EPD: Im Notfall nützlich, im Alltag selten genutzt

In der Schweiz wird das elektronische Patientendossier vor allem im Notfall als besonders hilfreich eingeschätzt – sowohl von Gesundheitsfachpersonen als auch von der Bevölkerung.

, 22. April 2025 um 07:18
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Symbolbild/Unsplash
Das elektronische Patientendossier kommt bei der Bevölkerung und bei den Gesundheitsfachpersonen nur bedingt gut an. Wie es in der Doku­men­ta­tion zum «Swiss E-Health Barometer» des Forschungsinstituts Gfs Bern heisst, werde von beiden Gruppen der Nutzen des Dossiers zwar anerkannt. Jedoch hätten Bevölkerung und Fachpersonen auch grosse Vorbehalte.
Laut den Ergebnissen der Befragung wird das EPD von der Bevölkerung weiterhin als sinnvoll gesehen. So findet eine Mehrheit das EPD grundsätzlich eine gute Sache (55%). Jeder 10. sieht das anders. In den vergangenen Jahren sind sowohl die Gruppen der Unterstützerinnen und Unterstützer als auch der Gegnerinnen und Gegner kleiner geworden, heisst es.
Parallel seien die Meinungen zum EPD weitgehend stabil geblieben. Nach wie vor stehe ein Aspekt im Vordergrund: Im Notfall sind mit dem EPD alle wichtigen Informationen jederzeit verfügbar. 82 Prozent stimmen diesem Argument zu. Gleichzeitig zeigte sich eine anhaltende Skepsis gegenüber dem EPD. 56 Prozent befürchten, dass Gesundheitsdaten zu leicht in falsche Hände geraten könnten. Zudem äusserten 54 Prozent die Meinung, dass die Gesund­heits­fach­personen medizinische Informationen auch ohne ein EPD effizient aus­tauschen können.

Nur jeder fünfte Arzt empfiehlt das EPD

Während das EPD von politischer Seite als Fortschritt betrachtet wird, bleibt die Skepsis bei den Praktikern gross. 82 Prozent der Vertreterinnen und Vertreter aus den Kantonen bewerten das EPD als hilfreich. Dem gegenüber stehen nur 46 Prozent der IT-Verantwortlichen in Spitälern und sogar nur 35 Prozent der Ärzteschaft, die das EPD als sinnvoll erachten. Gemäss den Studienautoren gab es einen kontinuierlichen Rückgang der positiven Einschätzung seit 2018.
Die Skepsis zeige sich den Angaben zufolge auch in der Nutzung des EPD. Lediglich 16 Prozent der Ärzteschaft führt ein Dossier für seine Patientinnen und Patienten. Auch wird das EPD nicht gerade aktiv beworben: Nur 21 Prozent der Praxisärztinnen und -ärzte sprechen sich für das EPD aus. Ein Drittel (34%) rät auf Nachfrage nicht davon ab, während 13 Prozent aktiv abraten. Ein Viertel (24%) schweigt zum Thema.

Fachpersonen sehen Vorteile

Im krassen Gegensatz dazu stehen die Aussagen der Gesundheits­fach­personen zu den (möglichen) Vorteilen des EPD. 79 Prozent bewerten die Verfügbarkeit von Patientendaten im Notfall als positiv. Ähnlich viele (75%) sehen das Einsparen unnötiger Abklärungen als Vorteil, weitere 68 Prozent versprechen sich Hilfe beim Vermeiden von Behandlungsfehlern. Darüber hinaus begrüsst eine Mehrheit, dass ihre Patientinnen und Patienten auf alle Behandlungsinformationen zugreifen können (52%). Gleich viele (52%) glauben jedoch, dass der Austausch auch anders möglich wäre.
Den vielen Vorzügen des EPD stehen aus Sicht der Gesundheitsfachpersonen nur wenige Nachteile gegenüber. 47 Prozent befürchten eine Beeinträchtigung der Behandlung und Diagnose. Probleme mit dem Datenschutz sind nur für 45 Prozent ein Grund, vom EPD abzuraten.

Swiss E-Health Barometer

Swiss E-Health-Barometer 2025

Das Forschungsinstitut Gfs Bern hat im Auftrag des Swiss eHealth Forum schweizweit 1419 Gesundheitsfachpersonen aus der Ärzteschaft, IT-Verantwortliche in Spitälern und E-Health-Verantwortliche der Kantone befragt. Ferner wurden 1963 Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz um ihre Meinung zu den Gesundheitsthemen gebeten. Die Ergebnisse sind in einem Bericht zu Gesundheitsfachpersonen und einem zur Bevölkerung wiedergegeben.

  • Dieser Beitrag ist zuerst auf Inside IT unter dem Titel Patientendossier nützt hauptsächlich im Notfall erschienen.

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