Eine neue US-Studie deutet an, wie sehr Künstliche Intelligenz helfen kann, Erschöpfung und Burnout bei Ärztinnen und Ärzten zu vermeiden – indem sie grosse Teile der Dokumentation übernimmt. Dabei untersuchte ein Team der Yale School of Medicine den Einsatz von Systemen, die Arzt-Patient-Gespräche aufzeichnen und zu fertigen Notizen fürs Patientendossier zusammenfassen.
Das Ergebnis: Innerhalb von 30 Tagen nach Einführung der Technologie sank der Anteil der jener, die Anzeichen von Burnout zeigten, von 52 auf 39 Prozent.
An der Untersuchung beteiligten sich 263 Ärztinnen, Ärzte und Advanced Practice Practitioners.
Diese Teilnehmer berichteten auch mehrheitlich von einer geringeren mentalen Belastung und von einem stärkeren Fokus auf ihre Patientinnen und Patienten. Die Zeit, die man nach den regulären Schichten («after hours») noch für Dokumentation einsetzen musste, sank durchschnittlich um knapp eine Stunde pro Woche.
Hinzu kam, dass die Mediziner tendenziell den Eindruck hatten, bei Bedarf flexibler reagieren und zusätzliche Termine einschieben zu können; die entsprechende Einschätzung stieg um durchschnittlich 0,51 Punkte (auf einer 10-Punkte-Skala).
«Burnout» wurde in der Untersuchung mit einer validierten Einzelfrage aus dem «Mini-Z»-Fragebogen gemessen – einem Kurztool, das das Kriterium «emotionale Erschöpfung» des Maslach Burnout Inventory abbildet. Wer in der Skala mindestens drei von fünf Punkten angab («Ich beginne auszubrennen»), galt als betroffen. Insgesamt sank der durchschnittliche Burnout-Score (auf der 10-Punkte-Skala) von 4,59 auf 4,12.
Die Aussage ist also eher subjektiv. Die Studie war nicht randomisiert, die Daten stammen aus Selbstauskünften: Ursache und Wirkung lassen sich also nicht sicher belegen. Doch die Richtung ist eindeutig: KI-gestützte «Notizhilfen» dürften ein wirksames Mittel gegen die Überlastung im Gesundheitswesen sein.
Oder wie es in der JAMA-Veröffentlichung selbst heisst: «Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI dazu beitragen kann, den Verwaltungsaufwand für Kliniker zu reduzieren und mehr Zeit für sinnvolle Arbeit und berufliches Wohlbefinden zu schaffen.»
Zum Studiendesign:
Es handelte sich um eine Qualitätsverbesserungsstudie (kein randomisiertes, kontrolliertes Design) mit einem «Vorher-nachher-Ansatz» – vor der Einführung des AI-Scribes und 30 Tage danach.
Durchgeführt in sechs Gesundheitssystemen in den USA (akademisch und gemeinde-basiert). Beteiligt waren 263 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte sowie Advanced Practice Practitioners. Sie waren durchschnittlich 15,1 Jahre im Beruf.
Verwendet wurde die Abridge AI–Plattform.