Wie hoch sind die Mehrkosten für die Krankenkassen?

Wird das Coronavirus die Krankenkassen zu massiven Mehrausgaben zwingen? Oder wird die Kostenexplosion abgedämpft, weil viele Wahloperationen verschoben werden?

, 1. April 2020, 15:02
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Die Spitäler wissen noch nicht, wem sie die Mehrkosten verrechnen können, die ihnen wegen des Coronavirus entstehen. Und auch die Krankenversicherer können noch nicht abschätzen, was sie das Virus kosten wird.
Ralph Kreuzer, Mediensprecher des Krankenkassenverbands Curafutura, sagt: «Dafür ist es derzeit noch deutlich zu früh. Es fehlt den Krankenversicherern an verlässlichem Zahlenmaterial.» Gleich sieht es beim Verband Santésuisse aus, wie Sprecher Matthias Müller gegenüber Medinside sagte.

Mehr Telemedizin - aber weniger Wahloperationen

So nehmen die Versicherten zum Beispiel bestimmte Angebote wie Telemedizin stärker in Anspruch. Auch die Tests für den Nachweis der Coronaviren, die derzeit rund 300 Franken kosten, übernehmen die Krankenkassen, wenn sie ärztlich verordnet sind. Hingegen werden Wahloperationen verschoben oder manche Patienten verzichten sogar ganz darauf.
Einen speziellen Tarif für die Behandlung eines Corona-Patienten wird es wohl nicht geben, nehmen Kreuzer und Müller an. «Die Behandlungskosten eines Corona-Patienten werden grundsätzlich mit dem stationären Tarif vergütet, also mit Fallpauschalen, die - je nach Schweregrad des Patienten - unterschiedlich sein können», heisst es bei den beiden Verbänden.

Braucht es neue Corona-Tarife?

Noch ungeklärt ist, wie Spitäler und Ärzte ihre Mehrkosten geltend machen können. Solche Mehrkosten entstehen zum Beispiel, weil das Personal und die Patienten zusätzlich geschützt werden müssen, weil mehr Material und mehr Desinfektionsarbeiten nötig sind oder auch Kosten für das Einrichten von zusätzlichen Räumen anfallen.
Diese Kosten seien eigentlich mit dem stationären Tarif abgegolten, sagen Kreuzer und Müller. Sie räumen jedoch ein: «Es gibt schon Fragen zur Tarifanwendung und -umsetzung.» Die Gespräche zur Klärung dieser Fragen würden derzeit auf Hochtouren laufen. Entsprechende Vorgaben würden aber nicht von den Krankenkassen oder von den Spitälern, sondern vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) kommen.

Spitäler sind derzeit unsicher über die Verrechnung ihrer Mehrleistungen

Bei den Spitälern ist die Unsicherheit über die Finanzierung derzeit gross, wie Dorit Djelid, Sprecherin des Verbands der Schweizer Spitäler HPlus, bereits vor einiger Zeit gegenüber Medinside sagte: «Es ist unklar, wie die zusätzliche Infrastruktur, beispielsweise für die vorgelagerte Triage von Corona-Fällen, eine Hotline oder zusätzliche Insolier-Zimmer im aktuellen Tarif abgegolten werden.» Das Fallpauschalensystem Swiss-DRG stützt sich auf Daten aus der Vergangenheit und berücksichtigt solche Leistungen nicht.
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