Umzugspläne von der Waldau in die Insel sind gescheitert

Aus dem Psychiatriezentrum auf dem Areal des Inselspitals wird nichts. Wider Erwarten hat es nun doch keinen Platz für die Universitären Psychiatrischen Dienste.

, 13. April 2022 um 05:21
image
«Auf dem Inselareal fehlt schlicht der nötige Platz»: So begründet Mike Sutter, Sprecher der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Bern, die Kehrtwende bei der bisherigen Planung. Vor knapp drei Jahren kündeten die UPD an, sie würden 150 Betten aufs zentral gelegene Insel-Areal verlegen. Medinside berichtete hier darüber.

Im Lory- und im Anna-Seiler-Haus geplant

Die Pläne waren schon sehr konkret: Die UPD wollten einen Teil ihrer historischen Gebäude in der Waldau am Stadtrand von Bern räumen. Es war auch schon klar, wo auf dem Inselareal das Psychiatriezentrum eingerichtet würde. Nämlich in den beiden denkmalgeschützten Gebäuden des Lory- und das Anna-Seiler-Hauses.
Im Bericht des Kantons hiess es damals: Sowohl Gebäudestruktur wie auch Lage auf dem Inselareal würden sich für den Betrieb eines Psychiatriezentrums eignen. Und: UPD und Insel Gruppe begrüssten eine Erweiterung des Psychiatrischen Universitätsspitals auf dem Inselareal ausdrücklich.

Gebäude auf Waldau-Areal sind «problematisch»

Umso erstaunlicher ist es, dass der Umzug nun doch nicht zustande kommt. «Die Pläne haben sich nach umfangreichen Arbeiten zwischen Insel und der UPD als nicht umsetzbar erwiesen», teilt UPD-Sprecher Mike Sutter der Redaktion von Medinside mit.
Was nun? Der UPD bleibt derzeit nichts anderes übrig, als ihren Hauptstandort in der Waldau auszubauen. «Die Gebäude sind dort jedoch teils ungünstig bis problematisch für einen Psychiatriebetrieb», sagt Sutter. Derzeit läuft ein Wettbewerb für die Neugestaltung des Areals. Sutter sagt: «Bereits weit fortgeschritten in der Planung ist ein Neubau für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.»

Insel betreibt ungeeignete Häuser selber weiter

An den bereits jetzt bestehenden Standorten der UPD auf dem Insel-Areal ändert sich vorerst nichts. Sie befinden sich im Notfallzentrum und an der Murtenstrasse. Das Anna-Seiler- und das Lory-Haus werden weiterhin vom Inselspital genutzt, obwohl die Gebäude gemäss dem Bericht des Regierungsrats für einen Spitalbetrieb nicht geeignet sind.
Die UPD wollten ursprünglich nicht nur wegen ihrer Platzprobleme aufs Insel-Areal umziehen. Sie hatten auch vor, fachlich enger mit der Insel zusammenzuarbeiten. Denn 2016 hatte der bernische Gesundheitsdirektor eine engere Zusammenarbeit zwischen Psychiatriezentren und Spitälern gefordert. Das neue Zentrum hätte  Akutbehandlungen, einen kinder- und jugendpsychiatrischen Notfall sowie Tageskliniken angeboten.

Chef ging nicht wegen gescheiterten Umzugsplänen

Die UPD haben nun nicht nur ihren Ausbaustandort verloren, sondern vor einem Monat hat auch der UPD-Chef Alexandre Schmidt nach nur einem halben Jahr überraschend beschlossen, wieder zu gehen. «Dies aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Entwicklung der UPD und das Tempo der Reformen», wie die UPD und Schmidt damals mitteilten.
Auf Anfrage von Medinside erklärte Mike Sutter, dass Schmidts Kündigung nichts mit den gescheiterten Ausbauplänen zu tun habe. Verwaltungsratspräsident Heinz Hänni verhehlte aber gegenüber der «Berner Zeitung» nicht, dass die UPD unter finanziellem Druck und unter Personalmangel litten. «Die Leistungen im ambulanten Bereich werden nicht genügend entschädigt», erklärte er kürzlich. Vor anderthalb Jahren hat die UPD zwei Aussen-Ambulatorien in Berner Quartieren geschlossen.

Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Weniger Regionalpolitik, mehr Tech: Wie das Spital neu gedacht werden soll

H+ will das Ende von Spitaltraditionen. Mit einer PwC-Studie skizziert der Verband ein Krankenhaussystem, das sich von regionaler Politik und bisheriger Planung verabschiedet – und zehntausende Stellen einspart.

image

Medikamente: Diese fünf Irrtümer müssen alle kennen

Epinephrin statt Ephedrin? Solche Verwechslungen können tödliche Folgen haben. Gut zu wissen, wo die grössten Gefahren lauern.

image

Hohe Fluktuation ist ein Qualitätskiller

Wenn Ärzte und Pflegepersonal häufig wechseln, leidet die Patientenversorgung, und die Mortalität steigt: Dies besagt eine Datenanalyse aus 148 britischen Kliniken.

image

Jede Notfall-Konsultation kostet 460 Franken

Notfallstationen werden immer öfter besucht. Eine Obsan-Studie bietet nun Zahlen dazu. Zum Beispiel: 777'000 Personen begaben sich dreimal in einem Jahr auf den Spital-Notfall.

image

Pharmagelder 2024: Zuwendungen an Schweizer Ärzte steigen leicht

2024 erhielten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften zusammen 262 Millionen Franken – 16 Millionen mehr als im Jahr davor.

image

Ob FaGe, Apotheker, Physio oder Chefärztin: Das verdient man im Gesundheitswesen

Wie steht es um Ihr Gehalt? Hier finden Sie die Standard-Monatslöhne der wichtigsten Berufe in der Gesundheitsbranche.

Vom gleichen Autor

image

«Das Inselspital ist noch lange nicht über den Berg»

Das Inselspital wartete mit guten Meldungen auf. Doch der Insel-Kritiker Heinz Locher gibt keine Entwarnung.

image

So entgehen Sie dem Hochstapler-Syndrom

Viele Ärztinnen und Ärzte überfordern sich – und glauben dann selber, dass sie über ihrem Können spielen. Das ist schlecht für die Psyche.

image

Im Schaufenster stehen vor allem unwirksame Medikamente

Bieler Ärzte schlagen eine neue Etikette für rezeptfreie Arzneimittel vor. Sie soll zeigen, wie verlässlich die Wirksamkeit nachgewiesen worden ist.