Warum die Umsetzung der Pflegeinitiative Jahre dauert

Der Pflege-Fachkräftemangel bleibt trotz Volksentscheid ungelöst. Denn die Umsetzung der Pflegeinitiative zieht sich in die Länge.

, 4. Dezember 2023 um 08:13
image
Geduld am Ende: Pflegekräfte warten weiter auf Verbesserungen trotz Zustimmung zur Pflegeinitiative. | Screenshot SRF
Vor zwei Jahren hat das Volk die Pflegeinitiative angenommen. In der Hoffnung, die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen zu verbessern. Trotz des positiven Entscheids an der Urne ist die Initiative bis heute nicht umgesetzt worden. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen hält an oder hat sich vielerorts sogar noch verschärft.
Viele Pflegende, darunter auch Martin Venetz, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Interessengemeinschaft für Anästhesiepflege, sind enttäuscht und frustriert. Mehr noch: Venetz sagt gegenüber SRF, dass viele in seinem Umfeld nicht mehr an eine konsequente Umsetzung der Initiative glauben.

«Es wird noch Jahre dauern»

Der Politologe Marc Bühlmann erklärt die Verzögerung mit den naturgemäss längeren Wegen im politischen System. Eine Initiative sei nur ein Anstoss, und es brauche eine «gesetzgeberische Konkretisierung» durch das Parlament, gefolgt von neuen Kompromissen, um die Idee umzusetzen.
Die Geschwindigkeit der Umsetzung hänge auch davon ab, wie praktikabel das Anliegen sei und ob es starke Gegner der Initiative gebe. Laut Bühlmann gibt es keinen festen Zeitplan für die Umsetzung von Initiativen und es kann lange dauern, bis neue Koalitionen und Allianzen gefunden werden.

Genaue Prognose sei schwierig

Bühlmann, Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern, erklärt gegenüber SRF weiter, dass Anliegen mit einem Gegenvorschlag schneller umgesetzt werden könnten. Die Pflegeinitiative befindet sich derzeit in der Vernehmlassung, wobei stark auf einen indirekten Gegenvorschlag gesetzt wird.
Eine genaue Prognose über die Dauer der Umsetzung der Pflegeinitiative ist Bühlmann zufolge aber schwierig, die breite Unterstützung in der Bevölkerung und bei fast allen politischen Parteien lasse aber wenig Widerstand erwarten. Dennoch werde die Umsetzung einige Zeit in Anspruch nehmen, da nicht nur das Gesetz, sondern auch die Kantone und andere Akteure sich daran halten müssten. Man rechne mit einigen Jahren.
  • pflege
  • pflegeinitiative
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

«Heldin»: Die Pflege kommt ins grosse Kino

Ein Schweizer Spielfilm schildert die Kämpfe einer Pflegefachfrau in einer unterbesetzten Station.

image

Felix Platter: Da schaut die KI, was die Patienten essen

Ein «Foodscanner» liefert in Basel automatisiert Daten für die Ernährungsmedizin.

image

Pflege: Je jünger, desto ausstiegswilliger

In Deutschland liebäugelte fast ein Drittel der jungen Pflegefachleute im letzten Jahr mit einem Berufswechsel. Aber ist das so schlimm?

image

Angebote der Rehaklinik Seewis

Die Rehaklinik Seewis hat sich auf kardiologische, psychiatrisch-psychosomatische und internistisch-onkologische Rehabilitation sowie Prävention spezialisiert. Dieser Artikel stellt die Situation für Patientinnen und Patienten beim Eintritt sowie die Angebote der Rehaklinik vor.

image

Deutschland: Nach Corona gab es keine Kündigungswelle in der Pflege

Im Covid-Stress bekundeten viele Pflegefachleute, dass sie den Beruf wechseln wollen. Aber nichts da.

image

Pflegepersonal spürt weniger Druck – hat aber mehr Arbeit

Der neue «Spitalpflegereport Schweiz» besagt: Das Personal fühlt sich weniger gestresst. Aber es hat mehr Überstunden.

Vom gleichen Autor

image

Arzneimittelpreise: Einheitlicher Vertriebsanteil ab 2024

Um die Abgabe von preisgünstigeren Arzneimitteln zu fördern, wird neu der Vertriebsanteil angepasst.

image

Thurgau investiert Millionen in Kinder- und Jugendpsychiatrie

Der Kanton Thurgau stärkt die stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung junger Menschen: Durch Erhöhung der Anzahl Betten und Therapieplätze.

image

Spital Wallis: Nun muss ein Experte über die Bücher

Auch das Spital Wallis steht vor grossen Investitionen. Doch für die Mehrkosten von über 123 Millionen Franken fehlt derzeit das Geld. Eine Analyse soll nun Massnahmen aufzeigen.