Fall Maisano: Cardioband definitiv versenkt

Das kritische Produkt mit zwiespältiger USZ-Vergangenheit hat keine europäische Zulassung mehr.

, 21. Juli 2024 um 22:33
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Francesco Maisano in einer Präsentation für die Firma Valtech im Jahr 2016  |  Bild/Screenshot: https://www.youtube.com/watch?v=hUp0zWbsHrE
Im Grunde ist es nur noch eine Vollzugsmeldung: Das so genannte Cardioband hat seit neustem keine Zulassung mehr für den europäischen Markt. Dies bestätigte deutsche Prüfgesellschaft Dekra gegenüber dem «Tages-Anzeiger».
Das Implantat war zuvor kaum noch verwendet worden – in Bonn, wo ein früher Promotor des Produkts das Herzzentrum leitet, werde es noch etwa drei- bis fünfmal im Jahr eingesetzt, recherchierte die «Welt» unlängst. In den USA war das Produkt gar nie zugelassen worden.
Das Valtech-Cardioband war von einem Team von Herzspezialisten in Zürich und Mailand entwickelt und ab 2010 im Tierversuch getestet worden – und es steht im Zentrum des Skandals in der Herzchirurgie, welche das USZ bis heute umtreibt. Der Herzklinikchef des Unispitals Zürich ab 2009, Francesco Maisano, war zugleich Mitbesitzer der Firma Valtech, welche das Implantat entwickelte und vermarkten wollte; und die am Ende an den US-Konzern Edwards Lifesciences verkauft wurde, für 340 Millionen Dollar verkauft und mit Aussicht auf weitere Gelder im Erfolgsfall.
Das Cardioband erwies sich als zu anfällig, und vor allem steht inzwischen der Verdacht im Raum, dass Patienten des USZ falsch behandelt wurden, um die Erfindung anfänglich zu promoten. Das Unispital Zürich hat im Mai eine weitere Task Force angekündigt, welche die Todesfälle in der Herzchirurgie von 2016 bis 2020 untersuchen soll.
Dazu zitiert der «Tages-Anzeiger» nun aus jährlichen Studienreports sowie in einem Schlussbericht von 2019 zum Einsatz des Cardiobands am USZ. Danach zeigten sich 30 Tage nach der Einsetzung bei 29 Prozent der Patienten schwere Komplikationen, die auf das Implantat oder die Operation zurückgingen. Nach einem Jahr blieben von den 62 Patienten in der Studie lediglich 26 übrig. Unter anderem starben 11 Personen, 13 weitere hatten sich freiwillig zurückgezogen, 9 davon erhielten in einer weiteren Operation ein anderes Produkt eingesetzt.
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