Wenn Gemeinde und Hausärzte zusammenspannen

Immer mehr Gemeinden gehen den Hausärzte-Mangel mit pragmatischen Ideen an. In Wiesendangen übernimmt jetzt die Gemeinde das «finanzielle Risiko».

, 3. Dezember 2015 um 10:45
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Bei der schwierigen Suche nach einem Nachfolger erhalten Hausärzte oftmals Unterstützung der FMH Services. Aber auch die Gemeinden bieten Hand für eine Lösung. So wie aktuell in Wiesendangen.
Dort hat sich der Gemeinderat für den Bau einer Gemeinschaftspraxis eingesetzt, sich bei der Suche nach Hausärzten beteiligt, und: die Gemeinde übernimmt laut einem Bericht im «Landboten» das finanzielle Risiko.

«Grundsätzlich Privatsache»

Mit Erfolg: Im April 2016 ist in Wiesendangen die Eröffnung einer neuen Gemeinschaftspraxis geplant, heisst es. 
«Grundsätzlich ist die medizinische Versorgung aber Privatsache», sagt Gemeinderätin Suzana Wyss der Zeitung. Die Gemeinde habe sich deshalb auf die «Anschubhilfe» beschränkt.

Jegenstorf mit Modellcharakter

Das Modell macht offenbar Schule. So hat die Zürcher Gemeinde Mar­tha­len vor einiger Zeit Räume für eine Gemeinschaftspraxis ­gebaut und vermietet diese bis heute an ein Ärzteteam. Diese Nachfolge-Praxis ist aber nicht neu. 
Als Modell dafür steht die Berner Gemeinde Jegenstorf. Im Jahr 2011 konnte dank der Initiative eines Arztes und der Unterstützung durch die Gemeinde das Ärztezentrum Jegenstorf AG realisiert werden. Hingegen waren dort die Gemeinde und der Kanton nicht an der Finanzierung beteiligt. 

Eine private Idee in Schaffhausen

In Schaffhausen wiederum machte eine private Initiative von sich reden: Die Volksapotheke Schaffhausen, die Magnetresonanz Schaffhausen AG und der Hausarztverein Schaffhausen haben im Sommer gemeinsam eine Firma namens Hausarztpraxen Schaffhausen AG gegründet – die HAPS.
Das Modell: Die neue Gesellschaft beteiligt sich an Hausarztpraxen, die zum Verkauf stehen. Zugleich sucht die HAPS junge Hausärzte als Nachfolger und hilft den Ärzten, die in Pension gehen, bei der Praxisübergabe. Die AG setzt sich dabei auch für Gemeinschafts- und Teilzeitmodelle ein.
Einen eigenen Weg geht der­zeit eine Hausärztin in Pfun­gen. Sie will am kommenden Samstag gemeinsam mit einer Apothekerin aus Winterthur ein Med­zen­trum eröffnen.
Alfred Rösli, Sprecher der Win­ter­thu­rer Ärztevereinigung, sagte dazu kürz­lich im «Land­boten»: «Die Kooperation zwischen Arzt und Apotheke ist die Zukunft, nicht die Konkurrenz.» 
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