In der neuen
«Schweizer Illustrierten» (Print) findet sich ein Gespräch mit
Thierry Carrel – und die Rede kommt dabei auch auf den Lohn des Chefarztes. Erwähnt wird, dass der Inselspital-Kardiologe im Jahr auf etwa 600'000 Franken kommt.
Und Carrel setzt hier ein Fragezeichen: «Obwohl es in unserem Beruf oft um Leben und Tod geht, ist das durchschnittliche Einkommen bedeutend geringer als jenes von Bankern und Wirtschaftsmanagern», stellt er fest. «Ich stelle mir immer wieder die Frage, ob die eine Arbeit tatsächlich so viel mehr wert sein kann als die andere.»
Angebot und Nachfrage?
Die Frage ist gewiss berechtigt – alleine in der UBS arbeiten beispielsweise über 500 Angestellte, so genannte «Key Risk Takers», die deutlich mehr verdienen als jeder Chefarzt Chirurgie im Land. Und wenn man sich die verschiedenen risks der beiden Gruppen ansieht, dann ahnt man, dass andere Faktoren hier eine entscheidende Rolle spielen müssen.
Gegenüber dem
«Blick» erklärte Sonja A. Buholzer, eine Wirtschaftsberaterin, diesen Graben mit dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage: «Das Angebot an jungen, hervorragend ausgebildeten Ärzten und Fachärzten, auch aus dem Ausland, ist anspruchsvoll. Das generiert Wettbewerb und senkt das Lohnniveau. Die Zahl exzellenter Wirtschaftsführer hingegen ist noch immer klein und exklusiv. Im freien Markt treibt dies die Löhne nach oben.»
Oder doch eher: Wie rentabel ist die Institution?
Doch die Sache ist vermutlich schon komplizierter. Zum Beispiel werden die höchsten Gehälter in der Bank- und der Pharmabranche ausbezahlt – in Unternehmen also, die so aufgestellt sind, dass sie enorme Gewinne aus ihrer öffentlichen Position ziehen können. Derweil arbeiten Ärzte in Spitälern, also Institutionen, die traditionell eher wenig rentabel sind.
Thierry Carrel betont allerdings im «Schweizer Illustrierte»-Gespräch, er habe er «den Arztberuf nie wegen der Entlöhnung angestrebt.»
Dabei wurde er auch nach seinen politischen Ambitionen befragt; 2011 hatte der Herzchirurg auf der FDP-Liste in Bern kandidiert. «Never say never», lautet Carrels Antwort jetzt: «Durch meine Nationalratskandidatur 2011 sind manche Politiker und Entscheidungsträger auf mich aufmerksam geworden und fragen mich um meine Meinung.» Die FDP unterstütze er gerne weiter.