Cybersicherheit: Unispital Zürich kooperiert mit Armasuisse

Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse entwickelt eine neue Cyber-Defence-Software. Mit an Bord ist auch das Universitätsspital Zürich (USZ).

, 6. September 2022 um 06:40
image
Die organisationsübergreifende Zusammenarbeit will kritische Infrastrukturen im Gesundheitswesen verteidigen können. | Universitätsspital Zürich
Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse arbeitet neu mit dem Startup «Tune Insight» zusammen, einem Spin-off der ETH Lausanne (EPFL). Die Partner wollen – vor dem Hintergrund der drastisch zunehmenden Zahl der Cyber-Angriffe – dessen Software für den sicheren Austausch von Bedrohungsdaten testen. Durch eine umfassenden Datenbasis können die Muster neuer Vorfälle ermittelt und modernste Modelle für die Voraussage und Aufdeckung solcher Ereignisse trainiert werden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht.
Armasuisse entwickelt und erprobt diese neue Software-Lösung gemeinsam mit «Tune Insight», dem Universitätsspital Zürich (USZ) und anderen kritischen Infrastrukturen im Gesundheitswesen, wie in der Mitteilung weiter zu lesen steht. Ziel der organisationsübergreifenden Zusammenarbeit sei es, dass sich Organisationen in der Schweiz, wie zum Beispiel kritische Infrastrukturen im Gesundheitswesen oder in anderen Bereichen, gemeinsam besser gegen Cyber-Angriffe verteidigen können.

Kritische Informationen: Startup will «Trittbrettfahrer-Problem» lösen

Die derzeitigen Bestrebungen zum Austausch von Bedrohungsdaten (zum Beispiel die Malware Information Sharing Platform, MISP oder OpenCTI) basieren auf einer zentralen (replizierten) Datenbank, über die alle teilnehmenden Einrichtungen ihre Bedrohungsdaten austauschen müssen.
Informationen zur Cybersicherheit sind hochsensibel und vertraulich. Dies führt zu einem Spannungsverhältnis zwischen den Vorteilen einer verbesserten Reaktionsfähigkeit auf Bedrohungen und den Nachteilen einer Weitergabe kritischer Informationen an Dritte. Die Software des Lausanner Startups will dieses «Trittbrettfahrer-Problem» lösen und den Beteiligten ermöglichen, selbst kritische und wertvolle Cybersicherheits-Informationen gemeinsam zu nutzen, ohne einander Details übermitteln oder offenlegen zu müssen.

GDK-Liste mit Empfehlungen zur Cybersicherheit

Bezüglich Reifegrad der Cybersicherheit als auch bezüglich der Bedrohung gibt es grosse Unterschiede zwischen den Branchen. Im Gesundheitsbereich häufen sich Berichte über gravierende Sicherheitsmängel. So haben beispielsweise die Erpressung von Westschweizer Arztpraxen durch den Diebstahl sensitiver, persönlicher Gesundheitsdaten zehntausender Patienntinnen und Patienten jüngst grosse Wellen geschlagen. Ein weiterer besorgniserregender Fall ist das Debakel rund um das Portal «Meine Impfungen». Und auch durch den Einsatz von automatisierten Entscheidungssystemen (ADM, oftmals basierend auf Methoden des maschinellen Lernens) eröffnet sich ein weiteres Cyber-Sicherheitsfeld.
Vor diesem Hintergrund hat der Bund unter der Leitung des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) sektorspezifische IKT-Minimalstandards entwickelt. Im Gesundheitssektor hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren (GDK) gemeinsam mit dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) eine Liste mit Cybersicherheitsempfehlungen für alle Leistungserbringenden erstellt.

  • cybersicherheit
  • universitätsspital zürich
  • spital
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Jede Notfall-Konsultation kostet 460 Franken

Notfallstationen werden immer öfter besucht. Eine Obsan-Studie bietet nun Zahlen dazu. Zum Beispiel: 777'000 Personen begaben sich dreimal in einem Jahr auf den Spital-Notfall.

image

Pharmagelder 2024: Zuwendungen an Schweizer Ärzte steigen leicht

2024 erhielten Ärzte, Spitäler und Fachgesellschaften zusammen 262 Millionen Franken – 16 Millionen mehr als im Jahr davor.

image

Ob FaGe, Apotheker, Physio oder Chefärztin: Das verdient man im Gesundheitswesen

Wie steht es um Ihr Gehalt? Hier finden Sie die Standard-Monatslöhne der wichtigsten Berufe in der Gesundheitsbranche.

image

Die 10-Prozent-Illusion der Schweizer Spitäler

Eine Betriebsrendite von zehn Prozent galt lange als Überlebens-Formel für Akutspitäler. Womöglich ist dieser Richtwert zu tief. Die Beratungsfirma PwC fordert mehr Effizienz – die Spitäler höhere Tarife.

image

Universitätsmedizin bleibt Männersache – trotz Lippenbekenntnissen

In der Westschweiz liegt der Frauenanteil in Top-Arztpositionen höher als in der Deutschschweiz. Eine neue Auswertung der Universitätsspitäler zeigt regionale Unterschiede – und ein nach wie vor tiefes Gesamtniveau bei den Spitzenpositionen.

image

Auf dem richtigen Weg

Der Markt für Krankenhaus-Informationssysteme (KIS) befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Die aktuellen Trends und Herausforderungen der Branche sowie die Erwartungen der Kliniken beleuchtet Dirk Müller, Director Product Management CIS4U bei Dedalus HealthCare.

Vom gleichen Autor

image

Kantonsspital Glarus verliert GL-Mitglied

Thomas Kühnis, Chef der Finanzen, Informatik und Betriebe, verlässt nach neun Jahren die Geschäftsleitung des Kantonsspitals Glarus.

image

Neue Ärzte-Tarife auf dem Weg zur Genehmigung

Die Tarifpartner beantragen wie geplant die Genehmigung eines Tarifsystems aus ambulanten Pauschalen und Tardoc.

image

Schatten über dem Verkauf des Spitals Flawil

Wurden beim Verkauf des Spitals Flawil die Vertragspartner getäuscht? Mehrere Kantonsparlamentarier verlangen Antworten von der St.Galler Regierung.