Alterswohnsitz Bürgerspital pflegt Senioren für einen «Augenblick»

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen integriert eine Tages- und Nachtbetreuung in das bestehende Angebot. Es soll Angehörige entlasten – doch wer bezahlt?

, 19. September 2022, 14:53
image
Während ihres Aufenthaltes in der Tages- und Nachtbetreuung «Augenblick» werden Gäste mit körperlicher oder kognitiven Beeinträchtigungen durch ein interprofessionelles Team des Alterswohnsitzes Bürgerspital betreut. | zvg
Ab dem 1. Oktober hat der Alterswohnsitz Bürgerspital der Ortsbürgergemeinde St.Gallen ein Angebot für Menschen mit erhöhtem Pflege- und Betreuungsbedarf. Dabei handelt es sich um eine Tages- und Nachtbetreuung unter dem Namen «Augenblick», die St.Gallerinnen und St.Gallern regelmässig oder situativ einzelne oder mehrere Tage sowie Nächte im wohnlichen Umfeld des Alterswohnsitzes Bürgerspital ermöglicht. «Augenblick» ist ein Teil der «geschützten» Pflegeheimabteilung. Gäste mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen werden durch ein interprofessionelles Team bestehend aus Pflegefachpersonen, Aktivierungs- und Physiotherapeuten betreut.

Pflegepersonal: Keine Aufstockung

«Bei unserem Angebot handelt es sich um eine Integration in unsere bereits bestehenden Strukturen, erklärt Kerstin Bilinski, Pflegeleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung gegenüber Medinside. «Um unser Angebot sicherzustellen, haben wir das Aktvierungsteam erweitert. Unser bestehendes Pflegeteam stellt die medizinischen und pflegerischen Belange sicher», antwortet sie auf die Frage hinsichtlich des notwendigen Personals.
Jedem Gast werde zu Beginn eine Bezugspflegeperson (Pflegefachperson) zugewiesen. Diese sei verantwortlich für die Steuerung des Pflegeprozesses. «Die Bezugspflegende koordiniert und organisiert die Pflege und Betreuung im interprofessionellen Team.»
Für das Angebot steht die gesamte Infrastruktur des Pflegeheims Parterre, inklusive geschützter Garten, zur Verfügung. «Ein geräumiges Pflegezimmer mit Platz für vier Betten und integrierter Nasszelle ist ausschliesslich für unsere Tagesgäste reserviert.»

Wer bezahlt die Kosten?

Bei der Tages- und Nachtbetreuung geht es jedoch nicht ausschliesslich um die pflegebedürftigen Menschen: Die Zahl der Menschen mit dementieller Erkrankung nimmt aufgrund des demografischen Wandels stetig zu; viele werden heute in häuslicher Umgebung versorgt.
Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist in vielen Fällen für die Angehörigen höchst anspruchsvoll und teilweise sehr belastend. «Durch die Tages- und Nachtbetreuung können pflegende Angehörige für einige Stunden oder sogar Tage entlastet werden.»
Bei allen Tagesgästen wird mithilfe des behördlich anerkannten Bedarfsabklärungsinstruments «Rai Day/Night» (Resident Assessment Instrument) die Pflegebedarfsstufe ermittelt. «Sie wird alle sechs Monate sowie bei wesentlichen Veränderungen wiederholt», so Bilinski, die Expertin auf diesem Gebiet ist. Das Ermittlungsresultat werde vom Arzt unterzeichnet und gelte als Verordnung. «Die Pflegekosten werden der Krankenkasse vom Alterswohnsitz Bürgerspital direkt in Rechnung gestellt.»

Lesen Sie zum Thema:

Demenz: Alle 16 Minuten kommt ein neues Opfer hinzu

  • pflege
  • altersmedizin
  • st. gallen
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Reka will Mitarbeitende zu Pflegehelfern ausbilden

Im Rahmen einer neuen Zusammenarbeit plant die Ferienanbieterin, Mitarbeitende mit Kursen zu Pflegehelfern zu befähigen.

image

Private Spitex-Firmen kämpfen gegen «Heimatschutz»

Sie seien keine Rosinenpicker, wehren sich private Spitex-Unternehmen. Sie möchten gleichbehandelt werden wie die öffentliche Spitex.

image

Hier arbeiten Medizin- und Pflegestudierende zusammen

An der Höheren Fachschule Gesundheit und Soziales in Aarau bereiten sich ETH-Medizin- und HFGS-Pflegestudierende gemeinsam auf die komplexen Herausforderungen im Gesundheitswesen vor. Das geht so.

image

Zurzach-Care hat nun eine Direktorin Pflege und Therapie

Monique Arts wird die erste Direktorin Pflege und Therapie bei der Reha-Betreiberin Zurzach-Care. Die Stelle ist neu geschaffen worden.

image

Frankreich will bei Gesundheit mit Schweiz zusammenarbeiten

Eine französische Pflegefachfrau kann in der Schweiz umgerechnet auf ein Direktorengehalt in Frankreich kommen. Nun will Frankreich Änderungen.

image

«Jagd nach italienischen Krankenschwestern»

Italiens Pflegepersonal arbeitet lieber in der Schweiz – wegen der höheren Löhne. Neue Einkommenssteuern könnten den Exodus eindämmen.

Vom gleichen Autor

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Luks: Das sind die neuen Chefärzte der Radiologie und Nuklearmedizin

Das Luzerner Kantonsspital organisiert die Abteilung Radiologie und Nuklearmedizin neu. Zu Chefärzten ernannt wurden Thomas Treumann und Andreas Falk.

image

Föderation der Schweizer Psychologen erhebt beim BAG Beschwerde gegen Santésuisse

Grund für die Beschwerde: Der Krankenkassenverband weigert sich, die Leistungen von Psychotherapeuten in Weiterbildung zu übernehmen. Das gefährde den Beruf.