Hygiene: Ärzte desinfizieren nur selten ihr Stethoskop

Ärzte erzielten in der Stethoskop-Hygiene zwischen Patienten eine Nullrate – auch nach Interventionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kleinere Studie der US-Universität Yale.

, 20. Juli 2017 um 09:38
image
  • ärzte
  • praxis
  • spital
  • hygiene
  • arbeitswelt
Das Stethoskop ist ein potenzieller Keimschleuder: Dies haben Genfer Forscher des Universitätsspitals (HUG) in einer Studie unlängst herausgefunden. Auf Membran und Schlauch lauern besonders viele Bakterien.
Jetzt liefert eine neue Untersuchung ein Indiz für die schlechte Stethoskop-Hygiene. In einem Qualitätsprojekt stellten Wissenschaftler in US-Veteranenspitälern nämlich eine Nullrate fest.

Intervention brachte nicht viel

Auch nach Aufklärungsmassnahmen wurde keine Verbesserung erzielt, wie aus der im Fachmagazin «American Journal of Infection Control» veröffentlichten Studie hervorgeht.
Erinnerungsplakate, Flyer oder Bereitstellung von Desinfektionsmitteln für die Horchapparate veränderten die Rate von zuvor 0 zu 128 auf 0 zu 41. 

Jürgen L. Holleck, Naseema Merchant, Shin Lin, Shaili Gupta: «Can education influence stethoscope hygiene?», in: «American Journal of Infection Control», Juli 2017. 

Patientensicherheit in Gefahr

Für die Studienautoren ist klar: «Um die Stethoskop-Hygiene besser umzusetzen, müssen Kultur und Gewohnheiten in Spitälern geändert werden». Die Forscher empfehlen zudem das Thema in Händewasch-Initiativen zu integrieren.
Denn das Nicht-Desinfizieren von Stethoskopen könnte laut den Experten ein ernstes Sicherheitsproblem für die Patienten darstellen – ähnlich wie bei der Handhygiene.

Erinnerungen an Semmelweis

Das Thema erinnert auf irgendeine Weise an Ignaz Philipp Semmelweis. Der ungarische Gynäkologe forderte vor über 150 Jahren – gegen erbitterten Widerstand seiner Kollegen –, dass sich Ärzte vor geburtshilflichen Untersuchungen die Hände waschen sollten.
Semmelweis führte unterschiedlich häufiges Auftreten von Kindbettfieber auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Spitalpersonal zurück und bemühte sich, Hygienevorschriften einzuführen. 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Schweizer Assistenzärzte: Viele Ruhetage, aber geringe Work-Life-Balance

Eine Studie zeigt: Im europäischen Vergleich haben Schweizer Assistenzärzte zwar mit am meisten Ruhetage pro Monat – zugleich klagen sie überdurchschnittlich oft über ihre Work-Life-Balance.

image

Medizinstudierende wählen nach Fachattraktivität

Nicht Geld oder Lifestyle entscheiden – sondern die Faszination fürs Fach: Eine aktuelle Studie zeigt, dass Medizinstudierende ihre Berufswahl vor allem nach der Attraktivität des Fachgebiets treffen.

image

Arztstellen bleiben zwei Monate unbesetzt

Mit einem neuen Tool zeigt das Obsan, wie sich die Ärzteschaft im Land entwickelt: mehr Patientenkontakt, mehr offene Stellen – und über 30 Prozent der Grundversorgerpraxen mit Patienten-Stopp.

image

Weniger Regionalpolitik, mehr Tech: Wie das Spital neu gedacht werden soll

H+ will das Ende von Spitaltraditionen. Mit einer PwC-Studie skizziert der Verband ein Krankenhaussystem, das sich von regionaler Politik und bisheriger Planung verabschiedet – und zehntausende Stellen einspart.

image

Spitäler halbieren Verlust – aber zwei Drittel bleiben im Minus

2024 reduzierten die Schweizer Spitäler ihren Verlust – nach 777 Millionen Franken im Vorjahr waren es nun 347 Millionen. Aber immer noch schreiben fast zwei Drittel der öffentlichen Kliniken rote Zahlen. Die Zahl der Ärzte stieg stärker als jene des Pflegepersonals.

image

Zürich: Verbände fordern Lohn-«Nachholrunde»

Die vier kantonalen Spitäler sollen ihren Rückstand mit dem Teuerungsausgleich 2026 wettmachen. Gefordert sind Lohnerhöhungen zwischen 1,8 und 2,4 Prozent.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.