Migros und Zur Rose attackieren im Apothekenmarkt Schweiz

Der Detailhändler will in seinen Filialen Apotheken eröffnen – mit Gastrecht für den Online-Händler Zur Rose. Das Modell soll sich auch auf die Preise auswirken.

, 11. Dezember 2016 um 21:12
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Die grösste Versandapotheke und der grösste Detailhandels-Konzern arbeiten zusammen: Zur Rose eröffnet im Sommer 2017 in einer Berner Migros-Filiale die erste Schweizer Shop-in-Shop-Apotheke. Es wird die erste Apotheke im Land, die sich auf der Verkaufsfläche eines Detailhändlers befindet.
Das heisst: Man kann beim normalen Einkauf gleich auch noch die notwendigen Medikamente erwerben. Und vor allem will Zur Rose den Kunden ein kanalübergreifendes Einkaufen ermöglichen: Wer will, kann die Arzneimittel online bestellen und sie dann in der (Migros-)Filiale abholen. 

Preise um 12 Prozent günstiger

Und zwar gelten für das ganze Sortiment die gleichen Konditionen wie in der Versandapotheke, verspricht der Online-Spezialist aus Frauenfeld; dort – so Zur Rose – seien die Preise im Schnitt um 12 Prozent günstiger als üblich.
«Durch die Verknüpfung von online und stationär treten wir auf die sich verändernden Marktbedürfnisse ein und bieten einen zusätzlichen Service», sagt Walter Oberhänsli, der Gründer und CEO der Zur-Rose-Gruppe.
  • Zur Mitteilung von Zur Rose | Zur Mitteilung der Migros  |
Für den «orangen Riesen» sei das Shop-in-Shop-Konzept ein Novum, so die Mitteilung: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte erlaubt die Migros einem Drittunternehmen die permanente Nutzung ihrer Filialfläche zu Geschäftszwecken.
«Die Migros und Zur Rose verbindet die Vision, sich für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung einzusetzen», sagt MGB-Chef Herbert Bolliger: «Zudem haben beide Unternehmen das Ziel, das beste Preis-Leistungsverhältnis anzubieten.»

Potential: 50 Apotheken

Tatsächlich könnte sich hier ein massiver Druck gegen den klassischen Apothekenhandel anbahnen. Denn der Shop-in-Shop in Bern ist nur ein Pilotversuch. Wie Migros-Präsident Andrea Broggini im Interview mit der «Sonntagszeitung» sagt, werden womöglich in allen grösseren Migros-Filialen solche Zur-Rose-Ableger eröffnet, sofern Bedarf besteht. Das Potenzial werde schweizweit auf etwa fünfzig Apotheken geschätzt.
Die Migros setzt damit ihren mehrfach angekündigten Plan fort, im Gesundheitsbereich zu einem wichtigen Player im Land zu werden. Bekanntlich hält der Detailhandelskonzern seit gut sechs Jahren eine Mehrheit an der Medbase AG, die gut ein Dutzend Standorten eigene Gesundheitszentren betreibt. Medbase wiederum übernahm im Herbst 2015 die Santémed-Gesundheitszentren mit 600 Mitarbeitern und 23 Standorten. Im November meldete das Unternehmen dazu, das Checkup Center in Zürich zu übernehmen – so dass die Migros-Gesundheitstochter mittlerweile knapp 1'000 Personen beschäftigt.

Ins Geschäft per Abhol-Code

Zur Rose wiederum weitete jüngst seine Tätigkeit vom Versand- und Ärztegrossisten-Geschäft in den Publikums-Apothekenbereich aus. Historisch besitzt das Unternehmen bereits eine Offizinapotheke in Steckborn, im Sommer dieses Jahres eröffnete es dann auch eine «Flagship Apotheke» beim Bahnhof Bern – in einem Haus notabene, das im übrigen weitgehend von der Migros genutzt wird.
Und auch dort verbindet Zur Rose das Digital- mit dem Ladengeschäft: Ausserhalb der Öffnungszeiten können vorbestellte Drogerieartikel und Gesundheitsprodukte am von aussen zugänglichen Pick-up-Automaten – mit einem Abholcode – rund um die Uhr bezogen werden. 
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