Das sind die 20 teuersten Medikamente der Schweiz

Neue Medikamente werden häufig zu Umsatzrennern. Curafutura nennt die 20 Medikamente, die zusammen jährlich 1,7 Milliarden Franken kosten.

, 16. November 2022 um 14:19
image

In der Schweiz zahlen die Krankenkassen pro Jahr 8 Milliarden Franken für Medikamente. Ein Fünftel davon, nämlich 1,7 Milliarden, kostet eine kleine Gruppe von sehr teuren, meist neuen Mitteln. Der Krankenkassenverband Curafutura hat die Zahlen zusammengetragen und kritisiert insbesondere einen Punkt: Nämlich, dass 7 der 20 teuersten Medikamente auf einem intransparenten Preismodell basieren.

Immer mehr geheime Preise

Das heisst, dass nur der veröffentlichte «Schaufensterpreis» bekannt ist. Wie viel Rabatt die Behörden mit den Herstellern ausgehandelt haben, bleibt geheim. Solche «Preismodelle» will der Bundesrat künftig noch ausbauen. Curafutura will mit seinen Zahlen jedoch beweisen, dass die Geheim-Preise die Kosten nicht dämpfen, sondern noch zusätzlich ankurbeln.
So hat sich der Umsatz von Trikafta, einem Medikament gegen die seltene Krankheit cystische Fybrose, innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht (+215 Prozent), von 23 Millionen auf 73 Millionen Franken. Derzeit kostet eine Behandlung in der Schweiz rund 253’000 Franken pro Patient und pro Jahr.

image
Die anderen sechs Medikamenten mit dem angeprangerten Preismodell sind Keytruda (Lungenkarzinom, Melanom), Darzalex (Knochenmarkkrebs), Ocrevus (Multiple Sklerose), Opdivo (diverse Krebserkrankungen), Xtandi (Prostatakarzinom) und Vyndaqel (Psoriasis). Diese Medikamente sind in der Liste der 20 teuersten Medikamente mit Farbe markiert.

Eigenes Preismodell

Curafutura nimmt diese Analyse zum Anlass, das eigene bevorzugte Preismodell zu propagieren. Der Urner FDP-Ständerat Josef Dittli, der seit 2018 Präsident von Curafutura ist, hat das so genannte «Budget-Impact Modell» lanciert. Es wurde 2020 vom Parlament angenommen.
Mit diesem Modell hätten allein beim teuersten Medikament Eylea 174 Millionen Franken eingespart werden können, wenn es zwischen 2014 und 2021 angewendet worden wäre, rechnet Curafutura vor.

Pharma und Kassen machen Halbe-Halbe

Das Modell sieht vor, dass der Umsatzzuwachs aufgeteilt wird: Die Hälfte bliebe bei der Pharmafirma, die andere Hälfte käme den Prämienzahlenden zugute, indem der Preis des Medikamentes reduziert würde. Curufutura findet es unverständlich, dass das Modell bis heute nicht eingeführt worden ist.
  • versicherer
  • curafutura
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image
Gastbeitrag von Beat Walti

Für eine echt freie Spitalwahl – auch für die Zusatzversicherten

Regelmässig bleibt es Zusatzversicherten versagt, sich in allen Spitälern behandeln lassen – trotz einer Police, die dies suggeriert. Doch es gäbe Möglichkeiten, damit man auch in fortgeschrittenem Alter den Versicherer wechseln kann.

image

Helsana-Präsident Thomas D. Szucs tritt in einem Jahr zurück

Dann wird er insgesamt 15 Jahre an der Spitze der grössten Schweizer Krankenversicherung gewesen sein.

image

«Kein Mensch will Rationierungen»

Für Santésuisse-Präsident Martin Landolt würde die Kostenbremse-Initiative nicht zu Qualitätsverlust führen. Solange die Bundespolitik ihre Hausaufgaben macht.

image

«Die Spitäler sind selber schuld»

Santésuisse-Präsident Martin Landolt über defizitäre Spitäler, den Tardoc-Streit, ambulante Pauschalen und unnatürliche Kooperationen.

image

KPT will nur noch einen Krankenkassenverband

Nach ihrem Austritt aus Curafutura will die KPT nicht zur Konkurrenz Santésuisse. Sondern einen einzigen Verband.

image

Hirslanden einigt sich mit der CSS – diese zahlt wieder

Die Hirslanden-Gruppe und die Krankenkasse CSS haben sich auf neue Tarife für Halbprivat- und Privatversicherte geeinigt.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.