusatzstoffen kombinieren, um Stabilität und Elastizität optimal zu steuern.
Mit 3D-Extrusions-Bioprinting wollen die Forschenden künftig massgeschneiderte Implantate fertigen, die exakt der individuellen Hornhautwölbung entsprechen. In einem nächsten Schritt soll das Hydrogel mit Stammzellen aus dem Auge besiedelt werden, um die natürliche Regeneration zu fördern.
Ein weiterer Vorteil: Das Implantat ist selbstklebend – Nähte, lange Operationszeiten oder postoperative Komplikationen wie Infektion, Narbenbildung oder Entzündungen könnten somit entfallen.
Private Förderung für Pionierarbeit
Das Projekt wird vollständig durch eine private Stiftung ermöglicht. Der Zukunftsfonds der Empa unterstützt gezielt Forschungsvorhaben, die noch keine institutionelle Förderung erhalten.

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