«Wie jetzt diese Branche kriminalisiert wird, akzeptiere ich nicht»

Francesco Maisano sagt, wohin es ihn nach dem unschönen Weggang von Zürich ziehen könnte. Und der ehemalige Klinikdirektor der Herzchirurgie am Unispital will ein Buch schreiben.

, 7. September 2020, 05:55
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Am letzten Donnerstag setzte die Spitalleitung des Universitätsspitals Zürich (USZ) zu einem Befreiungsschlag an: Das Unispital und Francesco Maisano haben das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst. Dies, obwohl der Klinikdirektor der Herzchirurgie bislang von den wesentlichen Vorwürfen entlastet wurde. Patienten seien nie gefährdet worden und es gibt «keine Hinweise auf ein strafbares Verhalten» durch ihn. Trotzdem sah die Spitalleitung wohl keine andere Lösung mehr, als den bereits stark eskalierten Konflikt, der im ganzen Spital zum beherrschenden Thema geworden ist, mit diesem Schnitt zu lösen. 

«Was hier ­geschieht, ist eine Krimi­nalisierung der Innovation»

Mit Francesco Maisano verliert die Schweizer Herzchirurgie einen «hervorragenden, international anerkannten Chirurgen und eine innovative Persönlichkeit», wie ihn das Unispital in der Mitteilung zu seinem Weggang bezeichnet. Er verkörpere international «die neue Ära der modernen Herzchirurgie». So ist vor allem bei seinem grossen internationalen Netzwerk das Unverständnis über seinen Abgang enorm gross. Denn es wird von vielen branchenfremden Akteuren oftmals übersehen, dass Spitzenmedizin stets im internationalen Wettbewerb steht - und die Schweiz nur dank innovativen Medizinern wie Maisano ganz oben mitspielen kann.
«Gerade wegen meiner Erfindungen holte man mich man ja ans Universitätsspital», sagt Maisano jetzt in einem grossen Interview mit dem «Sonntags Blick». Es sei traurig, sagen zu müssen, dass dies nun auch der Grund dafür sei, sich von ihm zu trennen. 
«Was hier ­geschieht, ist eine Krimi­nalisierung der Innovation», sagt er weiter. Ihm ging es nie ums Geld. Francesco Maisano hatte diverse Angebote aus der Privatwirtschaft abgelehnt, mit denen er massiv mehr hätte verdienen können. «Der Vorwurf der Geldgier verletzt mich am meisten.» Und er akzeptiere nicht, wie diese Branche jetzt kriminalisiert werde.

Der Whistleblower sei ihm gegenüber nie ehrlich gewesen

Ein Herzchirurg stehe ständig enorm unter Druck. Wenn er aber zurückschaue, habe er keine Entscheide gefällt, die er heute in der gleichen Situation anders fällen würde. «In den letzten zwei Jahren habe ich nur einen grossen Fehler gemacht: den falschen Leuten vertraut.» Damit meint er insbesondere den «Whistleblower», der den Fall ins Rollen gebracht hatte. «Ich dachte, ich tue alles, um seine Karriere zu unterstützen, habe ihn zum Leitenden Arzt befördert und ihm volle Handlungsfreiheit gegeben. Dann kam irgendwann der Punkt, an dem er glaubte, er sei ein besserer Chirurg, als er tatsächlich ist.»
Der Whistleblower, so Maisano, hatte über Jahre viele Gelegenheiten, konstruktive Zweifel anzubringen. «Ich befür­worte die Haltung, dass man seine Stimme erhebt.» Er sei ihm gegenüber nie ehrlich gewesen. «Er entschied, Vorwürfe zu ­konstruieren und an die ­Öffentlichkeit zu gehen.» Vielleicht habe ich Fehler gemacht, sagte Maisano im Interview weiter, aber nur im Bereich Administration. Das Spital hat inzwischen bekannt gegeben, sich vom umstrittenen Leitenden Arzt und gleichzeitig Hinweisgeber zu trennen. Es habe sich gezeigt, dass eine Zusammenarbeit in dieser vertrackten Situation nicht mehr möglich sei.

Was Maisano über die Anzeige der Patientenstelle sagt

Francesco Maisano äussert sich im Interview auch über seine Zukunft: «Vielleicht gehe ich nach Italien zurück». Sicher werde er weiter operieren. Und der Herzchirurg mit Jahrgang 1966 will ein Buch schreiben: über einen Eingriff, nach dessen tödlichem Ausgang ihn die Zürcher Patientenstelle unter der damaligen Leitung von Erika Ziltener angezeigt hat. Man habe nie mit ihm gesprochen. Er ist sich auch nicht sicher, ob es in die­ser ­ganzen Auseinander­setzung wirklich um den Patientenschutz gehe. «Wer will, kann bei jedem ­Patienten eine falsche Entscheidung finden.» Maisano hat sich immer auch um komplexe Hochrisikofälle gekümmert, welche andere gar nicht operieren wollen. «Mein Beruf ist, Patienten zu retten.» Wenn er dann sehe, dass ein solcher Fall in den Medien gegen ihn ­benutzt werde, schmerze ihn das sehr.
Das Unispital bedauert in diesem Zusammenhang denn auch «die gegen ihn gerichtete Medienkampagne». Auch Spitalpräsident Martin Waser sagte gegenüber der NZZ, dass die Medien Maisano «massiv vorverurteilt» hätten, was die Situation verschärft habe. Für Waser ist der getrennte Weg zwischen dem Unispital und dem Klinikdirektor keine Vorverurteilung. Die noch laufende Untersuchungen seien von dem, was jetzt entschieden wurde, völlig getrennt. Denn viele Fragen sind bis heute nicht geklärt. Eine Trennung angesichts der «andauernd belastenden Situation» sei für beide Seiten die beste Lösung. Bis ein Bericht vorliege, könne es Spätherbst werden. 
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