Universitätsspital Zürich: Sehr hohe Fluktuation in der Pflege

Eine interessante Erklärung dafür: Temporärfirmen. Ein Nachteil scheint auch, dass das USZ nicht in der Lage ist, fünf Ferienwochen anzubieten.

, 9. September 2015 um 11:00
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Im Zürcher Unispital wechselte letztes Jahr jede sechste Person in der Pflege die Stelle: Diese Zahl entdeckte der «Tages-Anzeiger» (Print) im Kommentar der kantonsrätlichen Aufsichtskommission zum Jahresbericht 2014. 
Dies sei «ein sehr hoher Wert», befindet das Gremium. Und es gibt gleich einige Erklärungen dazu ab: Die drei wichtigsten Ursachen seien die Marktsituation, die Anstellungsbedingungen und die immer wieder anfallenden Projekte beim USZ.

Teuer, aber immer noch besser

Insbesondere bei spezialisierten Fachkräften wie dem Intensiv- und Operationspersonal herrsche ein Mangel, was sich in einer höheren Fluktuation niederschlägt. Erwähnt wird auch eine zunehmende Bedeutung von Temporärfirmen, die das Pflegepersonal abwerben und diesem die Möglichkeit eröffnen, die Arbeitszeit individueller zu gestalten. «Die Temporärfirmen "vermieten" die Pflegefachpersonen dann an die Spitäler», so die Analyse der USZ-Überwacher.
Der lakonische Kommentar der von SVP-Kantonsrat Claudio Zanetti geleiteten Kommission: «Das ist für das USZ eine teure Lösung, aber immer noch eine bessere, als wenn der Betrieb stillstehen würde.»

«Austarieren der Sonderwünsche»

Grundsätzlich attestieren die Politiker dem Unispital, dass es viel für das Personal unternimmt. Konkret genannt werden etwa die Kindertagesstätte, Laufbahnplanungen und strukturierte Weiterbildungen. Die Individualisierung der Arbeitszeit sei im USZ auf einem fortschrittlichen Stand, insbesondere im Pflegebereich. «Dies geschieht immer zulasten anderer Mitarbeitender und bedingt ein vorsichtiges Austarieren der Sonderwünsche.»
Erwähnt wird auch, dass der Wunsch nach einer fünften Ferienwoche heute ein wichtiges Thema sei, bei Mitarbeitern wie Bewerbern. Der Anspruch sei verständlich, zumal das Pflegepersonal «sehr belastende Situationen» erlebt, «die viel psychische Widerstandskraft und auch Erholungszeit erfordern.»

«…immer häufiger Absagen von Bewerbenden»

Die Kantonsrats-Kommission verweist aber aufs kantonale Personalrecht – dieses wirkt sich in diesem Fall für einmal als Nachteil aus. «Andere Gesundheitseinrichtungen im Kanton und in der Stadt haben bessere Möglichkeiten, ihr Personal hinsichtlich Lohn, Ferien usw. zufriedenzustellen, was im USZ immer häufiger zu Absagen von Bewerbenden führt.»
Als dritten Punkt erwähnt die Kommission den stetigen Wandel im Haus: Die Pflegenden seien mit diversen Umstellungen und Projekten konfrontiert: «Laufend werden Prozesse angepasst.» Dies führe zu einem Druck, «lieb gewonnene Gewohnheiten loszulassen, sich anzupassen. Diese Bereitschaft, sich dauernd zu verändern, haben nicht alle Mitarbeitenden, was zu Wechseln führen kann.»
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