Jeder zehnte Arzt verschickt unverschlüsselte Patientendaten

Und offenbar haben in den meisten Arztpraxen recht viele Mitarbeiter Zugang zu den Geräten mit Patienten-Informationen

, 7. März 2016 um 08:27
image
  • praxis
  • it
  • patientendossier
Der Umgang vieler Mediziner mit den Patientendaten ist etwas liederlich: Dies die Botschaft eines Artikels im heutigen «Tages-Anzeiger». Der Titel: «Jeder zehnte Arzt verletzt die Schweigepflicht».
Wie das? Die Zeitung befragte 256 Ärzte in der Schweiz – und heraus kam, dass mehr als jeder zehnte (genau: 28 der Antwortenden) Patientendaten auch unverschlüsselt versenden. Damit verletzten sie das Datenschutzgesetz.
Weitere Ergebnisse der Umfrage:

  • In fast der Hälfte der Arztpraxen haben sämtliche Mitarbeiter Zugang zum Computer,
  • bei weiteren 32 Prozent der Praxen haben ausgewählte Mitarbeiter Zugang zu den Patientendaten;
  • nur 16 Prozent der Ärzte sagen, dass einzig sie Zugang zu den Patientendaten hätten.
  • 82 Prozent der Praxen speichern ihre Daten lokal – also auf dem eigenen Computer –, während 9,4 Prozent sie beim IT-Supporter und 1,2 Prozent in einer Cloud-Lösung (wie beispielsweise Dropbox) lagern.

Natürlich ist das ein etwas kleines Sample, aber die Tagi-Autoren verweisen auch auf die Mailadressen der 5500 Ärzte, die im Branchenverzeichnis von Doktor.ch zu finden sind: Dort ist fast jeder vierte Arzt – 24 Prozent – unter einer Gratis-E-Mail-Adresse wie Gmail oder Hotmail zu erreichen. «Dass sie damit verschlüsselt kommunizieren, ist unwahrscheinlich, weil dazu technisches Know-how nötig wäre», so eine Interpretation.

Nur jeder Vierte ist auf HIN

Auf der anderen Seite geben nur 25 Prozent eine Hin-Mailadresse an – also von jenem Gemeinschafts-System von FMH und Ärztekassen, das zum datenschutzkonformen Austausch von elektronischen Informationen gegründet wurde. 
Aber eben: Bekanntlich benützen viele Mediziner ohnehin noch das Faxgerät zum Austausch von Patientendaten – ein Aspekt, der ebenfalls noch zu berücksichtigen wäre.
In der Online-Version fragt das «Tages-Anzeiger»-Newsnetz sein Publikum gleich nach der Meinung: Stört es Sie, dass Patientendaten leicht gehackt werden können?
Von den ersten 500 Antwortenden äusserten doch zwei Drittel Skepsis («Ja, die Daten müssen besser geschützt werden», 62 Prozent), während ein Viertel eher entspannt antwortete («Ich denke nicht, dass sich jemand für meine Patientendaten interessiert», 24 Prozent). Und gut jeder Zehnte äusserte grundsätzlich Vertrauen zum Arzt («Ich vertraue auf den verantwortungsvollen Umgang der Ärzte mit meinen Daten», 13 Prozent).

Was folgt auf den Fax? Eine Online-Veranstaltung zeigt Wege


Dass sich im Gesundheitswesen noch einige Entwicklungsschritte aufdrängen, zeigt ein Webinar, das die Swisscom in dieser Woche veranstaltet.
Thema: Was kommt nach dem Fax? Wie ersetzt man ihn? Denn das Faxgerät ist bekanntlich immer noch sehr gängig im Praxis-Bereich – nur wird es in seiner analogen Form ab 2017 verschwinden.
Was heisst das? Antworten unter anderem von Manuel Grahmann von Medicum Wesemlin und Martin Feller. 


Artikel teilen

Loading

Comment

Mehr zum Thema

image

KSW plant Einsatz von Secondhand-Lizenzen

Um Kosten zu sparen will das Kantonsspital Winterthur gebrauchte Microsoft-Lizenzen beschaffen.

image

Auch die Waadtländer Spitäler setzen auf Epic

Es war kaum anders zu erwarten: Das Universitätsspital Lausanne und elf regionale Kliniken übernehmen das amerikanische Klinikinformationssystem Epic.

image

Ein Oensinger Gesundheitszentrum betreibt den ersten «Medicomat» in der Schweiz

Das Gerät im Vitasphère-Gesundheitszentrum funktioniert wie ein Getränkeautomat. Doch statt Flaschen gibt der Automat rund um die Uhr Medikamente heraus.

image

Zu teuer: KSGR streicht Cloud-Projekt

Das Bündner Kantonsspital wird eines seiner Rechenzentren nicht wie geplant durch die Cloud ersetzen – die Kosten sind zu hoch.

image

18 Schweizer Spitäler spannen einen Cyber-Schutzschirm auf

Es ist eine landesweite Sicherheits-Initiative für Spitäler: Der neue Verein «Healthcare Cyber Security Center» soll Cyber-Angriffe abwehren.

image

Fünf goldene Regeln, wie Ärzte den Patienten Zahlen verständlich machen

Laborwerte, Risiken, Therapieeffekte – viele Aufklärungsgespräche scheitern an medizinischen Zahlen. Doch wie erläutert man, was eine Behandlung bringt? Ein Vorschlag.

Vom gleichen Autor

image

Ein Urteil, das die Temporärarbeit im Gesundheitswesen verändern könnte

Ein Entscheid des Zuger Obergerichts beschäftigt Temporärfirmen: Wer Personal über Pools vermittelt, muss Bereitschaftszeiten vergüten und strengere Formvorschriften einhalten.

image

Spital heilt, Oper glänzt – und beide kosten

Wir vergleichen das Kispi Zürich mit dem Opernhaus Zürich. Geht das? Durchaus. Denn beide haben dieselbe Aufgabe: zu funktionieren, wo Wirtschaftlichkeit an Grenzen stösst.

image

Überarztung: Wer rückfordern will, braucht Beweise

Das Bundesgericht greift in die WZW-Ermittlungsverfahren ein: Ein Grundsatzurteil dürfte die gängigen Prozesse umkrempeln.