Wie wirksam ist der erste Malaria-Impfstoff?

Behörden entscheiden demnächst über die Zulassung der weltweit ersten Impfung gegen Malaria. Von den einst hohen Erwartungen ist nicht mehr viel übrig geblieben.

, 14. Juli 2015, 15:23
image
  • forschung
  • malaria
  • impfstoff
Eine Impfung gegen Malaria wäre ein Meilenstein in der Medizingeschichte. Sie könnte einer Krankheit Einhalt gebieten, die jährlich über 200 Millionen Menschen betrifft und über 600'000 Menschenleben fordert. Kein Wunder, wird sie von Microsoft-Gründer Bill Gates und seiner Stiftung gefördert. Das erste Präparat, das es auf den Markt schaffen dürfte, heisst Mosquirix und wurde vom britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline entwickelt. Während sich die Zulassungs- und Gesundheitsbehörden derzeit über das Dossier beugen, hält sich in Fachkreisen die Begeisterung über die erste Malaria-Impfung in Grenzen.
Es wird befürchtet, dass durch die Einführung mehr Probleme geschaffen werden als Lösungen, eventuell sogar nicht nur in Bezug auf Malaria, sondern für Impfstoffe generell. «Es ist eine sehr komplizierte Impfung, vermutlich wird die Empfehlung ebenso kompliziert», sagt Seth Berkeley, Chefin der GAVI The Vaccine Alliance, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters

Mässiger Schutz

Das Problem mit Mosquirix ist, dass es zwar die beste Malaria-Impfung ist, aber dennoch nicht sehr gut wirkt. Im Gegensatz zu anderen Impfstoffen bietet Mosquirix nur einen teilweisen Schutz von 30 Prozent oder weniger, und sogar dieser lässt mit den Jahren nach. Vor allem bei Säuglingen ist die Wirkung schwächer als bei älteren Kindern. Auch die Dosierung birgt Schwierigkeiten. Um zu wirken, müssten den Kindern hohe Dosen verabreicht werden - vier Dosen innerhalb von 18 Monaten. Falls die Impfung zu wenig gut wirkt, könnten auch andere Impfstoffe wie Masern oder Polio vermehrt angezweifelt werden, wird befürchtet. 
Mosquirix stimuliert eine Immunantwort gegen den Parasit, der nach dem Stich in die Blutbahn eintritt. So können die Parasiten im Idealfall gleich nach dem Mückenstich eliminiert werden, noch bevor sie die Leber erreichen.  

Zulassungsentscheid bald erwartet

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will bis Ende 2015 eine Empfehlung über die Verwendung von Mosquirix abgeben. Ein WHO-Spezialist sagt gegenüber Reuters, die Vakzine sei nur ein Mittel unter mehreren zur Bekämpfung von Malaria. Die Zulassungsbehörden, die sich derzeit über die Dossiers beugen, sollten schon früher zu einem Schluss kommen. Entscheide über die Zulassung werden in den nächsten Wochen erwartet. Es wird damit gerechnet, dass Mosquirix die Zulassung erhalten wird, allerdings nur mit Auflagen. Über den Preis der Impfung ist noch nichts bekannt. Nach Recherchen von Reuters dürfte er rund 5 US-Dollar pro Dosis betragen.

  • Mosquirix / Wikipedia (englisch)

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Zürcher Forschende entdecken neues Virus in Schweizer Zecken

Erstmals wurde der Erreger in China nachgewiesen. Nun ist das sogenannte Alongshan-Virus in der Schweiz aufgetaucht. Ein Diagnosetest ist in Erarbeitung.

image

Das sind die «Young Talents» der klinischen Forschung in der Schweiz

Der diesjährige «Young Talents in Clinical Research» unterstützt diese 14 jungen Ärztinnen und Ärzte aus Spitälern in der ganzen Schweiz.

image

Studie: Klarspüler beschädigt Schutzschicht des Darms

Professionelle Geschirr-Spülmaschinen sind mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Dies zeigen Forschende um die Universität Zürich.

image

Unispital Lausanne und Kernforscher entwickeln Super-Strahlengerät

Das Unispital Lausanne und die Kernforschungs-Einrichtung Cern haben grosse Pläne: In zwei Jahren wollen sie eine Weltneuheit in der Krebs-Strahlentherapie präsentieren.

image

Dieses Rüstzeugs fehlt den Gesundheitsfachpersonen

Eine Studie zeigt: Im Hinblick auf die Herausforderungen im Berufsalltag gibt es bei der Vermittlung von Kompetenzen an Schweizer Fachhochschulen Nachholbedarf.

image

Leberkrebs: So gerät eine gesunde Zelle auf Abwege

Leberkrebs gehört zu den tödlichsten Krebsarten. Basler Forschende haben nun herausgefunden, wie eine gesunde Leberzelle zur Tumorzelle wird.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.