Kantonsspital und Starchirurg versöhnen sich

Die Entlassung von Javier Fandino war ein Abgang mit Nachhall. Nun haben sich das Kantonsspital Aarau und der Neurochirurg «gütlich geeinigt».

, 8. Juli 2021 um 14:00
image
Im April 2020 teilte das Kantonsspital Aarau (KSA) überraschend mit, dass es die Zusammenarbeit mit Javier Fandino per Ende Oktober 2020 beendet. Warum es zur Trennung mit dem Chefarzt der Neurochirurgie gekommen war, wurde bislang nie vollständig kommuniziert. Die beiden Parteien vereinbarten Stillschweigen. Die Rede war lediglich von unterschiedlichen Auffassungen über Führungsfragen und Kommunikation. 
In der Folge gab es eine Serie mit zahlreichen Vorwürfen von diversen Akteuren. In diesem Zusammenhang eröffnete das Gesundheitsdepartement des Kantons Aargau ein Aufsichtsverfahren gegen den ehemaligen Chefarzt Javier Fandino. Von verschiedenen Seiten wurden aber auch Missstände in der operativen Führung angeprangert, so dass die noch laufende Aufsichtsanzeige auch gegen das KSA gerichtet ist. In der Kritik standen insbesondere CEO Robert Rhiner und der medizinische Direktor Christoph Egger.

Gesundheitsdirektor sprach von «personellen Änderungen»

Seitdem war es ruhig geworden um das Kantonsspital Aarau. Bis vor einem Monat, als das Spital Anfang Juni überraschend die Trennung von Robert Rhiner und Christoph Egger bekannt gegeben hat. Der Entscheid, jetzt in der Spitalführung einen Wechsel vorzunehmen, habe nichts mit dieser Untersuchung zu tun, sagte VR-Präsident Peter Suter der «Aargauer Zeitung». Gemäss Christoph Egger gibt es auch hier ein Verschwiegenheitserklärung. 
Brisant ist in diesem Zusammenhang, dass Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati in einem Interview mit der «NZZ» im September 2020 eine «schonungslose Aufarbeitung» der Vorfälle versprach. Er schrecke auch nicht davor zurück, personelle Änderungen am KSA ins Auge zu fassen, «sollten die Untersuchungen Unzulänglichkeiten in der Führung zutage fördern».

Gab es für das Happy End eine Abfindungszahlung?

Nun scheint sich nach dem Abgang von Rhiner und Egger auch die Sache mit Professor Javier Fandino plötzlich gelegt zu haben. «Im Nachgang zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwischen dem KSA und Prof. Fandino haben sich die Parteien nach konstruktiven Gesprächen gütlich geeinigt», steht seit Mittwoch auf der Webseite des Kantonsspitals zu lesen. 
Worum es bei der Einigung geht, wird aber nicht erwähnt. «Die Parteien werden hierzu keine weiteren Stellungnahmen abgeben», steht in der Mitteilung. Wahrscheinlich handelt es sich um strittige Fragen rund um die Kündigung, die nun aussergerichtlich beigelegt wurden. Meistens erfolgen solche Vergleiche mit einer Leistung beziehungsweise einer zu erbringenden Zahlung – auch Abfindung genannt. 
Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

Medikamente: Diese fünf Irrtümer müssen alle kennen

Epinephrin statt Ephedrin? Solche Verwechslungen können tödliche Folgen haben. Gut zu wissen, wo die grössten Gefahren lauern.

image

Insel-Neurochirurgen übernehmen Praxis

Claudio Pollo und Andreas Nowacki vom Inselspital Bern haben die neurochirurgische Praxis von Adrian Merlo übernommen.

image

Aargau wird zum Hotspot für MedTech Innovationen

Der Health Innovation Hub ist neu als Verein organisiert. Er soll als Testlabor für digitale und medizintechnische Innovationen dienen - getragen von Stadt, Kanton und den Zentrumsspitälern.

image

Hohe Fluktuation ist ein Qualitätskiller

Wenn Ärzte und Pflegepersonal häufig wechseln, leidet die Patientenversorgung, und die Mortalität steigt: Dies besagt eine Datenanalyse aus 148 britischen Kliniken.

image

Jede Notfall-Konsultation kostet 460 Franken

Notfallstationen werden immer öfter besucht. Eine Obsan-Studie bietet nun Zahlen dazu. Zum Beispiel: 777'000 Personen begaben sich dreimal in einem Jahr auf den Spital-Notfall.

image

Pharmagelder 2024: Zuwendungen an Schweizer Ärzte steigen leicht

2024 erhielten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften zusammen 262 Millionen Franken – 16 Millionen mehr als im Jahr davor.

Vom gleichen Autor

image

Arzthaftung: Bundesgericht weist Millionenklage einer Patientin ab

Bei einer Patientin traten nach einer Darmspiegelung unerwartet schwere Komplikationen auf. Das Bundesgericht stellt nun klar: Die Ärztin aus dem Kanton Aargau kann sich auf die «hypothetische Einwilligung» der Patientin berufen.

image

Studie zeigt geringen Einfluss von Wettbewerb auf chirurgische Ergebnisse

Neue Studie aus den USA wirft Fragen auf: Wettbewerb allein garantiert keine besseren Operationsergebnisse.

image

Warum im Medizinstudium viel Empathie verloren geht

Während der Ausbildung nimmt das Einfühlungsvermögen von angehenden Ärztinnen und Ärzten tendenziell ab: Das besagt eine neue Studie.