Bemerkenswerte Fortschritte bei Schlaganfall

Ein Forschungsteam aus Zürich und Bern hat über 1,4 Millionen Spitalaufenthalte ausgewertet: Danach sank die Zahl der Todesfälle und Behinderungen wegen Hirnschlägen in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich.

, 27. Oktober 2025 um 14:33
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Einsatz in der «Stroke Unit» des Neuenburger Kantonsspitals  | Bild: RHNe
Wenige Tage vor dem Welttag zur Bekämpfung von Schlaganfällen setzt eine neue Studie eines Teams der Universitäten Zürich und Bern ein positives Signal: Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, haben heute eine doppelt so hohe Überlebenschance wie noch vor 20 Jahren.
Von 2004 bis 2017 hat sich die Sterblichkeitsrate infolge eines Hirnschlags halbiert. Konkret sank der Wert
  • von 77,5 auf 38,5 Todesfälle pro 100'000 Einwohner bei Frauen;
  • von 56,1 auf 27,2 Todesfälle pro 100'000 Einwohner bei Männern.
Auch die Letalitätsrate – der Anteil der Todesfälle unter den Personen, die einen Schlaganfall erlitten haben – halbierte sich im gleichen Zeitraum, nämlich von 22,7 auf 10,5 Prozent.
Die Fortschritte zeigen sich nicht nur in einer tieferen Anzahl von Todesfällen, sondern auch in einer beträchtlichen Anzahl von vermiedenen Behinderungen. Die Studie, die mehr als 1,4 Millionen Spitalaufenthalte erfasste, unterstreicht somit die direkte Auswirkung von Fortschritten bei der Behandlung auf die Lebensqualität der Patienten.
Die Autoren weisen allerdings auch auf methodische Einschränkungen hin: Es war nicht möglich, zwischen ersten und erneuten Schlaganfällen zu unterscheiden, und es konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob jeder Todesfall durch einen Schlaganfall verursacht wurde oder lediglich mit einem Schlaganfall in Verbindung gebracht wurde. Diese Einschränkungen könnten dazu führen, dass die berechneten Letalitätsraten leicht überschätzt werden.

Ein «Return on Investment»

Doch die Lage scheint eindeutig besser. Dies kann laut dem Team auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden:
  • Bessere Diagnostik: Die Zahl der diagnostizierten Schlaganfälle hat sich von rund 14'000 Fällen im Jahr 2004 auf über 26'000 Fälle im Jahr 2017 fast verdoppelt;
  • Stroke Units: Die Entstehung von spezialisierten Einheiten und Zentren mit standardisierten und koordinierten Behandlungen.
In der Schweiz gibt es heute 21 zertifizierte Stroke Units oder Stroke-Zentren, davon 7 in der Romandie und eines im Tessin.
Auch die allgemeine Sensibilisierung der Bevölkerung habe dazu geführt, dass immer mehr Betroffene rasch behandelt werden.
«Dank der enormen Fortschritte in der Akutbehandlung können wir immer mehr Betroffene vor einer schweren Behinderung oder gar dem Tod bewahren», sagt Studienautorin Susanne Wegener; sie ist Leitende Ärztin an der Klinik für Neurologie des Universitätsspital Zürich.
Dennoch: Die Schweizerische Herzstiftung erinnert nun daran, dass mehr als die Hälfte aller Hirnschläge vermeidbar wären – etwa durch einen gesunden Lebensstil und eine optimale Prävention der Risikofaktoren. «Jeder kann selbst etwas tun», sagt Marcel Arnold; er ist Vizepräsident der Herzstiftung und leitet das Stroke Center des Inselspitals Bern. «Wer seine Risikofaktoren kennt und auf Warnzeichen wie plötzliche Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen achtet, kann im Ernstfall rechtzeitig reagieren - und Leben retten.»
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