Die Kostendämpfung im Schweizer Medikamentenmarkt zeigt Wirkung – zunehmend jedoch zulasten der Innovation. Während Generika und Biosimilars 2025 erneut stark zulegten, wuchsen neue innovative Medikamente unterdurchschnittlich.
Insgesamt erzielte der Schweizer Medikamentensektor 2025 einen Umsatz von 8,1 Milliarden Franken zu Fabrikabgabepreisen, was einem Wachstum von 5,0 Prozent entspricht. Rund 7,1 Milliarden Franken entfielen dabei auf die obligatorische Krankenversicherung. Die Zahlen stammen von IQVIA, das monatlich Verkaufsdaten von Pharmaunternehmen, Grossisten, Ärztelieferanten und Versandapotheken erhebt. Damit fiel das Marktwachstum leicht höher aus als im Vorjahr.
Wie jedes Jahr haben die Verbände
vips und Interpharma die Marktdaten gemeinsam mit IQVIA aufbereitet und analysiert. Die Auswertung zeigt: Die Mengenausweitung wurde weiterhin vor allem durch die demografische Entwicklung und den steigenden Bedarf an medizinischen Leistungen getragen. Gleichzeitig bremsten die vom Bund verfügten Preissenkungen das Wachstum des Gesamtmarktes um 2,4 Prozent.
In Kürze:
- 2025 wurden in der Schweiz Medikamente zu Fabrikabgabepreisen im Wert von 8.1 Milliarden Franken verkauft – knapp 7.1 Milliarden gingen zu Lasten der Krankenkassen.
- Gemäss der Erhebung ist der Schweizer Medikamentenbereich 2025 zu Fabrikabgabepreisen um +5.0 % gewachsen – leicht mehr als im Vorjahr.
- Die demografische Entwicklung und der damit zusammenhängende steigende Bedarf an medizinischen Leistungen sind weiterhin Haupttreiber der Mengenausweitung.
- Gleichzeitig griffen die institutionalisierten Preissenkungen des Bundes und vermochten das Wachstum des Gesamtsektors um -2.4 % zu dämpfen.
Preissenkungen
Seit 2012 ordnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich Preissenkungen bei kassenpflichtigen Medikamenten an. Gemäss Landesindex der Konsumentenpreise sind die Medikamentenpreise 2025 bereits zum 29. Mal in Folge gesunken, zuletzt um ein Prozent. Allein im Rahmen der jüngsten Preisüberprüfung
senkte das BAG die Preise von knapp 300 Arzneimitteln im Durchschnitt um zwölf Prozent.
Damit leistet die Pharmabranche einen weiteren beachtlichen Beitrag zur Dämpfung der Kosten, neben den jährlich wiederkehrenden Einsparungen von 1.6 Milliarden Franken im Rahmen der dreijährlichen Preisüberprüfungen. Diese Entwicklung dürfte sich auch in Zukunft fortsetzen.
Generika und Biosimilars
Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung dieser Massnahmen bei Generika und Biosimilars. Der Generika-Umsatz überschritt 2025 mit 1,12 Milliarden Franken zum zweiten Mal in Folge die Milliardenmarke und wuchs um 6,4 Prozent. Noch dynamischer entwickelten sich Biosimilars, deren Umsatz um 13,7 Prozent zulegte. Die Marktdurchdringung liegt mittlerweile bei 68 Prozent bei Generika und bei 58 Prozent bei Biosimilars.
Dieses überdurchschnittliche Wachstum ging vor allem zulasten der Originalpräparate. Chemisch hergestellte Originale verzeichneten ein Umsatzminus von 1,2 Prozent, Biologika sogar von 7,8 Prozent. «Damit leistet die Pharmabranche einen weiteren beachtlichen Beitrag zur Dämpfung der Kosten, neben den jährlich wiederkehrenden Einsparungen von 1.6 Milliarden Franken im Rahmen der dreijährlichen Preisüberprüfungen», so die Mitteilung der Branchenverbände.
Innovative Medikamente
Deutlich verhaltener entwickelte sich der Markt für neue und innovative Medikamente. Im kassenzulässigen Bereich wuchsen diese 2025 lediglich um 4,6 Prozent und damit klar unter dem Marktdurchschnitt. Gründe dafür sind unter anderem Patentabläufe, befristete Aufnahmen in die Spezialitätenliste, neue Indikationen sowie regulatorische Auflagen des BAG.
René Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma sagt dazu: «Schweizer Medikamentenpreise sind Referenzpreise in den USA geworden». Um den Zugang zu innovativen Medikamenten zu gewährleisten, brauche es «eine Modernisierung des Preisbildungssystems und einen Verzicht auf weitere reine Kostensenkungs-Massnahmen».
Zur Einordnung der Kosten verweist Buholzer auf die Ausgaben für innovative Therapien: «Aktuell gibt jeder Schweizer monatlich 37 Franken für innovative Medikamente aus – das ist dreimal weniger als für Alkohol und Tabak.»
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation
durch internationale Entwicklungen. Ernst Niemack, Geschäftsführer der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (vips), verweist auf das neue US-Referenzpreissystem
Generous, das am 10. November 2025 in Kraft getreten ist. Dieses habe «dramatische Konsequenzen für unser Land». Ohne Gegenmassnahmen kämen Innovationen und neue Medikamente «nicht mehr oder nur stark verzögert auf den Schweizer Markt», da sie sonst den Preis im wichtigsten Absatzmarkt – den USA – drücken würden. «Dies birgt nicht nur Gefahren für Patientinnen und Patienten, die dringend angewiesen sind auf ihre lebensnotwendigen Therapien, sondern schwächt auch den Wirtschafts- und Pharmastandort Schweiz.»