Frage: Wie kann man Ärzte entlasten, die in Sekundenschnelle lebenswichtige Entscheidungen treffen müssen?
Antwort: Künstliche Intelligenz könnte definitiv entscheidende Vorteile bieten in den Notfallstationen und Schockräumen der Spitäler.
Das deutsche Fraunhofer-Forschungsinstitut hat nun zwei konkrete Anwendungen vorgestellt: Sie zeigen, wie trainierte Computermodelle (Foundation Modelle) und Sprach-KI (analog ChatGPT) bei der Schwerverletztenversorgung in der Notaufnahme eingesetzt werden können, um die Notfallteams zu entlasten.
Dialekte? Kann er auch.
Die Programme namens «TraumAgent» und den «FormAssistant» sollen dereinst die Informationserfassung und -dokumentation erleichtern. Es geht zum Beispiel darum, dass die KI wichtige Informationen der Gespräche in der Notaufnahme über Mikrofone automatisch erfasst, auswertet und weiterverarbeitet.
Denn gerade hier liegt ein heikler Punkt: Viele entscheidende Informationen werden im Notfall in hohem Tempo über gesprochene Sprache kommuniziert. Hier setzt der «TraumAgent» des deutschen Instituts an: Der Prototyps wandelt die Sätze in übersichtliche Darstellungen um – ersichtlich per Live-Anzeige.
Der «Info Screen» zur Anzeige von Behandlungsinformationen im Schockraum. Diese werden vom KI-Sprach-Agenten aus den Transkripten selbstständig extrahiert und so in der Anzeige dargestellt. Bild: Henri Iser / Fraunhofer IAIS
Auf einem Bildschirm zeigt das System die Prozessschritte an und erkennt die ärztlichen Massnahmen, die durchgeführt wurden.
Vor allem: Der Agent kann zugleich selbstständig Informationen suchen und für das Behandlungsteam aufbereiten. Die Künstliche Intelligenz bietet damit Entscheidungshilfen und sammelt zugleich automatisch Informationen – die damit auch nicht verloren gehen.
Ein zweites Programm, der «FormAssistant» hilft beim automatischen Ausfüllen des Erhebungs- beziehungsweise Traumaregister-Bogens. Es ist also ein LLM-Agent, der an dieser Stelle das medizinische Personal bei der Administration unterstützt.
Laut Angaben des Fraunhofer-Projektteams bietet der «TraumAgent» gegenüber bisherigen Verfahren wesentlich bessere Ergebnisse. Denn der Prototyp liefert nicht nur Informationen, sondern könne auch Fehlinformationen korrigieren, indem er auf Quelldaten und Referenzen verweist.
Zugleich könne das Spracherkennungssystem mit Hintergrundgeräuschen im Schockraum sowie Dialekten, Akzenten und Versprechern des Krankenhauspersonals «sehr gut umgehen».
Die Umsetzung der KI-Anwendungen werde dereinst mithilfe einer Integration auf Cloud-Plattformen möglich sein.